Kommentar von
Kathrin Grünewald

Nachhaltigkeit Umweltschutz wird sich lohnen

Dienstag, 18. Oktober 2016
Die FachPack ist vorüber. Auch diesmal wurden zahlreiche Unternehmen mit dem Deutschen Verpackungspreis in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Gemäß dem Fokus der Nürnberger Messe auf Innovation und Nachhaltigkeit durfte auch letztere Kategorie als Gewinnrubrik nicht fehlen.
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Umweltschutz Verpackung Nachhaltigkeit FachPack


Nachhaltigkeit beschäftigt Verbraucher, Politik und Unternehmen in allen Wirtschaftsbereichen. Auch wenn der Begriff inflationär gebraucht wird: Verbraucher fordern sie, Politiker setzten sie per Gesetz durch und Unternehmer tun aus Umwelt- wie auch aus Imagegründen gut daran, Auflagen umzusetzten oder sogar über das gesetzliche Minimum hinaus mehr zu leisten. Denn auch wenn dieser Posten Geld kostet, Verbraucher werden immer aufmerksamer, was ihren nachhaltigen Konsum betrifft. Eine Studie der KPMG bestätigte jüngst, dass zwar pro Konsument noch immer rund 213 Kilogramm Verpackungsmüll pro Jahr anfallen, aber dennoch ein Umdenken stattfindet: So legen rund 60 Prozent der Befragten Wert auf den Werkstoff, aus dem die Verpackung ihrer Lebensmittel hergestellt wurde, 70 Prozent achten auf weniger zusätzliches Packmaterial.

Auch auf der FachPack wurden umweltschonende Lösungen gezeigt, darunter Druckfarben auf Wasserbasis oder Verpackungen aus zellulosebasiertem Biokunststoff (compostable plastics). Daneben sind mittlerweile essbare Folien aus Milchprotein, die sogar die Produktoxidation hemmen, Thema in der Forschung und ein niederländisches Unternehmen erhielt den europäischen Nachhaltigkeitspreis 2016 für eine Tomatenverpackung, die mit Tomatenfasern angereichter ist und so den anfallenden Müll bei der Produktion verwertet.

Es tut sich also so einiges in Sachen umweltfreundliche Packungen. Die Zulieferer der Fleisch- und Wurstbranche gehen aber einen anderen Weg: Statt nachhaltiger Verpackungen bieten sie funktionell aufwendige Kunststofflösungen an und berufen sich in punkto Nachhaltigkeitsdebatte auf die von der Regierung angestrebte Verringerung des Lebensmittelabfalls. Vliese saugen Fleischsaft auf und halten das Produkt frisch und schmackhaft, Spezialfolien mit Multilayereigenschaften verringern die Diffusion von Gasen und verlängern die Haltbarkeit des empfindlichen und leicht verderblichen Lebensmittels Fleisch.

Diese Unternehmenskommunikation erscheint ziemlich dreist, da vom Ressourcenproblem Kunststoffe einfach auf das nächste, die Lebensmittelverschwendung, abgelenkt wird, andererseits haben die Konzerne die Ansprüche des Produkts und – zumindest bisher noch – die Toleranz von Verbrauchern und Politik auf ihrer Seite. Gemäß des sich abzeichnenden Trends dürfte es sich aber lohnen nach ressourcenschonenden Alternativen zu forschen und darauf umzustellen. Und auch auf der Liste der Preisträger des Deutschen Verpackungspreises würde sich auch ein Produkt für die Fleischbranche gut machen.

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