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Bestrahlung

Die Begriffserklärung von Bestrahlung

Das Ziel der Bestrahlung ist die Haltbarmachung (Konservierung) von Lebensmitteln. Durch die zugefügte Energiemenge werden Keime oder Schädlinge abgetötet oder in ihrem Wachstum gehemmt. Der Frische-Zustand der Ware bleibt erhalten, da sie sich kaum erwärmt. In Deutschland ist die Bestrahlung mit Elektronen-, Gamma- oder Röntgenstrahlen zum Konservieren von Lebensmitteln, die im Inland vermarktet werden, verboten. Bestrahlt wird zukünftig hauptsächlich mit Gammastrahlen, die als einzige Strahlungsart entsprechend tief in das Lebensmittel einzudringen vermögen. Die dafür verwendeten radioaktiven Isotope führen aber nicht zu strahlenden Lebensmitteln. Für den in der Lebensmittelbestrahlung verwendeten Dosierungsbereich ist der Nachweis der gesundheitlichen Unbedenklichkeit erbracht. Die Lebensmittelbestrahlung ist ab September 2000 zunächst für getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze erlaubt. Ab März 2001 wird die Anwendung auch auf andere Lebensmittel ausgeweitet. Zur Orientierung des Verbrauchers ist die Kennzeichnung der entsprechend behandelten Lebensmittel vorgeschrieben.
Die Behandlung von Lebensmitteln mit ionisierenden Strahlen, so lautet die korrekte Bezeichnung, verfolgt den Zweck der Haltbarmachung, in erster Linie der Verminderung pathogener Keime und Mikroorganismen (Fleisch, Geflügel, Fisch). Daneben ergeben sich – je nach Dosierungsbereich– weitere Anwendungsbereiche: Keimungshemmung (Kartoffeln, Zwiebeln), Reifungsverzögerung (Obst und Gemüse), Abtötung von Insekten (Getreide und Trockenobst) und Sterilisation. Zur Haltbarmachung wird bei der Bestrahlung eine Dosis zwischen 1 und 10kGy angewendet (s. Abb.). Als toxikologisch völlig unbedenklich gilt nach den Gesundheitsorganisationen FAO und WHO sowie der IAEA (International Atomic Energy Agency) eine Dosis bis 10kGy (1 Kilogray; ein Gray bedeutet, dass 1kg Materie den Energiebetrag von 1 Joule aufgenommen hat). Auf Grund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse werden auch bei Behandlung mit mehr als 10kGy Sicherheit und Eignung für den menschlichen Verzehr nicht in Frage gestellt.
Zur Bestrahlung werden vor allem Beta- und Gamma-Strahlen verwendet. Der Nutzen der Beta-Strahlung beschränkt sich auf die oberflächliche Behandlung, da sie nur wenige Zentimeter in die Materie einzudringen vermag. Die größte Bedeutung kommt der Gamma-Strahlung zu, da sie eine größere Eindringtiefe aufweist. Sie setzt die Anwendung radioaktiver Isotope voraus. Für die Lebensmittelbestrahlung dienen vor allem die Isotope Kobalt-60 und Cäsium-137. Durch die Bestrahlung wird dem Lebensmittel Energie zugeführt, dabei wird dieses nur geringfügig erwärmt.
Bei Anwendung der richtigen Bestrahlungsdosis kommt es in dem bestrahlten Lebensmittel nur zu geringfügigen chemischen Veränderungen der Inhaltsstoffe. Zum Beispiel können verschiedene Vitamine zerstört werden. Die Verluste sind jedoch nicht höher als bei anderen Konservierungsverfahren. Da die Strahlungs quellen hermetisch abgeschlossen sind, kann keine Radioaktivität auf das Lebensmittel übertragen werden.
Seit den 70er Jahren wird die Lebensmittelbestrahlung in Ländern Europas und weltweit, insbesondere bei Gewürzen, eingesetzt. In Deutschland ist die Bestrahlung von Lebensmitteln, die auch in Deutschland vermarktet werden, bislang verboten; Exportware darf dagegen bestrahlt werden. Eine Ausnahme wird durch eine Allgemeinverfügung gestattet: bestimmte Gewürze dürfen zur gewerblichen Weiterverarbeitung nach Deutschland eingeführt werden.
Für eine künftige EU-einheitliche Anwendung ionisierender Strahlung bei Lebensmitteln gelten ab März 2001 die „EG-Richtlinien über die ionisierende Bestrahlung von Lebensmitteln“. Sie regeln die Herstellung, das In-Verkehr-Bringen und die Einfuhr von mit ionisierender Bestrahlung behandelten Lebensmitteln. In einer so genannten Positivliste werden die zugelassenen Lebensmittel wie die maximale Strahlungsdosis aufgeführt. Eine erste Positivliste enthält lediglich getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze, deren In-Verkehr-Bringen und deren Verwendung bis September 2000 in allen Mitgliedstaaten der EU zugelassen sein müssen. Für die Bestrahlung aller anderen Lebensmittel gelten weiterhin die unterschiedlichen nationalen Bestrahlungsregelungen. Für bestrahlte Lebensmittel gilt dann auch eine Kennzeichnungspflicht. Hierzu muss der Hinweis „bestrahlt“ oder „mit ionisierenden Strahlen behandelt“ auf dem Etikett oder bei losem Verkauf des Lebensmittels auf einem Schild angebracht werden.
Literatur:
Dederer, H.-G.: Die neuen EG-Richtlinien über die ionisierende Bestrahlung von Lebensmitteln. Zeitschrift für das Lebensmittelrecht 4, 437–459, 1999
Heiss, R., Eichner, K.: Haltbarmachen von Lebensmitteln, 267–282. Springer, Heidelberg, 1995
Schwedt, G.: Taschenatlas der Lebensmittelchemie, 226 u. 227. Thieme, Stuttgart, 1999

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