Kommentar von
Sybille Roemer

IT-Infrastruktur Zur Digitalisierung gehören immer zwei

Dienstag, 22. September 2020
So gut wie alle Handwerksbetriebe haben inzwischen eine eigene Homepage, hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) herausgefunden. Die meisten haben sich demnach auch in Online-Verzeichnisse wie Google Maps eingetragen, um besser gefunden zu werden.

Dass die Handwerker die Vorteile der Digitalisierung bei der Kundenkommunikation nutzen, ist ein Anfang. Auch wenn das vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass sie den Wünschen der Kunden begegnen, die mit ihrem Smartphone immer und überall online sind und somit auf allen relevanten Kanälen bedient werden wollen.

Aber auch im Lebensmittelhandwerk geht noch deutlich mehr. Neben dem Marketing kann der Metzger seine Geschäftsprozesse flexibilisieren und optimieren und neue Verkaufsmodelle wie auch Vertriebskanäle oder -ideen entwickeln.

Das hört sich zunächst sehr theoretisch nach Berater-Versprechungen an. Doch ein Handwerker kann schnell klären, ob der eigene Betrieb mit den jeweiligen Maßnahmen in einem festgelegten Zeitraum signifikant Kosten und Zeit einsparen kann. Wenn nicht, ist die angediente Digitalisierungsmaßnahme vielleicht (noch) nichts für den eigenen Betrieb.

Oft werden auch Zusatz-Umsätze angeführt oder gar versprochen, beispielsweise mit einem eigenen Onlineshop. Auch das ist mit Vorsicht zu genießen: Bis ein Metzger ein Paket auf den Weg in die weite Welt schicken kann, müssen sehr viele Rädchen ineinandergreifen – sowohl bei der Maschine mit Soft- und Hardware als auch bei den Menschen, den Mitarbeitern.

Doch die Digitalisierung des Betriebs ist im Jahr 2020 längst keine Frage mehr des „Ob“, sondern des „Wann“ und „Wie“. Vor ein paar Jahren noch futuristisch anmutende Begriffe sind mittlerweile bekannt. Das Cloud Computing etwa, bei dem IT-Infrastruktur und IT-Leistungen wie beispielsweise Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware als Service über das Internet angeboten werden, so dass der Unternehmer jederzeit von überall darauf zugreifen kann.

Langsam aber sicher sehen Unternehmer auch die Vorteile von „smarten“ Anwendungen wie der vorausschauenden Wartung, bei der mit Sensoren und Datenanalyse drohende Ausfälle von Anlagen frühzeitig erkannt werden. Und auch wenn 3D-Technologien, Drohnen oder Roboter noch Zukunftsmusik in Wurstküche & Co. sind, kann der Metzger sich nicht immer aussuchen, ober er die Digitalisierung mag oder nicht.

Mit der im Rahmen der „Kassensicherungsverordnung“ geforderten technischen Sicherheitseinrichtung TSE gibt beispielsweise der Gesetzgeber vor, dass elektronische Kassen dem Finanzamt ihre Daten in einem standardisierten Format zur Verfügung stellen. Und wer legt sich schon mit dem Fiskus an? 
„Digitalisierung kann bei der Suche nach einer Nachfolge ein gewichtiger Punkt für das langfristige Überleben des Betriebs sein. “
Sybille Roemer, afz-Redakteurin
Wenn ein Unternehmer seine innerbetrieblichen Prozesse mit technischer Hilfe strukturiert, macht er das, was er oftmals aus dem Bauch oder auch aus Tradition heraus entscheidet, transparent und nachvollziehbar. Die so oft erstmals erstellte Struktur hilft nicht nur kurzfristig, wenn der Chef im Falle eines Unfalls ein paar Wochen ausgeknockt ist, sondern kann bei der Suche nach einer Unternehmensnachfolge ein gewichtiger Punkt für das langfristige Überleben des Betriebs sein.

Digitalisierung ist kein Hexenwerk. Der Fleischhandwerker ist der Experte seines Unternehmens und sollte mit gesundem Unternehmerverstand, Augenmaß und im eigenen Takt die Zukunft des Betriebs sichern. Das muss er nicht allein tun, sondern kann sich beim Kompetenzzentrum Digitales Handwerk des ZDH, dem Strategiekreis Digitaler Wandel des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) oder der regionalen Handwerkskammer schlau machen.
Digitalisierung
(Bild: imago images / Panthermedia)

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Zur Digitalisierung gehören also immer zwei. Digitale Infrastrukturmöglichkeiten stehen parat. Jetzt fehlen nur noch Sie.
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