Kommentar von
Gerd Abeln

„Fake Science“ Glaubwürdigkeit in Frage gestellt

Sonntag, 19. August 2018
Nach den „Fake News“ hat kürzlich auch der Begriff „Fake Science“ die Runde gemacht.

Gemeint sind damit einerseits wissenschaftliche Forschungsergebnisse, die gar keine sind, schlichtweg erfundene oder grob falsch dargestellte Ergebnisse. Andererseits dient dieser Fake-Vorwurf aber auch dem Zweck, seriöse Forschungsergebnisse einfach infrage zu stellen oder schlicht zu leugnen. So hält der amtierende US-Präsident den Klimawandel für Blödsinn, auch wenn seine eigenen Behörden einen Hitzerekord nach dem anderen konstatieren und was in Europa angesichts der Hitzewelle kaum jemand wirklich in Frage stellt.

Immer mehr Wissenschaftler scheinen in scheinwissenschaftlichen Zeitschriften zu publizieren. Das behaupten Recherchen von WDR, NDR und dem SZ Magazin. Im Mittelpunkt der Recherchen stehen die Verlage „Waset“ und „Omics“, die in der Türkei und Indien angesiedelt sind. Diese Verlage veröffentlichen zahlreiche Fachzeitschriften, die im Verdacht stehen unwissenschaftlich und unseriös zu arbeiten. Den Rechercheberichten zufolge nutzen diese pseudowissenschaftliche Verlage den Druck, der auf Wissenschaftlern lastet, Studien zu publizieren. Zwar warnen Universitäten seit Jahren vor diesen unseriösen Wissenschaftsverlagen. Dennoch könnte es im Einzelfall vorkommen, dass vor allem junge, unerfahrene Wissenschaftler auf die Angebote solcher Verlage hereinfallen. Ein Fehler liegt dabei sicher auch im System, wenn Tempo und zitierte Häufigkeit mit Qualität verwechselt werden. Das Forschen muss der Wahrheitsfindung dienen und darf nicht zu einem Wettrennen werden. Die sich ständig wiederholende Methode „Versuch und Irrtum“ braucht ohnehin länger als eine eher seltene bahnbrechende Erkenntnis in kürzester Zeit.

Gerne greifen Publikumsmedien aber auch scheinbar hochaktuelle Forschungsergebnisse auf, die bei näherem Hinsehen aber nur das Sommerloch füllen. So sollen die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne laut einer „neuen“ Studie des Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) sowie der Umweltorganisation Grain bereits heute für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sein als die Ölkonzerne Exxon-Mobil, Shell oder BP. Das hatte allerdings die Heinrich-Böll-Stiftung schon im November vergangenen Jahres zusammen mit IATP und Grain veröffentlicht. Nicht erwähnt werden dabei in der Regel Gegenargumente, das Tiere und Viehbestände nicht das Problem in Sachen Klimawandel sein müssen, sondern zur Lösung beitragen können. So brauchen die Gräser der Weidelandschaften den Dung und die Bewegung der Tiere um sich zu entwickeln, so der Biologe Allan Savory aus Zimbabwe, der sich seit 60 Jahren mit Methoden gegen Wüstenbildung beschäftigt. Denn zur Wüste werden ohne Viehbesatz seiner Meinung nach zwei Drittel der Graslandschaften der Erde, was zudem den Klimawandel beschleunigt und ein soziales Chaos in Gesellschaften verursacht, die traditionelle Weidewirtschaft betreiben.

Nun gibt es für fast jede Studie auch eine Gegenstudie, die die Glaubwürdigkeit der jeweils anderen in Frage stellt. Die „Wahrheit“ liegt dabei meist in der Mitte, denn Wissenschaftler werden ihrer Verantwortung oft dann nicht gerecht, wenn sie sich im Vollbesitz der Wahrheit wähnen. Wissenschaftliches Wissen ist (fast) immer vorläufig, sieht man einmal von Grundlagenforschung ab. Und trotzdem darf das Wissen nicht zur „Fake Science“ verkommen und der Geschäftemacherei dienen, derer sich dubiose Verlage bedienen.

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