Snack 2016 Der mobile Esser unter der Lupe

Freitag, 09. September 2016
Gretel Weiß erklärt die drei Sehnsuchtsgrößen: maximale Frische, Wohlfühlatmosphäre und (Massen-)Individualität.
Foto: Thomas Fedra
Gretel Weiß erklärt die drei Sehnsuchtsgrößen: maximale Frische, Wohlfühlatmosphäre und (Massen-)Individualität.
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Trends Snack


Zwei Tage haben sich knapp 300 Vertreter der kompletten Wertschöpfungskette des Snack-Business in Frankfurt am Main getroffen. Der diesjährige Snack-Kongress am 7. und 8. September 2016 stand unter dem Motto 'Snack sells: Mobiler. Besser. Vielfältiger'.
Von Ilona Renner

Der Fach-Event unter der Regie der dfv Conference Group bot neben spannendem Content auch zahlreiche Möglichkeiten zum Netzwerken – Highlight: ein Outdoor-Barbecue am Abend des ersten Kongresstages.

Ausgewählte Statements

„Der mobile Esser ist das neue Wesen“, führte Gretel Weiß, Herausgeberin food-service und FoodService Europe & Middle East, in das Thema ein. Wachstum sieht sie unter anderem im Bakery-Business, im Premium-Segment. Hinsichtlich einzelner Produktgruppen sind Pizza und Sushi klare Gewinner – wobei letzteres nur für größere Städte gilt. Als Aufsteiger-Zutat hob die Keynote-Speakerin des Kongresses die Avocado hervor. Die Frucht hat den Wandel vom Imageartikel zum Bestseller geschafft. Große Erfolge feiern im deutschen Quickservice-Markt beispielsweise bereits LeCrobag und Subway. Abschließend gab Weiß dem Plenum einen Tipp für die nächste Trendtour: die neue Markthalle in Rotterdam.

„Die Gastronomie insgesamt wächst wieder. Sowohl beim Umsatz als auch hinsichtlich der Anzahl der Besuche“, erklärte Jochen Pinsker, npdgroup Deutschland. Will man den Snackbereich isoliert betrachten, kommt es auf eine genaue Definition an. Der Marktforscher wählt die Kategorie ‘Gelegenheit‘, sprich: Snacks sind Zwischenmahlzeiten vormittags, nachmittags und nachts.

Arbeits- und Ausbildungsverpflegung profitieren laut Pinsker im Snack-Geschäft ebenso wie Bäcker und Supermärkte. Er erkennt einen klaren Trend in Richtung ‘flüssig snacken‘: „Immer mehr Snacks werden als Getränk konsumiert, beispielsweise als Frappée oder Smoothie.“ Zusammenfassend sieht der Marktforscher großes Potenzial für Snacks, da zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen einen positiven Einfluss auf den Abverkauf haben.

Fünf Tipps zum Snacking-Begriff

Andrew Fordyce, Trendtour-Veranstalter in London, hat unter dem Titel ‘High Five of Snacking‘ die seiner Meinung nach wichtigsten Punkte aufgelistet: Products (deutsche Snacks müssen innovativer werden), Packaging (Verpackungen machen attraktive Produkte), Presentation (keine leeren Regale, Warenlager in den Verkaufsraum, offene Konzepte), Pricing (gestaffelte Preise für spezielle Angebote – good, better, best).
Teilnehmer der Konferenz beim Insekten-Tasting in der Pause.
Foto: Thomas Fedra
Teilnehmer der Konferenz beim Insekten-Tasting in der Pause.
Fordyce berichtete auch von Trends (Streetfood, internationale Spezialitäten, Premium und Pulled Meat) und aktuellen Produktinnovationen aus London: Toasties und Blitzes (Zutaten für einen flüssigen Snack im Becher präsentiert und an der Kasse mit dem Blender frisch gemixt).

Ebenfalls auf der Bühne war der Gründer und Geschäftsführer von Veganz Jan Bredack. Er gab offen zu: Die Filialisierung seiner veganen Supermarktkette sei, „wenn man die Hosen runter lässt, kein Geschäftsmodell, das von Erfolg gekrönt ist.“ Bredack stellt seine Marke nun als Plattform für Groß- und Einzelhandel sowie für E-Commerce auf. Schon heute zählt er rund 6.000 POS-Regale in deutschen Drogerien und Supermärkten. Er ist davon überzeugt, das vegan hip, aber mehr als ein kurzfristiger Trend sei.

Kaffeekompetenz vs. Foodkompetenz

Peter Görtz, Bäcker im Rhein-Neckar-Gebiet mit 150 Verkaufsstellen, fasst den Snack-Begriff weiter als Pinsker: „Fast alles, was in unserer Theke liegt, ist ein Snack – von Brötchen bis Berliner.“ Als umsatzstärkste Stunde bei der Bäckerei Görtz hat sich mittlerweile mittags zwischen 12 und 13 Uhr herauskristallisiert. Als klaren Vorteil seines Geschäfts bezeichnet er: „Die Frequenz der Bäckerei unterstützt und trägt unsere Gastronomie.“ Angst vor der Konkurrenz durch Kaffeebars hat Görtz nicht, denn „unsere Kompetenz bei Kaffee ist deutlich höher als die Kompetenz der Coffeeshops bei Food.“

Einen Life Cycle Assessment Ansatz hat Michael Spielmann, Quantis, anhand verschiedener Kaffeezubereitungsformen vorgestellt. Betrachtet man die gesamte Kette von Anbau über Zubereitung bis hin zu Recycling, schneiden Alu-Portionskapseln besser ab als die Verwendung eines Vollautomaten. Dies liege besonders an der Energieeffizienz der Maschine und an der höheren Kaffeemenge.

Von Delivery bis zur Sterneküche

Einen Exkurs ins Delivery-Geschäft lieferte Emanuel Pallua von foodora. Die Online-Plattform für Essensbestellungen von Restaurants ohne eigene Lieferflotte blickt auf ein überragendes Wachstum zurück. Im April 2015 gestartet, ist foodora mittlerweile in 14 deutschen Städten aktiv sowie in weiteren 26 Metropolen im Ausland. Mit zahlreichen Algorithmen werden die Lieferungen von insgesamt 7.000 Restaurants optimiert.
Sterneköchin Lea Linster im Gespräch mit Moderatorin Andrea Lottmann.
Foto: Thomas Fedra
Sterneköchin Lea Linster im Gespräch mit Moderatorin Andrea Lottmann.
Prominentes Highlight am ersten Tag des Kongresses war Lea Linster, die im Interview mit Moderatorin Lottmann ihr Buch ‘Mein Weg zu den Sternen‘ vorstellte. Sie wünscht sich mehr Premium-Varianten beim Thema Snacks – gerne auch an Tankstellen. „Einfaches in richtig Gut erwärmt jedes Herz“, sagte sie zum Abschluss.

Wie sich die Bäckermarke Kamps ein neues Image verpasst, zeigt Geschäftsführer Jochen Pollotzek auf. Mit den Bakery Slams demonstriert das rund 470 Standorte umfassende System seine humorvolle Seite. Die Aktionen polarisieren, aber Kamps kommt ins Gespräch. „Wir haben Mut bewiesen und hatten Vertrauen in unsere Marketing-Abteilung. Das gibt uns recht“, resümierte Pollotzek.

Fleischbrühen und Japan sind die nächsten Trends

Genussblogger und Kochbuchautor Stevan Paul wies die Kongressbesucher auf zwei sich anbahnende Trends hin: Brühe und Länderküchen. In New York tragen die Menschen schon mal morgens in ihrem Becher Brühe statt Kaffee mit sich herum – laut Paul ein perfektes Zusatzprodukt in Bäckereien. Dem Wunsch nach Individualisierung kann man gut nachkommen: vegetarisch, fleischlastig, asiatisch, …. Die Brühe ordnet er im großen aktuellen Thema Nose-to-Tail ein.
Trends aus erster Hand gab es von Blogger und Autor Stevan Paul.
Foto: Thomas Fedra
Trends aus erster Hand gab es von Blogger und Autor Stevan Paul.
Paul stellt als zweiten Trend die Länderküchen heraus. Nach der Nordic Cuisine folgt nun die Küche Lateinamerikas, besonders Chile, Argentinien und Peru. „In den nächsten Jahren wird die japanische Küche eine große Rolle spielen“, prognostiziert der Food-Experte. Als Anzeichen dafür nennt er das Thema Brühen am Beispiel Miso-Suppe und Sake. „Es gibt unheimlich viel zu entdecken.“ Seiner Meinung nach sollten sich die Snack-Profis mehr in Foodblogs umsehen. Zwar wird nicht alles, was in darin steht, zum Trend, jedoch werden Trends dort sehr früh erkannt.

Jetzt bereits vormerken: Der nächste Snack Kongress findet am 5. und 6. September 2017 wieder in Frankfurt statt.
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