Kommentar von
Jörg Schiffeler

Corona-Pandemie Mitarbeiter schützen und den Betrieb sichern

Dienstag, 19. Januar 2021
Während zu Redaktionsschluss die Bundeskanzlerin noch mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder berät, zeichnet sich bereits eine Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar ab.

Die Regierenden diskutieren über verschärfte Maßnahmen wie eine FFP2-Maskenpflicht, mehr mobiles Arbeiten und Ausgangsbeschränkungen. Das scheint dringend nötig, denn das Coronavirus breitet sich immer schneller aus und mutiert dabei auch noch.

Nach vielen Einschränkungen im privaten und öffentlichen Bereich wird es nun auf die Arbeitgeber ankommen. Der Infektionsschutz in den Betrieben muss noch einmal verschärft werden – egal, ob im Großschlachthof, in der Wurstfabrik, im Supermarkt oder in der Metzgerei. Viele Unternehmen agieren bereits extrem verantwortungsvoll, andere warten lieber Entscheidungen aus der Politik mit klaren Anordnungen ab. Dafür bleibt keine Zeit und oftmals fehlt es an Klarheit bei den Vorgaben. Selbst die momentan mögliche Regel für Ausgangsbeschränkungen ab einem Inzidenzwert von 200 kann angewendet werden, muss aber nicht. Das zeigen Beispiele aus Hessen.

Worauf kommt es nun an? Die Systemrelevanz des Fleischsektors schützt nicht vor einer Infektion mit Sars-CoV-2. In den Betrieben treffen sich täglich eine Reihe von Beschäftigten in Produktion und Verkauf. In Bayern wurde zwar eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske im ÖPNV, im Einzelhandel, beim Abholservice sowie in Alten- und Pflegeheimen eingeführt – für das Verkaufspersonal jedoch nicht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Laden bleiben einem Risiko ausgesetzt, weshalb sowohl auf die maximale Anzahl möglicher Kunden im Fachgeschäft geachtet als auch für ständige Frischluftzufuhr gesorgt werden muss.

„Man muss nicht auf Verordnungen und Verfügungen warten. Wir dürfen selbst verantwortlich handeln.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
In der Zerlegung und in der Wurstküche haben die Beschäftigten keinen Kontakt zu betriebsfremden Personen. Dennoch sind auch in diesen Bereichen besondere Hygieneanforderungen des Infektionsschutzes zu berücksichtigen. Haben Sie die vergangenen elf Monate genutzt und Abläufe, Abstände oder Belüftung im Kampf gegen die Pandemie optimiert? Temperatur, Luftqualität und Abstände beeinflussen die Infektionswahrscheinlichkeit in einem erheblichen Maß, wie die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) bereits vor einigen Wochen warnte.
tönnies zerlegung
(Bild: Tönnies)

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Und noch eine Frage muss gestellt werden: Haben Sie die Digitalisierung in Ihrem Betrieb vorangetrieben? Haben Sie Beschäftigte, die nicht unbedingt vor Ort arbeiten müssen? Das könnte beispielsweise im Bereich Telefonverkauf, Marketing, Buchhaltung und Personalwesen sein. Klar, Schlachtung, Fleischverarbeitung und vieles mehr kann nicht mobil im Homeoffice erledigt werden. Aber jeder einzelne Mitarbeiter, der nicht zwingend an seinen angestammten Arbeitsplatz kommen muss, sollte spätestens jetzt mobil arbeiten. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil heizt die Diskussion um eine Homeoffice-Pflicht an, während sie in Belgien (seit letztem Herbst) und in der Schweiz (diese Woche) eingeführt wurde. Man muss hier nicht auf Entscheidungen warten, sondern darf selbst verantwortlich handeln.
Schweineschlachtung - BU Leitfaden
(Bild: Ralf Baumgarten / Die Lebensmittelwirtschaft)

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Der Ruf nach dem Staat ertönt nicht erst seit der Corona-Krise immer öfter und immer lauter. Unser Grundgesetz lässt jedem Einzelnen und jedem Unternehmen viel Freiraum, nicht nur bei der Meinungsfreiheit. Wir können gestalten und müssen dafür nicht auf Verordnungen und Verfügungen warten, die uns einschränken. So scheint es mir auch geboten, dringend über den 15. Februar hinaus zu denken. Von einem Ende des Lockdowns zu diesem Termin müssen wir hier nicht fantasieren, schließlich lehrt die Erfahrung des vergangenen Jahres, sich eher auf breitere Zeithorizonte vorzubereiten. Dabei können dann auch Ideen für neue Produkte und Dienstleistungen entstehen.

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