Kommentar von
Jörg Schiffeler

Fachkräftesicherung Der Glaube ans Handwerk ist die beste Stellenanzeige

Dienstag, 29. Januar 2019
„Dem Land gehen die Bäckereien und Fleischereien verloren.“ So titelte am vergangenen Wochenende die „Schweriner Volkszeitung“. Auch die „Frankfurter Allgemeine“ setzte sich intensiv mit den sogenannten Engpass-Berufen auseinander.

Das sind Branchen, in denen es an Fachpersonal fehlt. Dass die Metzger zur Mangelware werden, ist leider keine Neuigkeit. Neu ist aber die Aufmerksamkeit, die das Fleischerhandwerk bei diesem Thema in der Öffentlichkeit erfährt. Und daran haben Sie einen entscheidenden Anteil: Nur durch Ihre Meldungen unbesetzter Stellen bei den Behörden konnte der Bedarf an dringend benötigten Mitarbeitern überhaupt offiziell anerkannt werden.

Eine Panik bricht nun unter den Bürgern in unserem Land nicht aus. Es ist nicht zu befürchten, dass Theken leer bleiben. So sehr auch die Deutschen Steak, Würstchen, Hackfleisch und Co. lieben: Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Unruhe breitet sich andernorts aus und zwar innerhalb des Fleischsektors. Denn sowohl in den Schlacht- und Zerlegeunternehmen, in Wurstfabriken, im Fleischgroßhandel, in Fleischer-Fachgeschäften und auch im Lebensmitteleinzelhandel nehmen die Vakanzen dramatisch zu. Ein kompletter Wirtschaftssektor – und es ist hierzulande nicht der einzige – sucht Auszubildende, angehende junge Talente sowie erfahrene Arbeitskräfte.

Die ausreichende Versorgung und Sicherung von Fachkräften wird zur Herkulesaufgabe. Aufträge akquirieren, Produkte verkaufen – das kennen und beherrschen Sie. Die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern ist eine Herausforderung, weil die Talentsuche einerseits nicht jedem Unternehmer und Handwerksmeister gegeben ist. Und wer andererseits nun Fachbücher wälzt und Seminare besucht, oder die Personalsuche den Profis überlässt, wird ebenfalls nicht alle offenen Stellen besetzen können. Es fehlen einfach zu viele junge Menschen an zu vielen Fronten.

„Wer Perspektiven vermittelt, wird Mitarbeiter finden: Zeigen Sie, dass Sie auf der Höhe der Zeit sind und aktuelle gesellschaftliche Ströme verfolgen. Während die Politik neue Vorschriften auf den Weg bringen möchte, haben Sie längst die Lösung. “
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Neben Einfallsreichtum bei der Personalgewinnung und dem Arbeiten am Berufsimage könnten sich die Fleischer viel mehr in öffentliche Diskussionen einmischen. Statt immer und immer wieder über das sogenannte „Metzgersterben“ zu fabulieren, sollten besser die vielen Chancen und Perspektiven thematisiert werden. Wer will schon in einen Beruf einsteigen, an den so mancher Handwerker selbst nicht mehr glaubt?

In der Redaktion treffen wir vielfach auf Gesprächspartner, die sich kaum vergegenwärtigen, dass den knapp 14.500 Standorten von Aldi, Lidl, Netto und Penny etwa 25.552 fleischerhandwerkliche Verkaufsstellen gegenüberstehen. Das ist eine Marktmacht, die es bis heute in sich hat. Und daraus lässt sich auch künftig eine Menge Geschäft machen. Die Personalknappheit ist allerdings das größte Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung des Fleischerhandwerks. Wenn fehlende Fachkräfte die Unternehmen ausbremsen, hat das enorme Konsequenzen auf die Konjunktur hierzulande, die ohnehin momentan einen Gang zurückschaltet.
Fleischerei-Fachverkäuferin - Fotolia
(Bild: Kzenon / fotolia.com)

Mehr zum Thema

Fachkräftesicherung Metzger werden knapp

In welche Debatten können sich Metzger noch einbringen? Zeigen Sie, dass Sie auf der Höhe der Zeit sind und aktuelle gesellschaftliche Ströme verfolgen. Lebensmittelverschwendung, Plastikmüll und Verpackungsmaterialien sind Megathemen. Während die Politik neue Vorschriften auf den Weg bringen möchte, haben Sie längst die Lösung.

Keinen Fleischwurstring zum Knüllerpreis aus dem SB-Regal des Discounters, sondern Sie verkaufen exakt die Menge, die der Kunde wünscht. Bei Ihnen wird an der Bedientheke beraten und ausgewählt. Das angesagte Tomahawk-Steak wird in Papier eingeschlagen und gut ist es. Kein Paketdienst muss die Ware zustellen, die in unvorstellbare Mengen von Verpackungsmaterial und Kühlakkus gewickelt ist. Sprechen Sie über nachhaltiges Einkaufen und Wirtschaften! Geben Sie Kunden und Fachkräften eine Perspektive.

Das könnte Sie auch interessieren
stats