Kommentar von
Sandra Sieler

Forum der Fleischwirtschaft Engagement wirkt nach außen und innen

Dienstag, 27. Juni 2017
Die Branche hat ein Problem, und das ist ihr Image. Wenn die Fleischwirtschaft in den Medien auftaucht, steht das meist in keinem glanzvollen Zusammenhang. Da flimmern wieder Bilder von leidenden Tieren über die Mattscheibe und von schlecht bezahlten Akkordarbeitern. Oder die Politik brüstet sich mit neuen Pflichten, mit denen sie den trickreichen Unternehmern das Handwerk legen will.

Die Wirklichkeit ist dabei längst eine andere. Das belegte eindrucksvoll das „Forum der Fleischwirtschaft“ der afz vergangene Woche in Osnabrück. Referenten und Teilnehmer zeigten, welche Bandbreite das Engagement der Unternehmen heute einnimmt: bessere Haltungsbedingungen für die Tiere, Maßnahmen und Investitionen zur Energieeinsparung oder die faire Partnerschaft mit Lieferanten wie Mitarbeitern, um nur einige zu nennen. Nachhaltigkeit hat eben viele Facetten und ist weit mehr als der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur. Die Branche ist hier auf einem guten Weg. 

Und Ansatzpunkte gibt es viele. Unter den drei Säulen der Ökologie, des Sozialen und der Ökonomie kann sich jeder die Punkte raussuchen, bei denen es am leichtesten fällt zu starten und die zum Unternehmen passen. Die Experten raten, sich eingangs auf wenige Handlungsfelder zu konzentrieren und diese systematisch weiterzuentwickeln.

Das Austarieren der drei Dimensionen untereinander gerät sicher manches Mal zur Herausforderung, schärft aber den unternehmerischen Blick – und lohnt sich gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn auch hier gilt das vertraute Sprichwort: Tue Gutes und rede darüber. Mit nachhaltigen Themen darf keiner im Verborgenen arbeiten. Sie sind der Schlüssel dazu, das Bild der Branche in der Öffentlichkeit gerade zu rücken, damit irgendwann Schluss ist mit den Skandalbildern.

Bedauerlicherweise wird es immer Schwarze Schafe geben. Und darauf stürzen sich die Medien ja mit Genuss. Aber es wird Zeit mit positiven Nachrichten dagegen zu halten. Denn zugegeben: Verantwortlich handeln ist nicht neu für diejenigen, die ein Unternehmen leiten, Mitarbeiter beschäftigen und von Tieren Lebensmittel gewinnen. Doch das öffentlichkeitswirksam herauszustellen und damit positiv von sich reden zu machen, liegt so Manchem nicht im Blut. Aber Bescheidenheit ist in diesem Fall keine Zier.
„Wer in einem engagierten Unternehmen arbeitet, ist stolz ein Teil davon zu sein. Das sorgt neben einem stärkeren Gefühl der Zusammengehörigkeit in den eigenen Reihen auch ganz nebenbei noch für ein positives Bild nach außen. “
Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin
Andererseits darf das Engagement nicht einfach zum Medien-Gag verkommen. Nachhaltiges Wirtschaften ist eine Grundhaltung. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Mensch. Vom Chef bis zum Azubi gilt es also alle Beteiligten mitzunehmen und anzuspornen. Denn es braucht auf jeder Ebene Verantwortungsbewusste, die die unternehmerischen Gedanken weitertragen und in der Breite umsetzen. Dann wirkt der Faktor Mensch wie ein Beschleuniger für die nachhaltige Ausrichtung.

Die persönlichen Erfahrungen, die die Unternehmer beim Osnabrücker Forum mit den Zuhörern teilten, zeigten noch eine weitere Dimension des nachhaltigen Handelns: die Begeisterung. Wer in einem engagierten Unternehmen arbeitet, ist stolz ein Teil davon zu sein. Die Mitarbeiter identifizieren sich viel stärker mit ihrem Arbeitgeber. Das sorgt neben einem stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühl in den eigenen Reihen auch ganz nebenbei für ein positives Bild nach außen.

Die nachhaltig ausgerichtete Unternehmensführung erfüllt also nicht nur den direkten Zweck im ökologischen, ökonomischen und sozialen Sinn, sondern auch einen sekundären: Im Bereich des Employer Branding bietet sie ein nützliches Werkzeug zur Motivation. Zur Motivation der Beschäftigten von heute und viel wichtiger noch: der Mitarbeiter von morgen. In Zeiten von akutem Fachkräftemangel und ausbleibendem Branchennachwuchs ein effektives Instrument, das alle Mühe lohnt.

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