Marlene Madre

„Ich mag, dass die Arbeit alle Sinne anspricht“

Donnerstag, 22. November 2018

Marlene Madre wurde bei der Freisprechung der Innung Mittelfranken-Mitte als beste von neun Metzgerlehrlingen ausgezeichnet und mit einem Blumenstrauß belohnt. Die 27-Jährige erreichte in der Gesellenprüfung die beeindruckende Note 1,8 (1,6 in der Theorie, 2,0 in der Praxis).

von Horst Buchmann

Die gebürtige Nürnbergerin hatte vor ihrem Einstieg ins Fleischerhandwerk bereits das Abitur bestanden und ein Studium der ökologischen Landwirtschaft an der Universität Kassel/Witzenhausen absolviert; sie schloss es mit dem Titel „Bachelor of Science“ ab. Das ermöglichte ihr, die Lehre auf zwei Jahre zu verkürzen. Ausgebildet wurde die lerneifrige junge Frau zunächst in einem größeren Betrieb, ab Mai 2017 dann in der zwölf Mitarbeiter zählenden Metzgerei Hans Fruth an der Leibnitzstraße im Nürnberger Süden, wo sie alle handwerklichen Fertigkeiten vom Zerlegen bis zum Kuttern lernte.

Wie intensiv haben Sie sich auf die Prüfung vorbereitet?

Marlene Madre: Ich wurde in meinem Ausbildungsbetrieb, der Metzgerei Fruth, sehr gut auf die praktischen Prüfungen vorbereitet und durfte das Zerlegen, Kuttern und Füllen in den Monaten zuvor viel üben. Die Theorie habe ich mit den Unterrichtsunterlagen und dem Lehrbuch in den Wochen vor der Prüfung zuhause gelernt.

Haben Sie Seminare oder Lehrgänge zur Prüfungsvorbereitung besucht oder mit Kollegen trainiert?

Madre: Seminare habe ich keine besucht, aber ich habe mich im Betrieb gezielt auf die geforderten Prüfungsinhalte praktisch vorbereiten können.

Wie war die Unterstützung durch Berufsschule und Betrieb?

Madre: Sehr gut.

Welche praktische Arbeit im Ausbildungsbetrieb haben Sie mit der größten Begeisterung erledigt?

Madre: Das Füllen von Nürnberger Bratwürsten!

Was macht Ihnen grundsätzlich Spaß am Fleischerhandwerk – und was eher nicht?

Madre: Ich mag, dass die Arbeit alle Sinne anspricht, ganz besonders das Fühlen, Schmecken und Riechen. Ich mag es anzupacken und am Ende zu sehen, was man geschafft hat. Und dass alle Schritte nachvollziehbar sind, vom Töten – was ich allerdings leider noch nicht gelernt habe – über das Zerlegen hin zur fertigen Wurst. Für mich hat es etwas mit Respekt zu tun, zu wissen wie man aus den Tieren, denen man das Leben nimmt, gute Lebensmittel machen kann. Was mir nicht gefällt ist, dass man den ganzen Tag drinnen ist.

Und wie sieht nun Ihre Zukunftsplanung aus? Möchten Sie sich noch weiterbilden?

Madre: Ich will zunächst einige Monate im Ausland verbringen, würde aber gerne in ein paar Jahren die Meisterprüfung im Fleischerhandwerk ablegen. Zuvor möchte ich aber noch ein paar Betriebe kennenlernen, die Landwirtschaft und Metzgerei verbinden.

Haben Sie vielleicht sogar vor, sich später einmal selbstständig zu machen?

Madre: Ja, ich will mich später selbstständig machen und würde gerne einen Hof mit Viehhaltung und Metzgerei gründen oder übernehmen.

Was sagen denn Ihre Freunde zu Ihrem Job? Freuen Sie sich mit Ihnen oder gibt es auch kritische Stimmen zu Ihrer Berufswahl?

Madre: Sowohl meine Freunde als auch meine Familie haben mich in meinen Entscheidungen immer unterstützt und ermutigt.

Was müsste das Fleischerhandwerk Ihrer Meinung nach tun, um sein Image zu verbessern?

Madre: Ich denke, dass viele Kunden, die in der Metzgerei statt im Supermarkt einkaufen, mehr über die Herkunft und Haltungsbedingungen der Tiere wissen möchten und hier mehr Transparenz gut wäre.

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