Kommentar von
Jörg Schiffeler

Förderpreis der Fleischwirtschaft 2020 Zukunft braucht Talentförderung

Dienstag, 17. November 2020
Die Verbraucher greifen unverändert gern bei Fleisch und Wurst zu. Das wusste einmal mehr Experte Helmut Hübsch von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf dem (digitalen) Deutschen Fleisch Kongress zu berichten.

Aus der Feder oder von der Buchstabentastatur eines Chefredakteurs der afz soll das keine Beruhigungspille sein. Ganz im Gegenteil: Wir versuchen als Branchenzeitung des Wirtschaftssektors aufzuzeigen, wohin die Reise geht. Schließlich fallen außerhalb der Fleischbranche immer wieder Begriffe wie Food Future, während der klassische Fleischkonsum selbst von Genuss-Liebhabern kritisch betrachtet wird.

Gegenwärtig laufen die Geschäfte für einige im Markt sehr gut. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die angeordneten Corona-Maßnahmen haben die Konsummuster der Deutschen ordentlich durcheinander gewirbelt. So zählen die Fleischer zu den Gewinnern, weil Kantinen und Restaurants ihren Betrieb einstellen mussten. Unterwegs von der Arbeit mal eben zum Mittagssnack ausschwärmen oder abends chic ausgehen, das war weder im Frühjahr möglich noch gegenwärtig. So kümmern sich viele Menschen selbst ums Essen. Der neue Zwang, den Einkaufskorb praller als vor der Corona-Krise mit Lebensmitteln zu füllen, entfachte bei nicht wenigen sogar eine neue Kochlust.

Die Pandemie verstärkte noch weitere Trends: Zum einen stehen Erzeugnisse aus der Region sowie das Einkaufen beim Nachbarn – also bei „meinem Metzger“ – hoch im Kurs. Zum anderen steigt das Bedürfnis nach höheren Qualitätsstufen beim Einkauf von Lebensmitteln. Egal, ob Weidemilch oder Freilandeier: Die Verbraucher stellen mehr Fragen als früher. Sie schielen im Discounter und im Supermarkt aufs Etikett, das immer häufiger Botschaften trägt wie: Genuss mit gutem Gewissen. Das alles hat Grenzen, weil König Kunde immer öfter auf Authentizität achtet. Bedingt durch Corona haben einige Konsumenten sogar mehr im Geldbeutel – selbst bei Kurzarbeit, weil die Zwischendurchverpflegung meistens ausfällt und der Kneipenbesuch sowieso. So steigerten vor allem die Fleischer-Fachgeschäfte ihren Absatz an Fleisch und Wurst. Aber bleibt das künftig so?

Rindfleisch - imago
(Bild: imago images / Winfried Rothermel)

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Die Fleischeslust wird hierzulande ebenso bleiben wie die Liebe zum Grillen. Die Bundesbürger werden anders genießen und ihren Konsum in Frage stellen. Das Credo lautet derzeit: weniger, dafür aber besser. Die zahlreichen Herausforderungen für die Agrar- und Fleischwirtschaft aus der „Vor-Corona-Phase“ wie Klima- und Umweltschutz oder mehr Tierwohl bleiben bestehen und müssen angepackt werden. Die Entwicklung von alternativen Proteinen wird den „Klassikern“ nicht den Rang ablaufen. Die enormen Abverkäufe von Burgern und Hackfleisch – wohlgemerkt ohne Fleisch – ist dem großen Rollout einiger Unternehmen und der Neugierde der Konsumenten geschuldet.
„Der Appetit auf Fleisch und Wurst ist ungebrochen. Der Konsum wird sich dennoch verändern. Dafür benötigen alle Unternehmen viele junge Talente, die die Innovationsfähigkeit im Fleischsektor sichern.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Zur Bewältigung dieser Aufgaben benötigen Schlachter und Zerleger, Fleischverarbeiter, Wursthersteller, Fleischer-Fachgeschäfte und Fleischhändler kluge Köpfe. Es fehlen bundesweit tausende Azubis und damit Fachkräfte. Der komplette Fleischsektor hat einen riesigen Bedarf an Nachwuchstalenten, die sich nicht durch Mitarbeitende im Werkvertrag oder durch Leiharbeitskräfte ersetzen lassen. Wenn das Fundament der klassischen Ausbildung in den Fleischerberufen – dazu zählen auch die Fachverkäuferinnen und Fachverkäufer – nicht mehr gelegt wird, fehlen auch Meister, Lebensmitteltechnologen und viele Spezialisten mehr.

Deshalb braucht die Branche unbedingt eine Talentförderung auf allen Stufen. Zeigen Sie auf, welche Perspektiven sowohl Fleischindustrie, Fleischwarenindustrie als auch das Fleischerhandwerk bieten. Die unglaublichen Chancen entsprechen in keinster Weise dem Image des Fleischsektors. afz und „Fleischwirtschaft“ haben mit dem „Förderpreis der Fleischwirtschaft“ bereits 2013 eine Initiative gestartet, Top-Nachwuchskräfte zu identifizieren. Diese Talente sind Leuchttürme für die Branche.

Mehr über die neuen Preisträger erfahren Sie hier.

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