Kommentar von
Gerd Abeln

Digitalisierung Vernetzt in die Zukunft

Samstag, 21. Oktober 2017
Die Lebensmittelbranche sieht sich vor großen Herausforderungen: Laut Handelsverband Lebensmittel (BVLH) wird die Digitalisierung den Einzelhandel ebenso stark verändern wie die Einführung der Selbstbedienung ab Ende der 1950er Jahre.

Ob das auch für frische Produkte wie Obst und Gemüse sowie für die hochsensiblen Produkte Fleisch und Wurst gilt, muss die Zukunft erst noch im Detail beweisen.

Sicher erwartet der anspruchsvolle Kunde der Zukunft als „Omni-Shopper“, dass Online- und Offline-Einkaufskanäle kombiniert werden können. Viele Käufer möchten zudem punktgenau und in einem exakten Zeitfenster beliefert werden – doch auf den letzten Metern in die Haushalte bleibt die Kühlkette eine echte Herausforderung. Auch wenn für die Zustellung bereits kleine Roboterfahrzeuge in ersten Pilotverfahren getestet werden oder gar Drohnen direkt in den Kühlschrank liefern sollen, die Digitalisierung bedeutet nicht das Ende des Fachgeschäftes oder des Supermarktes. Schon Anfang der 2000er Jahre läuteten Start-ups wie „efoodmanager“ dieses Finale ein, bevor sie selbst am Ende waren.

Die Unternehmen der Fleisch- und Fleischwarenindustrie sind zwar mehr als nur indirekt von der Digitalisierung betroffen, doch können die Akteure auf einen großen Erfahrungsschatz setzen. Soft- und Hardware der Branche mussten schon immer Gewicht und Währung kombinieren, noch bevor Buchhaltungsprogramme dazu in der Lage waren. Es folgten die EAN-Codes und Pflichten zur Rückverfolgbarkeit, die Kühl- und Logistikkette wurde immer weiter verfeinert und bis zur Losgröße 1 scheint der Weg nicht mehr weit. Das alles wäre heute ohne modernste EDV schon nicht mehr händelbar.

In Zeiten von Smartphones, Facebook, Twitter und YouTube wuchs zudem das Verständnis für Transparenz, Offenheit und Kommunikation, auch wenn der Lerneffekt aus Krisen wie BSE, Pferdefleischmissbrauch oder Mindestlohn hätte durchaus manches Mal schneller erfolgen können. NGOs, Verbraucherschützer und Soziale Medien verlangen gerade der Fleischwirtschaft einiges ab, was ohne Digitalisierung und elektronische Medien nicht mehr zu erfüllen wäre.

Die Branche bleibt weiter gefordert, muss sich den Entwicklungen stellen und sollte sie für sich nutzen. Die Anuga, die bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht begonnen hatte, dürfte den Verantwortlichen so manche Anregung gegeben haben, z.B. auf der ifood – Innovation Food Conference. Dort ist die Entwicklung der datenbasierten Ökobilanzierung für ganze Produktlebenszyklen nur ein Beispiel für das hohe Potenzial von IT-basierten Lösungen in der Wertschöpfung. Kontaminationen können durch „Big Data Management“ prognostiziert und somit noch effektiver vermieden werden. Wenn er denn möchte, erfährt der Kunde per App bereits im Supermarkt, welche Ressourcen für seinen Warenkorb eingesetzt wurden. 

Nicht zuletzt birgt die Digitalisierung auch ein hohes Potenzial für die Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungskette. Durch die Digitalisierung der Geschäfts- und Handelsprozesse können absatzbedingte Zielkonflikte reduziert und die Effizienz des Systems global gesteigert werden.

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