Kommentar von
Jörg Schiffeler

Kommunikation Fleisch-News dürfen nicht nur schlechte Nachrichten sein

Mittwoch, 03. April 2019
Der Fleischsektor bleibt im Fokus der Medien. Schließlich bietet die Branche viele Anlässe für eine Berichterstattung. Das ist zu begrüßen, aber auch kritisch zu bewerten.

Vor allem, wenn mehrheitlich negativ berichtet wird. „Only bad news are good news“, besagt eine alte Journalisten-Weisheit. Sie gilt bis heute, droht aber ohne Kontrolle im Zeitalter der digitalen Medienangebote auszuufern. Mit einem Fingerwisch verbreiten sich sowohl Wissen als auch Unfug. Im World Wide Web kann jeder seine Botschaften loswerden – was mit journalistischen Grundsätzen nur selten etwas zu tun hat.

Bei der kritischen Berichterstattung über die Lebensmittelbranche ist zu bedenken, dass auch Medienhäuser dem Wettbewerb ausgesetzt sind. Und reißerische Titel wie „Gestreckte Gerichte – Wie Hersteller dreist bei Zutaten sparen“, „Schweinerei in der Wurst“ oder „Gewalt gegen Tiere“ ziehen binnen kürzester Zeit die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich. Dass damit auch die Reichweiten der News-Angebote der Medienschaffenden steigen, liegt auf der Hand. Klickzahlen sind die neue Währung und lassen ebenso wie verkaufte Magazine die Kassen klingeln.

Verlagshäuser und Sendeanstalten argumentieren indes andersherum: Sie verarbeiten Informationen zu Nachrichten – sie schaffen sie nicht. Wenn also schockierende Bilder aus Schlachtbetrieben die Runde machen, sind dafür die Unternehmen verantwortlich, in denen etwas schief läuft. Darüber aufzuklären, sich kritisch auseinanderzusetzen, das gehört zu den Aufgaben von Journalisten.

Umgekehrt tut die Branche gut daran, Verstöße auch klar zu kommunizieren oder vermeintliche Skandale zu kommentieren. Hier bleibt es zu oft viel zu ruhig.

Engel & Zimmermann - TV-Kritik - Branchen
(Bild: Engel & Zimmermann)

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Warum aber steht die Lebensmittelwirtschaft im Fokus? Die Deutschen essen gern Fleisch und Wurst. Doch die Herstellung dieser Produkte bedingt am Anfang des Prozesses immer den Tod eines Tieres. Darin liegt einer der Gründe, weshalb Schlachtern und Zerlegern, Verarbeitern, Händlern und Handwerkern immer ganz genau auf die Finger geschaut wird. Darüber hinaus gewinnen Ernährungsthemen an sich immer mehr an Gewicht – ebenso die Umweltfragen.

Hier hilft Aufklärung. Die Verbraucher müssen unbedingt mehr über zeitgemäße Produktionsverfahren von Lebensmitteln erfahren. Hier sind Sie gefragt. Die Automatisierung macht keinen Bogen um die Fleischwirtschaft, und auch in Wurstküchen werden heute veränderte Rezepturen gefahren. All das kann man erklären, um Skepsis zu zerstreuen. Jeder Verbraucher soll sich beim Einkauf von Discounter-Hackfleisch fragen: Warum fällt der Griff zum SB-Pack so leicht? Muss das Produkt billig und mehrere Wochen haltbar sein?
„Transparenz ist hier ein Lösungsansatz. Von der Erzeugung, Gewinnung, über Verarbeitung bis hin zur Vermarktung von Fleisch: Zeigen Sie Medienvertretern entlang der Kette der Fleischwirtschaft, wie es läuft und wo kritische Punkte sind. Das erhöht den Respekt vor Ihrer Arbeit. “
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Über den respektvollen Umgang mit Rind, Schwein, Geflügel und Co., aus denen die Mittel zum Leben entstehen, haben wir an dieser Stelle schon reichlich Denkanstöße geliefert. Wenn aber das Tierwohl im Stall oder im Schlachthof missachtet wird, gehört das zu Recht an den Pranger. Die Bewertung der Vorfälle ist zuweilen schwierig. Das erklärt auch, warum sich Amtsveterinäre mitunter zurückhalten oder Staatsanwaltschaften erst gar kein Verfahren eröffnen.

Transparenz ist hier ein Lösungsansatz. Zeigen Sie Medienvertretern entlang der Kette der Fleischwirtschaft – von der Erzeugung, Gewinnung, Verarbeitung und Vermarktung von Fleisch –, wie es läuft und wo kritische Punkte sind. Das erhöht den Respekt vor Ihrer Arbeit und der Leistung eines großen Wirtschaftszweigs. Fleischwirtschaft und Fleischerhandwerk haben viele Maßnahmen vorzuweisen. Egal, ob Leitbild, Nachhaltigkeitsaspekte, Verhaltenskodex sowie eine klares Bekenntnis zum Tierwohl: Ich bin sicher, das können Sie alles vorweisen.

Die Agrar- und Fleischwirtschaft muss aus ihrer Opferrolle rauskommen. Ihre Arbeit hat einen großen Anteil an dem Wohlstand, wie wir ihn heute kennen.

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