Kommentar von
Jörg Schiffeler

Meat Vision Day 2018 Lassen Sie sich nicht vom Fortschritt abhängen

Dienstag, 22. Mai 2018
Die „Künstliche Intelligenz“, KI, begegnet uns momentan überall: im Fernsehen, im Radio und der Tageszeitung. Es trifft uns alle – in der Arbeitswelt ebenso wie daheim. Müssen wir uns fürchten? Und was hat das mit unserer Branche zu tun? Mehr als ein Grund für afz und „Fleischwirtschaft“, sich dem Thema zu widmen.

Automation und Robotik sind in der lebensmittelverarbeitenden Industrie längst Usus. Die Grenzen werden immer fließender, und letztlich werden beide Bereiche immer mehr miteinander verschmelzen. Die Systeme werden kontinuierlich intelligenter, und die Entwicklung hin zu neuronalen Robotern dürfte auch in der Wurstfabrik der Zukunft nicht mehr lange auf sich warten lassen.

„Wer jetzt glaubt, dass ihn das nicht betrifft, irrt. Industrie 4.0, Handwerk 4.0, Digitalisierung und KI ändern alles. Auch wenn das Vorstellungsvermögen fehlt: Die Veränderung nimmt ihren Lauf und wird deutliche Spuren hinterlassen.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Wer spätestens jetzt glaubt, dass ihn das nicht betrifft, irrt. Industrie 4.0, Handwerk 4.0, Digitalisierung und KI ändern alles. Auch wenn das Vorstellungsvermögen fehlt: Die Veränderung nimmt ihren Lauf und wird deutliche Spuren hinterlassen. Denken Sie an Ihr Smartphone und die zahlreichen Anwendungen, die Sie bequem mit Ihrem Finger steuern, beispielsweise Bankgeschäfte, Reisebuchungen samt Reiseschutz oder Reservierungen am bevorzugten Tisch im Lieblingsrestaurant. Wie viele Schritte waren hier früher üblich?

Der Meat Vision Day von afz und „Fleischwirtschaft“ schaute in der vergangenen Woche hinter die Erdkrümmung, wie es der Chef der Frankfurter Messe, Wolfgang Marzin, formulierte. Messen sind eine Bühne für die Präsentation von Innovationen, die Wirtschaftszweige ebenso wie den Fleischsektor voranbringen. Deshalb dürfen Schlachter, Zerleger, Verarbeiter und Handwerksbetriebe neue Techniken nicht aussitzen. Viel mehr geht es darum, Weichen zu stellen und von neuen Chancen zu profitieren. Dazu gehört beispielsweise die Nutzung gesammelter Daten, deren Auswertung zu neuen Produkten und Dienstleistungen führen kann.
MVD 2018 - Boos
(Bild: Felix Holland)

Mehr zum Thema

Meat Vision Day 2018 Effizienz lohnt sich, Angst nicht

Chris Boos, einer der wichtigsten Kenner künstlicher Intelligenz, nennt das Lernen von dem, der weiß und nicht allein durch Beobachtung. Neuronale Systeme benötigen dafür riesige Datenmengen, um Algorithmen bilden zu können. Deshalb müssen Daten auch ein handelbares Gut werden, ist Boos überzeugt. Kleiner Abstecher: Der Experte sieht hier übrigens Europa nicht zuletzt durch die EU-weite Datenschutz-Grundverordnung gut gerüstet.

Zurück zum Thema: Weil Maschinen dem menschlichen Gehirn nicht nachempfunden sind, müssen wir KI auch nicht fürchten. Im Gegenteil. Je digitaler die Welt wird, um so eher zählen Emotionen. Der persönliche Austausch, das Ablesen von Wünschen aus einem Gesicht, Empfindungen, Regungen und die Vermittlung von Werten sind bei der Kommunikation von Mensch zu Mensch weder durch Maschine noch Roboter zu ersetzen – eine Eigenschaft, die im Verkauf unschlagbar ist – und bleibt.
Der Meat Vision Day 2018 fand im Portalhaus der Messe Frankfurt statt.
Foto: Felix Holland
Der Meat Vision Day 2018 fand im Portalhaus der Messe Frankfurt statt.
Genau hier ist der fleischerhandwerkliche Betrieb im Vorteil. Auf diesen Eigenschaften darf man sich nicht ausruhen. Vielmehr müssen der Meister und sein Team ausloten, welche Kundenbedürfnisse beispielsweise nach einer Datenanalyse noch besser bedient werden können.

Für die Fleischverarbeiter hingegen wird der Aufbau einer starken Marke immer wichtiger, denn das Produkt Schinken, um ein Beispiel in den Ring zu werfen, ist austauschbar. Genau hier lauert die Gefahr im weiter wachsenden Onlinehandel. Alexa und Co. lösen bereits jetzt Bestellvorgänge aus und entscheiden dabei, welches Produkt der Kunde kauft. Der klassische Point-of-Sale – im Supermarkt oder Discount – wird nicht mehr ohne Zusatzfunktionen auskommen.

Kunden wollen keinen automatisierten Service. Denken Sie nur an die Hotlines der Telekommunikationsunternehmen, die Sprachassistenten einsetzen. Die erfolgreiche Ansprache von Kunden bleibt sehr individuell. Sie fruchtet vor allem durch Menschlichkeit. Hier ist die menschliche Intelligenz der künstlichen deutlich überlegen.

Das könnte Sie auch interessieren
stats