Nach dem Referendum Brexit trifft uns alle

Dienstag, 28. Juni 2016
Die deutschen Exporte von Fleisch, Fleischwaren und Wurst erreichten im vergangenen Jahr einen neuen Rekord. Insgesamt lieferte die Bundesrepublik Fleischerzeugnisse im Wert von 777,4 Mio. Euro. Wichtigster Artikel ist Schweinefleisch. Zubereitungen und Konserven aus Schweinefleisch sowie Lieferungen von Rindfleisch waren 2015 die größten Wachstumstreiber im Fleischhandel zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königkreich von Großbritannien und Nordirland.
Foto: afz
Die deutschen Exporte von Fleisch, Fleischwaren und Wurst erreichten im vergangenen Jahr einen neuen Rekord. Insgesamt lieferte die Bundesrepublik Fleischerzeugnisse im Wert von 777,4 Mio. Euro. Wichtigster Artikel ist Schweinefleisch. Zubereitungen und Konserven aus Schweinefleisch sowie Lieferungen von Rindfleisch waren 2015 die größten Wachstumstreiber im Fleischhandel zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königkreich von Großbritannien und Nordirland.
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Brexit Fleischmarkt


Das Ergebnis des Referendums des britischen Volks gegen einen Verbleib in der Europäischen Union führt in der Folge zu Handelshemmnissen, die sowohl der deutschen Fleischwirtschaft und dem Fleischerhandwerk schaden werden.

Von Matthias Kohlmüller

Die Bundesrepublik ist ein wichtiger und zuverlässiger Lieferant von Großbritannien und Nordirland für den wertvollen Rohstoff Fleisch.

Mit dem Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU-Staatengemeinschaft können wirtschaftliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen werden. Die Kapitalmärkte spielen jetzt schon verrückt. Die britische Währung fiel am Montag, dem 27. Juni 2016, zeitweise um 3,4 Prozent auf ein 31-Jahres-Tief von 1,3217 Dollar. Am Freitag hatte das Pfund bereits innerhalb weniger Stunden rund ein Zehntel seines Werts verloren. Die Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarktes werden für Großbritannien in Zukunft nicht mehr gelten.

Das betrifft sowohl die britischen Exporte in die EU als auch deutsche und europäische Lieferungen ins Vereinigte Königreich. Aber auch Direktinvestitionen werden in Zukunft stärker als bisher geprüft und abgewogen.

Die deutschen Fleischexporteure führten 2015 mit einem Ausfuhrvolumen von 777,4 Mio. Euro das Ranking der Branchen bei den Lieferungen auf die britischen Inseln an. Es folgten Backwaren mit 580 Mio. Euro und Milchprodukte mit 508 Mio. Euro. Allein bei diesen drei Produktgruppen belief sich der Handelsüberschuss auf mehr als 1,5 Mrd. Euro. Diese Ausfuhren werden zwar nicht komplett wegbrechen, aber Einbrüche sind absehbar.

England - Großbritannien - Vereinigtes Königreich
(Bild: Andrea Damm / pixelio.de)

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Die Bundesrepublik lieferte im vergangenen Jahr Schweinefleisch, frisch oder gekühlt, im Wert von 183 Mio. Euro ins Vereinigte Königreich (UK). Das entspricht einem Exportanteil von 24 Prozent aller Fleischwaren aus Deutschland. 2015 legten die Exporte von zubereitetem Schweinefleisch wie Bacon und Konservenware zu. Hier betrug das Plus zu 2014 satte 15 Prozent und erreichte einen Wert von 170 Mio. Euro.

Es sind aber nicht nur die großen Fleischkonzerne Tönnies, Vion und Westfleisch, die Waren auf die Inseln liefern. Die Schwarzwälder Metzgerei Hug liefert beispielsweise wöchentlich eine Tonne Bratwurst per Spedition ins Londoner Eastend. Jetzt befürchten Christoph Hug und sein Abnehmer Florian Frey vom Restaurant „Herman ze German“ Handelszölle. Die deutschen Bratwürste sind in der Finanzmetropole sehr beliebt und seien durch nichts zu ersetzen, sagten die beiden Unternehmer dem Südwestrundfunk.
Big Ben und die Houses of Parliament.
Foto: Marcel Klinger / pixelio.de
Big Ben und die Houses of Parliament.
Mit dem Wegfall der britischen Nettoeinzahlung von jährlich etwa 4,9 Mrd. Euro würde sich bei einer proportionalen Kürzung der Haushaltskapitel das EU-Agrarbudget um mehr als zwei Mrd. Euro verringern. Nicht zu unterschätzen ist zudem, dass durch den Austritt ein Fürsprecher für eine marktorientierte Agrarpolitik verloren ginge. Das Vereinigte Königreich ist ein Lebensmittel-Einfuhrland. Seine Isolierung nach dem Brexit wird die Kosten für die Beschaffung von Lebensmitteln erhöhen. Daneben werden peu à peu die Handelsströme durcheinander gewirbelt. In Zeiten einer schwachen Währung wird sich der Anteil von qualitativ höherwertigen Markenartikeln verringern, zumal bei den Briten die Wertschöpfung im Convenience-Bereich ausgesprochen hoch ist.

Die Insel hat einen sehr hohen Einfuhrbedarf an Schweine- und Geflügelfleisch. Bei Schweinefleisch liegt der Selbstversorgungsgrad lediglich bei 55 Prozent, was zur Folge hat, dass jährlich rund 1 Mio. t Schweinefleisch, davon allein rund 300.000 t in Form von Bacon und Ham, importiert wird. Hauptlieferanten sind mit Abstand Dänemark, Deutschland und die Niederlande. Der Wertverlust des Pfunds verteuert zum einem die Importe aus britischer Sicht. Die Wertschöpfung für deutsche Vermarkter könnte ebenfalls darunter leiden.

Die Selbstversorgung mit Geflügel liegt bei 73 Prozent. Mit 35,4 kg pro Kopf der Bevölkerung liegt Geflügel auf Platz eins der am meisten konsumierten Fleischarten. Es folgen Schweinefleisch (25,0 kg) sowie Rind- und Kalbfleisch (18,7 kg). Jährlich importierte das Vereinigte Königreich bisher rund 800.000 t Geflügelfleisch. Hauptlieferanten sind die Niederlande, Thailand und Polen.

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