Schlachthof Kassel „Geld für nötige Investitionen fehlte“

Dienstag, 20. Februar 2018
Obermeister Dirk Nutschan beklagt Misswirtschaft.
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Obermeister Dirk Nutschan beklagt Misswirtschaft.
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Schlachthof Kassel


Das Ende des Kasseler Schlachthofs ist beschlossene Sache. Ein letzter im Rennen befindlicher Investor ist abgesprungen. Dafür macht Obermeister Dirk Nutschan die jahrelange Misswirtschaft verantwortlich. Mit den Folgen müssen nun die regionalen Fleischer leben. Doch die Produktion der „Ahlen Wurscht“ geht auf Umwegen weiter.

von Andrea Möller

Herr Nutschan, was bedeutet das Aus des Kasseler Schlachthofs für die regionalen Fleischer?

Dirk Nutschan: Die Fleischer müssen nun längere Wege in Kauf nehmen. Der nächste Betrieb liegt in Warburg. Das sind von Kassel aus 50 Kilometer. Eine Alternative wäre der Schlachthof in Heiligenstadt. Um dort hinzugelangen, müssen die Schlachter zwischen 50 und 70 Kilometer ins thüringische Eichsfeld fahren.

Wieso konnte der Schlachthof in den vergangenen Jahren nicht mehr wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden?

Nutschan: Weil es keine gescheite Geschäftsführung gab. Es wurde einfach nicht darauf geachtet, dass die Kosten im Rahmen bleiben. Nehmen wir nur den Gasverbrauch: Den ungefähr 2.500 geschlachteten Schweinen im Monat steht eine Gasrechnung von 7.200 Euro gegenüber. Andere Betriebe verbrauchen bei dieser Anzahl von Tieren nur 1.000 Euro. Außerdem hat die Geschäftsführung keine Kundenakquise betrieben und keine Mietverträge mit den beiden Pächtern abgeschlossen: einer Kuddelei und einem Gemüsehändler. Ohne Mietverträge gab es auch keine Nebenkostenabrechnungen. Deshalb ist es nicht weiter erstaunlich, dass das Geld für nötige Investitionen fehlte – ein Investitionsstau entstand.

Warum kommt ein finanzielles Engagement durch die örtlichen Fleischer nicht in Frage?

Nutschan: Das hatten wir ursprünglich vor. Allerdings bekamen wir die erforderlichen 400.000 Euro nicht zusammen. Wir hätten 150.000 Euro gebraucht, um die Gebäude zu kaufen. Weitere 250.000 Euro wären für wichtige Investitionen nötig gewesen. Unterm Strich sind bei unseren Bemühungen aber nur 80.000 Euro herausgekommen.

Welche Sanierungen wären nötig, um den Schlachthof wiederzueröffnen?

Nutschan: Zum einen bräuchte der Schweinestall dringend ein neues Dach. Das allein geht unheimlich ins Geld. Zum anderen wäre eine neue Brühmaschine nötig. Außerdem müsste am Schlachtband einiges erneuert sowie die Fliesenschäden an den Wänden und auf dem Boden repariert werden. Ein weiterer Posten wäre das Kühlhaus. Es ist viel zu hoch, weil man vor 40 Jahren nun mal so gebaut hat.

Betrachten die Kasseler Fleischer den Regional-Schlachthof überhaupt als notwendig?

Nutschan: Ja, schon wegen der erwähnten längeren Strecken, die sie mit den Tieren zurücklegen müssen. Schließlich geht es nicht nur um die Hin-, sondern auch um die Rückfahrt. Das bedeutet höhere Benzinkosten und höheren Arbeitsaufwand. Zwei zusätzliche Stunden werden dafür mindestens fällig.

Wie geht es ohne den Schlachthof mit der „Ahlen Wurscht“ weiter?

Nutschan: Einige Fleischer schlachten ja nach wie vor selbst. Die übrigen müssen auf andere Schlachtstätten ausweichen. Neben den Betrieben in Warburg und Heiligenstadt gibt es noch einen kleineren Schlachthof in Bad Wildungen. Ich gehe stark davon aus, dass die Stadt Kassel den Schlachthof gar nicht mehr wollte. Zurzeit werden etwa 600 Tiere pro Woche geschlachtet. Dabei war die Anlage ursprünglich auf eine höhere Kapazität ausgelegt. Dafür braucht es inzwischen aber ein aufwendiges Genehmigungsverfahren. Der letzte Investor hätte sich ein halbes bis dreiviertel Jahr gedulden müssen. Kein Wunder, dass er abgesprungen ist.

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