Kommentar von
Sandra Sieler

Berufswahl 2 Frische Kommunikation wirbt junge Mitarbeiter

Dienstag, 01. August 2017
Wenn in diesen Tagen das neue Ausbildungsjahr startet, bleiben im Fleischerhandwerk nicht wenige Lehrstellen unbesetzt. Inzwischen schlägt der Nachwuchs- und Fachkräftemangel in der Branche voll durch.

Nicht nur Plätze für Berufsstarter sind schwierig zu besetzen, für die verantwortungsvollen Positionen in Produktion und Verkauf wächst die Herausforderung genau so, geeignete Kandidaten zu finden. Zu stark ist die Konkurrenz der großen Arbeitgeber oder der akademischen Laufbahn. Immer noch.

Aber es tut sich was. Der Imagewandel ist eingeleitet. Das zeigt sich an ganz unterschiedlichen Beispielen. Gerade jetzt in der Sommerzeit, wo die Kurzentschlossenen noch auf der Suche nach der passenden Ausbildungsstelle sind, erweisen sich die regionalen Medien als wichtige Promoter. Landauf, landab berichten Tageszeitungen online und in ihren Printausgaben vom Alltag in der Fleischerei – und zeichnen dabei das Bild eines modernen, anspruchsvollen und abwechslungsreichen Berufs, von dem die jungen Leute begeistert schwärmen.

In den Medien setzt sich das „neue Bild“ des Fleischers allmählich durch. Unterstützt wird das beispielsweise durch die neue Qualifikation zum Fleisch-Sommelier, die inzwischen von mehreren Schulen angeboten wird. Auch dieses Thema greifen Lokalzeitungen bereitwillig auf und zeigen damit neben den coolen Typen aus der modernen Metzgerei gleich noch eine der vielen Möglichkeiten zur Weiterbildung. Denn nach der Lehre ist ja nicht Schluss mit der Wissensvermittlung. Auch das gilt es immer wieder hervorzuheben: Das Fleischerhandwerk bietet mit seinen Berufen am Zerlegetisch und in der Wurstküche oder am Verkaufstresen mehr als bloße Verdienstmöglichkeiten. Eine Ausbildung im Fachgeschäft steht für Modernität, Sicherheit und Zukunftschancen. Gut ausgebildete Fachkräfte sind nun mal rar.
„Für jeden Ausbildungsbetrieb ist es essenziell, sich als Top-Arbeitgeber zu profilieren.“
Sandra Sieler
Als Fleischer oder Fachverkäufer in einem Handwerksbetrieb ist man Teil einer Gemeinschaft, in der zwar jeder seine Aufgabe hat, darüber hinaus aber als Persönlichkeit wahrgenommen wird und nicht nur als reiner Pflichterfüller. Und kleinere Strukturen lassen oft mehr Platz für Kreatives und Individuelles. Die Vorzüge liegen also auf der Hand.

Das mediale Echo, das der Wandel der Berufsbilder derzeit erzeugt, kann die eigene selbstbewusste Positionierung als zuverlässiger Arbeitgeber aber nur flankieren. Ebenso die nun schon etablierten Instrumente und Maßnahmen zur Nachwuchswerbung, die die Verbände bieten. Für jeden Ausbildungsbetrieb ist es essenziell, sich als Top-Arbeitgeber zu profilieren. Das gelingt manchmal mit einer groß angelegten Kampagne – meist nicht ganz billig – in einem anderen Fall eher mit vielen kleinen Maßnahmen. Die Affinität der jungen Leute zu den sozialen Medien und Netzwerken bedeutet hier einen entscheidenden Vorteil: Es kostet nichts, diese Kanäle zu nutzen. Wichtig ist dabei nur, auch die Sprache der Jugendlichen zu sprechen. Nehmen Sie dabei junge Kollegen ins Boot, Töchter, Söhne, Enkel, Nachbarn.

Schüler informieren sich heute größtenteils im Internet. Die Firmenhomepage dient dann als digitale Visitenkarte. Ist diese immer top-gepflegt und modern gestaltet, fällt sie den jungen Leuten sehr viel schneller ins Auge. Der erste Eindruck zählt – und der ist heute meist nicht mehr der persönliche.

Das Fleischerhandwerk hat in den letzten Jahren intensiv an seinem Bild und seinem Image gefeilt. Immer wieder standen auch die Berufsbezeichnungen zur Debatte. Stichwort: vom Schlachter zum Fleischdesigner. Was jetzt aber Renaissance hat, ist der handwerkliche Kern des Metzgerberufs, das besondere Know-how vom edlen Fleisch. Zurück zum Ursprung. Kunstbegriffe wie der Wurstdesigner wären da kontraproduktiv. Das moderne Bild des Metzgers sind echte Typen, und die stehen in der Werbung für sich selbst.
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