Sieber-Pleite Verwalter verklagt den Freistaat

Freitag, 02. Februar 2018
Die Sieber-Pleite hat juristisches Nachspiel.
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Die Sieber-Pleite hat juristisches Nachspiel.
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Schadenersatzklage Geretsried Landgericht München


Dem Freistaat Bayern fällt der Fall der Großmetzgerei Sieber in Geretsried auf die Füße. Der Insolvenzverwalter des Unternehmens Josef Hingerl hat das Land Bayern beim Landgericht München I auf Schadenersatz verklagt. Darüber berichtet die LZ vom heutigen Freitag.
Nach den Listerienfunden bei Sieber im März 2016 hätten die Behörden, angeleitet vom Ministerium, den Fleischverarbeiter mit 120 Beschäftigten innerhalb einer Woche „trotz aller Bedenken plattgemacht“, so der Vorwurf der Millionenklage. „Man wollte nach Bayern-Ei und Müller Brot unbedingt einen weiteren Lebensmittelskandal vermeiden und hat daher panisch die Reißleine gezogen“, so Hingerl gegenüber der Lebensmittel Zeitung (dfv Mediengruppe).

„Die Beklagte hätte damals nicht öffentlich vor den Sieber-Produkten warnen dürfen, da die festgestellten Listerienbelastungen unter den Grenzwerte lagen“, sagt Hingerls Münchner Anwalt Andreas Meisterernst. Jedenfalls sei die pauschale Warnung vor allen Sieber-Produkten rechtswidrig gewesen.

„Zwar wurde im März 2016 eine erhöhte Listerienkonzentration in einem Produkt von Sieber nachgewiesen. Die betroffene Charge wurde jedoch sofort zurückgerufen. Spätere Prüfungen boten keinerlei Anlass für Beanstandungen, und eine Probe wurde falsch zugeordnet“, meint Hingerl. Eine Spezialeinheit des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) habe bei einer Kontrolle nur geringe Mängel entdeckt, sei jedoch angewiesen worden, bei einer weiteren Untersuchung die nötigen Umstände für eine Betriebsschließung zu ermitteln.

Ein Ministeriumssprecher weist die Schadenersatzforderung gegenüber der LZ entschieden zurück. Er verweist auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts München, das den Antrag Siebers gegen die Maßnahmen der Behörden damals im Eilrechtsschutz abgelehnt hatte. „In mehreren Produkten der Firma waren Listerien festgestellt worden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu 80 Krankheitsfällen und mindestens vier Todesfällen geführt hatten“, betont eine Sprecherin des Landratsamts Bad Tölz-Wolfratshausen.
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