Kommentar von
Sandra Sieler

Fleischerhandwerk Zwei Allstar-Teams mit einem gemeinsamen Ziel

Dienstag, 26. März 2019
Für die Nationalmannschaft zählt im Auftakt der zweiten Saison nicht nur fachliches Können und handwerkliches Geschick. Sondern auch die „soft skills“ wie Mannschaftsgeist und die Teamfähigkeit.

Die Nationalmannschaft startet gerade in ihre zweite Saison. Ähnlich wie bei den Fußball-Kollegen schaffen es auch bei den Fleischern nur die Besten in den Kader. Dabei haben es die Handwerker besser als Jogi Löw. Der Bundestrainer hatte ja gleich eine ganze Reihe altgedienter Kicker aus dem Kader aussortiert und muss nun versuchen, aus den vielen Jungstars eine neue Mannschaft zu formen. Das Fleischerhandwerk dagegen kann seinen bewährten Stammspielern der vergangenen Saison in diesem Jahr noch weitere Talente hinzufügen.

Dass dabei die Motivation stimmt, dafür garantiert ein aufwendiges Auswahlverfahren, das alle Bewerber auf Herz und Nieren prüft – oder sollte man sagen: auf Hand und Verstand? Denn in der Tat zählten in dem Wettbewerb, der zuletzt in Koblenz stattfand, nicht nur fachliches Können und handwerkliches Geschick. Neben diesen handfesten Eigenschaften ging es auch um die „soft skills“ wie Mannschaftsgeist und die Teamfähigkeit der Kandidaten für den Nachwuchskader des Fleischerhandwerks. Schließlich ist das Ziel des Deutschen Fleischer-Verbands nicht, eine Elitetruppe einzelner Stars zu etablieren. Vielmehr geht es darum, ein Team zu formen, das gemeinschaftlich für seine Sache brennt. Die „Sache“ ist in diesem Fall das Fleischerhandwerk: seine tollen Produkte auf der einen Seite und seine vielseitigen Berufe auf der anderen.

„Die Nationalmannschaft ist keine Elitetruppe einzelner Stars. Vielmehr geht es darum, ein Team zu formen, das gemeinschaftlich für seine Sache brennt: das Fleischerhandwerk. Für seine tollen Produkte und seine vielseitigen Berufe. “
Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin
Den Team-Spirit und die Lust auf das Metzger sein versprüht auch das „Butcher Wolf Pack“ rund um seinen Teamcaptain Dirk Freyberger. Auch für die Wölfe geht es jetzt in die zweite Runde. Am Mittwoch dieser Woche läuft in Augsburg die erste Wettkampfrunde, um ins Team für die World Butchers‘ Challenge im September 2020 in Kalifornien zu kommen.

Diese beiden Teams aus jungen Leuten, die Bock aufs Fleischerhandwerk haben, sind nur zwei Beispiele, es gibt noch einige mehr. Und das ist gut so. So bekommt das Handwerk gleich an mehreren Stellen die Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und das mit ausnahmslos positiven Eigenschaften: Motivation, Kreativität, Ehrgeiz, Mannschaftsgeist, Wissen und mit versiertem Auftreten, um nur einige zu nennen. Und das macht auch den Medien Spaß. Immer wieder begleiten Fernsehteams die jungen Leute bei ihren Auftritten und Wettbewerben, fast so, als wären sie die Stars der Branche. Bei Messen stehen sie im Rampenlicht und rocken mit ihrer Freude am Beruf die Bühne.

Ohne negativ klingen zu wollen: Wenn in vier, fünf Monaten das neue Ausbildungsjahr beginnt, werden wieder nicht alle Plätze besetzt werden, die das Fleischerhandwerk jungen Leuten bietet. Dafür muss man kein Prophet sein. So schnell kann der Imagewandel seine Kreise nicht ziehen. Dazu braucht es zusätzliche Präsenz in der Fläche. Keine Innung darf daher ihr Engagement bei Berufsmessen drangeben. Die Meister sollten weiter bei Schülern, Lehrern und Eltern für die Vorzüge und die Sicherheit einer Ausbildung zum Fleischer oder zur Fachverkäuferin werben. Schnupperpraktika können ebenfalls die Lust am Arbeiten mit Fleisch und Wurst wecken.

Die Methoden sind so vielseitig wie bekannt. Allesamt erfordern sie ein großes Engagement der Handelnden. Nichts davon ist selbstverständlich, alles kostet Zeit und Energie. Und beides ist gerade bei Betriebsinhabern stetige Mangelware. Aber jede einzelne Aktivität trägt ihren Teil zum Ganzen bei: Dass die Lust der Metzger und ihrer Kollegen am Beruf und ihren Produkten überspringt, auf Jung und Alt. Das ist ebenfalls eine Mannschaftsleistung. Nur gemeinsam erringt man einen Sieg. Aber er ist jede Schweißperle wert.

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