Jasmin Möding

Niemals stehen bleiben

Freitag, 03. August 2018
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Michael Durst


Jasmin Möding, die älteste Tochter von Hamburgs Obermeister Michael Durst, hat gerade ihre zweite Ausbildung zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk mit der Gesamtnote 2 abgeschlossen.

Nach ihrem Abitur hatte die 37-Jährige bereits eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei Otto in Hamburg absolviert und war zwölf Jahre für den Versandhändler tätig. Seit 2013 ist die Hamburgerin für die Bereiche Personal und Marketing in der elterlichen Fleischerei verantwortlich.

von Jutta Thumser

Was hat Sie nach zwölf Jahren im Otto-Versand dazu bewogen, in den Familienbetrieb einzutreten?

Jasmin Möding: Ich hatte Lust auf eine Veränderung und neue Herausforderungen. Der große Vorteil eines Familienunternehmens ist die Flexibilität. Jeder, der Kinder hat, weiß, dass man immer der Zeit hinterher rennt. Das ständige Auf- die-Uhr-gucken, damit man bloß nicht zu spät zum Kindergarten kommt, und die vielen Fehltage aufgrund von Kinderkrankheiten.

Der Arbeitsweg zu Otto hat mir zudem immer zwei Stunden pro Tag geraubt – das wollte ich einfach nicht mehr. Heute fahre ich zehn Minuten zur Arbeit, und wenn etwas mit den Kids ist, dann bin ich innerhalb weniger Minuten vor Ort. Wenn eines meiner Kinder krank ist, arbeite ich von Zuhause aus oder abends, wenn die beiden Mädels schlafen. Unser Betrieb bietet mir die Möglichkeit, eigene Ideen einfließen zu lassen, kreativ zu sein, und ich finde es spannend, täglich auf neue interessante Menschen zu treffen.

Was war der Grund für Sie, eine zweite Ausbildung zu absolvieren?

Möding: Ich habe mir vor zwei Jahren gut überlegt, ob ich tatsächlich mit Mitte Dreißig noch einmal die Schulbank drücken soll. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich es schaffe, meinen Vollzeit-Job in der Firma, Mama von zwei Mädels zu sein und die Ausbildung unter einen Hut zu bekommen. Auf der anderen Seite stand für mich fest, dass unser Familienunternehmen meine Zukunft ist. Und es ist immer gut, nicht nur schlau zu reden, sondern auch das Hintergrundwissen zu erwerben.

Ich stehe selbst in der Filiale, wenn jemand ausfällt oder im Urlaub ist, und ich merke, dass unsere Kunden immer anspruchsvoller werden. Informationen zu Herkunft, Hygiene, Herstellungsprozessen und Ernährung gehören zum Alltag und ich wollte diesem Anspruch gerecht werden. Heutzutage dürfen wir nicht auf der Stelle stehen bleiben, sondern sollten den Anspruch haben, uns immer zu verbessern, um unseren Kunden einen guten Service bieten zu können.

Ihr Vater, Michael Durst, hatte seinerzeit auch erst eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen, bevor er sich dafür entschied, Fleischer zu lernen, den Meister zu machen und später das Unternehmen von seinen Eltern zu übernehmen. Sehen Sie da Parallelen?

Möding: Also grundsätzlich sind mein Vater und ich uns sehr ähnlich – das hat uns beim gemeinsamen Lernen auch viele Nerven gekostet. Meine Eltern haben meinen Schwestern und mir die freie Wahl gelassen, wo unsere berufliche Reise hingehen soll. Sie standen immer hinter uns und haben uns in allen Themen unterstützt.

Heute sind mein Vater und ich auch beruflich ein sehr gutes Team. Wir diskutieren über Themen, verlieren nie den Blick nach vorn und schätzen uns gegenseitig. Mein Respekt für meinen Vater ist sehr groß. Ich bewundere ihn, wie er mit der Vielzahl von Themen umgeht ohne jemals die Fassung zu verlieren. Meine Eltern waren während der gesamten Ausbildungszeit eine große Stütze für mich und standen mir sowohl beruflich als auch privat immer zur Seite.

Das Fleischerhandwerk befindet sich im Wandel. Junge Fleischermeister machen sich mit neuen frischen Konzepten selbstständig. Wo sehen Sie die Zukunft für Ihr Unternehmen?

Möding: Ich finde es großartig und sehr interessant, was gerade in diesem Handwerk passiert. Viele junge Kollegen schaffen es, dieses Handwerk wieder sexy und attraktiv zu gestalten und eine Brücke zu den älteren erfahrenen Kollegen zu bauen. Meine jungen Kollegen, die über Social Media gehen, neue moderne Filialen eröffnen und auch wieder vermehrt offen über die Themen Herkunft, Schlachtung und Herstellung sprechen, schaffen es, neue Zielgruppen zu gewinnen.

Unser Ziel ist es, die Kunden zum Nachdenken zu bewegen. Klar, die Schlachtung und das Verzehren von Tieren ist nicht Jedermanns Sache und es gibt auch viele Gegner, aber das gilt für alle Bereiche. Wir wollen den Kunden ein gutes Gefühl beim Einkaufen geben. Wir wissen, wo und wie die Tiere aufwachsen und gefüttert werden. Wir wollen den Kunden immer wieder neue Produkte bieten, den gewünschten Kundenservice noch stärker fokussieren und den Bereich Mittagstisch durch einen geplanten Umbau in der Filiale in Schnelsen noch weiter ausbauen.

Sie sind für die Bereiche Personal und Marketing verantwortlich. Wie sieht es mit der eigenen Weiterbildung aus?

Möding: Ich bin immer offen für Weiterbildung, aber grundsätzlich habe ich eine konkrete Vorstellung, wie ein Team funktionieren kann. „Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken!“ Also muss ich es vorleben. Ich muss führen und gleichzeitig ein Teil des Teams sein. Ich muss sensibel sein, wenn Probleme im Raum schweben, und ein offenes Ohr für meine Mitarbeiter haben, dennoch konsequent sein und immer wieder überwachen und kontrollieren. Ich habe gute Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann und mit denen ich immer im engen Austausch stehe. In Sachen Marketing darf man nie stehen bleiben, gerade was Social Media angeht.

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