Matthias Mayer

„Am liebsten am Kutter“

Freitag, 16. August 2019

Der Metzgerberuf wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt: Matthias Mayer (18) ist in dem jetzt seit 100 Jahren bestehenden schlachtenden Betrieb seiner Eltern, Karl und Claudia Mayer, in Grafenau im Bayerischen Wald aufgewachsen.

von Niko Schuller

Schon als Kind und Jugendlicher hatte ihn die Arbeit der Metzger fasziniert, und er war oft in der Wurstküche zu finden. „Ich habe im Metzgerberuf immer etwas Positives gesehen.“ Sein Ziel, Metzger zu werden – auch ein wenig im Sinn der Familientradition – hat er jetzt in großartiger Weise erreicht. Bei der Freisprechung der Innung Passau – Unterer Bayerischer Wald wurde er unter zwei Metzgern und sechs Verkäuferinnen als innungsbester Lehrling mit jeweils den Noten 2 in Theorie und Praxis ausgezeichnet. Nach der Mittleren Reife an der Realschule Grafenau erlernte er den Beruf in der elterlichen Fleischerei und blickt nun auf eine eine angenehme und interessante Lehrzeit zurück.

Gab es eine spezielle Prüfungsvorbereitung?

Matthias Mayer: Die Theorie wurde mir in der Berufsschule von durchwegs kompetenten und freundlichen Lehrern sehr gut vermittelt. Alle für die praktische Prüfung erforderlichen Fähigkeiten habe ich daheim geübt, zumeist allein. Beim Lernen besonders schwieriger Techniken hat mich mein Vater hilfreich unterstützt. Außer einem Seminar über Konserventechnik bei einer Gewürzfirma habe ich an keinen weiteren Fortbildungen teilgenommen.

Wie war die Unterstützung durch Berufsschule und Betrieb?

Mayer: In der Berufsschule wurden meine Interessen am Metzgerberuf in bester Weise unterstützt und gefördert. Neben den theoretischen Fächern wurde auch vielerlei praxisorientierter Unterricht geboten. Was den Lehrbetrieb anbelangt, hatte ich den Vorteil, dass ich jederzeit meinen Vater fragen konnte und er mir immer bereitwillig seine Hilfe anbot. Berufsschule und betriebliche Ausbildung führten mich problemlos zu allen für einen Metzger erforderlichen Grundkenntnissen.

Welche Arbeit während der Lehrzeit haben Sie mit größter Begeisterung erledigt?

Mayer: Am liebsten habe ich am Kutter gearbeitet und vielerlei Wurstsorten mit den unterschiedlichen Würzungen hergestellt. Dabei konnte ich das fertige Produkt sehen, riechen und schmecken. Außerdem habe ich von unseren Verkäuferinnen erfahren, was die Kunden im Laden wünschen und was bei ihnen besonders gut ankommt. Am Kutter war ich mir auch immer der Verantwortung bewusst, keine Fehlprodukte zu schaffen.

Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus?

Mayer: Vorerst werde ich weiter daheim in der Wurstküche arbeiten, aber auch einige Wochen im Laden, um dabei Erfahrung im Verkauf zu sammeln. Für Januar 2020 habe ich mich zum Meisterkurs in Augsburg angemeldet und strebe zudem den Abschluss als Betriebswirt des Handwerks an. Mit dem Meisterbrief in der Tasche will ich dann in mehreren anderen Betrieben Berufserfahrung sammeln. Als Fernziel sehe ich möglicherweise ein Studium der Lebensmittelchemie.

Was sagen Ihre Freunde zu Ihrer Berufswahl?

Mayer: Keiner meiner Freunde und Bekannten hat sich über meine Berufswahl negativ geäußert. Einige fanden es sogar besonders cool, diesen speziellen Handwerksberuf zu wählen – nicht zuletzt, weil sie die Fortführung einer hundertjährigen Familientradition als großartig empfinden.

Was muss das Handwerk unternehmen, um sein Image zu verbessern?

Mayer: Das dumme Gerede vom schwierigen und blutrünstigen Metzgerberuf ist heute zwar vollständig falsch, ist aber immer noch zu hören. Hier müssen Innungen und Berufsverbände ansetzen, um für die Metzger ein völlig neues Image zu schaffen. Es gilt dabei, über die sozialen Medien mehr junge Leute zu erreichen und zu informieren. Lehrzeit und Beruf der Metzger haben sich inzwischen völlig gewandelt und der Moderne angepasst. So gibt es nur noch in Einzelfällen unangenehm auftretende Meister; die Bezahlung entspricht anderen Berufen, lediglich bei den speziellen Arbeitszeiten gilt es, mehr aufzuklären und positive Aspekte besser herauszustellen.

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