Jubiläum: Verlässlich. Tiefgründig. Faktenori...
Jubiläum

Verlässlich. Tiefgründig. Faktenorientiert.

dfv Mediengruppe
Zwischen der FLIAG Nr. 1 vom 26. Juli 1921 und der heutigen „Fleischwirtschaft“, wie sie seit 2017 aussieht, liegen im kommenden Juli 100 Jahre.
Zwischen der FLIAG Nr. 1 vom 26. Juli 1921 und der heutigen „Fleischwirtschaft“, wie sie seit 2017 aussieht, liegen im kommenden Juli 100 Jahre.

FRANKFURT Die „Fleischwirtschaft“ hat seit 100 Jahren ihren festen Platz in Praxis und Fleischforschung.

So richtig runde Jubiläen soll man feiern wie sie fallen, auch wenn die aktuellen Zeiten es dem besonderen Anlass nicht gerade leicht machen. Die „Fleischwirtschaft“ wird im zweiten Pandemie-Jahr 100 Jahre alt – mit Blick auf die Nr. 1 der FLIAG, die am 26. Juli 1921 erschien. In dieser und den kommenden Ausgaben blicken Redaktion und Verlag zurück und natürlich auch nach vorn.

Die Gründung der Zeitschrift und die Anfänge ihrer wechselvollen Geschichte sind fast zeitgleich mit der Entstehung des ersten reichsweiten Zusammenschlusses der Fleischwaren-Fabrikanten zu sehen. Zuvor hatte es – noch in den Jahren des 1. Weltkriegs – nur lockere Verbindungen gegeben, und auch Fachorgane erschienen nur sporadisch. Erst im Rahmen der Zwangsmaßnahmen der Kriegswirtschaft wurde versucht, das Nebeneinander verschiedener Landesgruppierungen besser zu koordinieren. Mit späten Verbandsgründungen von 1916 und 1919 war die Fleischwarenindustrie eine Ausnahme im Nahrungs- und Genussmittelgewerbe, das rund ein Jahrzehnt zuvor eine breite Organisationstätigkeit zeigte. Am 12. Juni 1920 entstand durch den Zusammenschluss verschiedener Verbände und Vereine in der Fleischwaren-Industrie Aktien-Gesellschaft (FLIAG) dann eine einheitliche Interessenvertretung, die von den Berliner Zentralbehörden und den übrigen Fleischorganisationen anerkannt wurde. Die für einen Verband außergewöhnliche Form der AG war gewählt worden, um die Rohmaterialversorgung und anstehende Handelsgeschäfte besser bündeln zu können.

Mit dem Erscheinen der gleichnamigen „FLIAG“ als „Zeitung der gesamten Fleischwaren-Industrie“ am 26. Juli 1921 wurden zuvor kurzzeitig erschienene Fachzeitungen wieder aufgegeben. Infolge der Stabilisierung der Währung, der langsamen Besserung des Vieh- und Fleischmarktes und der Vermehrung der Goldmark-Verordnungen für Aktiengesellschaften entschlossen sich die Fleischwarenfabrikanten zur Gründung eines eingetragenen Vereins, dem Reichsverband der deutschen Fleischwaren-Industrie E.V. „Der Zusammenschluß der industriellen, fleischverarbeitenden Betriebe Deutschlands“, wie er im Paragraphen 2.I.a. am 20. September 1924 beschlossen wurde, galt als offizielles Gründungsdatum eines reichsweit organisierten Verbandes.

FLIAG als Ursprung

Die Nr. 1 der FLIAG wurde vom Verlag Carl Schmalfeld in Berlin herausgebracht. Dieses Datum wird auch als Ursprung der späteren „Fleischwirtschaft“ gewertet. Ende September 1924 erschien die FLIAG zum letzten Mal, weil ab dem 3. Oktober des gleichen Jahres „Die Fleischwaren-Industrie“ als Wochenzeitschrift deren Funktion übernahm. Dass dieser Schritt zwar im neuen Verlag Hinrichsen und Deppe (Berlin) nur eine erneute Umbenennung von Verband und Zeitung bedeutete, wurde durch die Kontinuität des Chefredakteurs, des Verlags und durch die Jahrgangszählweise dokumentiert. Der nominell erste Jahrgang der Zeitschrift „Die Fleischwaren-Industrie“ wurde in Anlehnung an die FLIAG-Zeitung vierter Jahrgang genannt.

Ralph Stegmaier
Aus diesem Titel entwickelte sich dann die heutige „Fleischwirtschaft“ als internationale Monatszeitschrift für die gesamte Fleischbranche. Dieser Name wurde zum ersten Mal mit Erscheinen am  6. Februar 1939 im wiederum neuen Berliner Verlag Hans Holzmann verwendet. Zwischenzeitlich hatte es durch die Kriegswirren 1939 bis 1945 anfangs falsche Jahrgangszählweisen und danach auch neue Zählweisen gegeben. So erschien im Verlagshaus Sponholz GmbH, Berlin/Frankfurt am Main, mit dem 1. Jahrgang 1949, zunächst eine Zeitschrift „Wissenschaft und Praxis für Schlachthofwesen, Fleischwirtschaft, Lebensmittelhygiene, Konservierung“, die sich im 2. Jahrgang 1950 dann „Wissenschaft und Praxis der Fleischwirtschaft“ nannte, bevor der 3. Jahrgang 1951 dann wieder als „Die Fleischwirtschaft“ erschien. Im 16. Jahrgang 1964 besannen sich die Verantwortlichen dann auf eine parallele bzw. neue Zählweise, indem der Jahresband mit der Nummer 44 ausgewiesen wurde.

Von Sponholz zum Deutschen Fachverlag

Im 58. Jahrgang 1978 gelangte die „Die Fleischwirtschaft“ mit Sponholz zum Deutschen Fachverlag (dfv) in Frankfurt am Main, dem heutigen Herausgeber. Schon im gleichen Jahr wurde ein wissenschaftlicher Beirat gegründet und zwei Jahre später der heutige Titel „Fleischwirtschaft“ geprägt. Die Entwicklung und Bedeutung dieser Fachzeitschrift würdigte Dieter Großklaus 1996 zu deren 75. Geburtstag anhand von Themen und Personen ausführlich (Großklaus, D. (1996): 75 Jahre Fleischwirtschaft. Fleischwirtsch. 76 (12), 1211–1212).

Mit dem Jahr 1999 wurde die deutsche „Fleischwirtschaft“ mit dem Untertitel „Von der Erzeugung bis zur Vermarktung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs“ vom Kingsize- auf A4-Format umgestellt, zuvor begann schon 1984 die Internationalisierung mit zwei eigenen Heften der Fleischwirtschaft Espanol (bis 1996) und 1986 mit der International, die aktuell im 25. Jahrgang mit vier Heften erscheint. Auch mit russischen (1991) und chinesischen Sonderheften (1994 bis 1997) wurden zwischenzeitlich Erfahrungen gesammelt, diese internationalen Ausgaben erschienen von 2008 bzw. 2009 regelmäßig unter dem Dach der englischsprachigen „Fleischwirtschaft“ international, bis 2018 bzw. 2019 bis zu vier Mal im Jahr, bevor sie von Sonderpublikationen und Online-Angeboten abgelöst bzw. immer wieder ergänzt und ausgebaut wurden.

Innerhalb von 100 Jahren zeigt sich, dass aus dem ursprünglichen Verbandsorgan immer mehr eine Fachzeitschrift für alle Bereiche der Fleischbranche wurde. Längst hat sie sich unter dem Dach der heutigen dfv Mediengruppe mit Kompetenz in Forschung und Praxis zu einem weltweit verbreiteten Fachorgan entwickelt, das mit verlässlichen Informationen, tiefgründigen Fach- und Autorenartikeln sowie faktenorientierten Berichten seinen festen Platz bei den Lesern der Wertschöpfungskette Fleisch gefunden hat.

Quelle: Fleischwirtschaft 5/2021
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