Kommentar von
Sandra Sieler

Fachkräftesicherung Nur die beste Ausbildung ist für das Handwerk gerade gut genug

Dienstag, 25. September 2018
Das Fleischerhandwerk braucht gut ausgebildete Fachkräfte. Die Herausforderungen für die Hersteller und Vermarkter von Lebensmitteln werden nicht kleiner, die Regeln immer komplexer und das Wissen, das einem abverlangt wird, immer größer. Da sind zukunftsorientierte Investitionen in eine fundierte Bildung der Mitarbeiter und der Unternehmenslenker die richtige Antwort.

Mit der Einweihung des neuen Ernährungszentrums auf dem Rhein-Main-Campus in Weiterstadt steht den Fleischern nun ein weiterer voll modernisierter Standort zur Verfügung, an dem Wissen auf- und ausgebaut wird. Der Übergang der Verantwortung von der Fleischerfamilie Heyne-Boddenberg an die Handwerkskammer setzt auf Kontinuität und Zukunft. Und eins haben alle am Umbau Beteiligten bewiesen: Dass sie an die Zukunft des Fleischerhandwerks und seiner Lehrberufe glauben. Nicht umsonst haben Land und Bund mehrere Millionen Euro zu dem Bau zugeschossen. Ein starkes Statement.

BTZ Weiterstadt
(Bild: jus)

Mehr zum Thema

Rhein-Main Campus Investition in berufliche Bildung

Und das Fleischerhandwerk braucht sich nicht zu verstecken mit seinen vielfältigen Möglichkeiten, die sich mit der Grundlage einer Ausbildung zum Fleischer oder zur Fachverkäuferin bieten. Genau hierfür stehen die Fleischerschulen im Land beispielhaft: Nicht nur, dass sie laufend in ihre Ausstattung investieren. Auch das Angebot hat sich in den letzten Jahren merklich verändert, geleitet vom Wandel in der Berufs- und Konsumwelt.

Die vorbereitenden Kurse für die Prüfung zum Meister oder zum Betriebswirt bleiben die Basis. Daneben haben sich aber eine ganze Reihe von Kursen und Seminaren etabliert, die allesamt auf die veränderten Anforderungen auf Kunden- und Mitarbeiterseite ebenso wie auf der Betriebsführungsebene ausgerichtet sind. Man denke nur an die Welle der Sommeliers, die das Land überzieht und die dem Fleischerhandwerk eine ganz neue Wahrnehmung eingebracht hat. Passend zur Renaissance von hochwertigem Fleisch und teuren Grills gelingt es den Metzgern, sich als kompetente Fachleute in Sachen Fleisch zu positionieren. Fundiertes Wissen und moderne Titel stärken also auch das Ansehen in der Gesellschaft.
„Fleisch als sensibles Lebensmittel verlangt nach einem versierten Umgang und kompetenter Beratung im Verkauf. Darum kommen die Kunden ins Fleischer-Fachgeschäft. “
Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin
Ein großer Erfolg für alle Handwerker ist die erzielte Gleichrangigkeit von Meister und Bachelor, von einem Handwerks- und einem universitären Abschluss. Eine wichtige Aufgabe bleibt es nun, dass auch die Gesellschaft in weiten Teilen die berufliche und die akademische Ausbildung als gleichrangig anerkennt. Und genau das untermauern die zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten, die beispielsweise die Fleischerschulen bieten.

Das sind neben den Sommelierkursen Lehrgänge für angehende Verkaufsleiterinnen, Kurse zur Ernährungsberatung, Produktionsseminare und vieles mehr. Auch bieten sich inzwischen eine Reihe an dualen, zum Teil trialen Studiengängen, die allesamt breit ausgebildete Fachkräfte für das Fleischerhandwerk formen. Nur ein Beispiel ist das Studium Food Management.

Die Basis für ein breites Know-how in Sachen Fleisch liefert aber immer noch die duale Ausbildung. Hier werden die Weichen für die künftige Karriere gestellt. Es wäre ein fatales Signal für das Fleischerhandwerk, daran herumzudoktern und die Ausbildungszeit im Verkauf zu verkürzen. Fleisch als sensibles Lebensmittel verlangt nach einem versierten Umgang und kompetenter Beratung im Verkauf. Darum kommen die Kunden ins Fleischer-Fachgeschäft.

Wenn die Mitspieler auf allen Ebenen – ob Betriebsinhaber, Ausbilder, Lehrer oder Politiker – dies bei der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen und ebenso beim Ausbilden im Betrieb im Auge behalten, haben die Fleischer in Sachen Nachwuchssicherung alle Trümpfe in der Hand. Denn eine gute Ausbildung und vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten sind schlagende Argumente im Kampf um gute Mitarbeiter von heute und von morgen.

Das könnte Sie auch interessieren
stats