Kommentar von
Jörg Schiffeler

Contra Verkürzte Ausbildung

Dienstag, 27. Februar 2018
Bäcker und Konditoren setzen auf eine kürzere Lehrzeit im Ausbildungsberuf zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk. Das wollen die meisten Metzger nicht. Drei Jahre sind nötig findet afz-Chefredakteur Jörg Schiffeler.

Wer Qualität einfordert, muss investieren. So wie gutes Fleisch reifen muss, braucht eine qualifizierte Ausbildung ebenfalls Zeit. Eine Lehre im Schweinsgalopp hilft den Betrieben nicht bei der Suche nach jungen Talenten, die das Fleischerhandwerk so dringend braucht. Auch wird eine Verkürzung der Ausbildungszeit nicht auf das Image der Metzgerberufe einzahlen.

Die Anforderungen an die Schlacht- und Zerlegebetriebe, Fleischverarbeiter und das Fleischerhandwerk steigen von vielen Seiten. Arbeitssicherheit, Dokumentations- und Kennzeichnungspflichten, Hygieneschulungen und Sachkundenachweise seien hier beispielhaft genannt. Insbesondere aber vom Fachpersonal an der Bedientheke erwarten die Kunden immer mehr Informationen sowohl über die Zusammensetzung der Produkte als auch über die Herkunft der Rohstoffe sowie kompetente Ernährungsberatung.

Das Fleischerhandwerk hat in zahlreichen Anhörungen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln erwirkt, dass viele Informationen – wie die Ausweisung der Allergene – bei „loser Ware“ durch Beratung an die Kunden kommuniziert werden. Damit wird der Verkaufsberuf deutlich anspruchsvoller.

Den Einstieg ins Fleischerhandwerk erleichtert die Straffung der Ausbildungszeit keineswegs. Junge Leute suchen nach Perspektiven und Chancen. Hier können die Metzger punkten. Sie bieten einen abwechslungsreichen Beruf, der Raum für Kreativität und Leidenschaft lässt. Diese Fähigkeiten müssen sich entwickeln, denn sie lassen sich nicht im Schnelldurchlauf einpauken.

Aus der Perspektive von Bäckern und Konditoren scheint es zu genügen, Brot, Brötchen, Torten und Pralinen über die Theke zu reichen. Der Fleischer muss mehr Kenntnisse in Produktion und Küche vermitteln. Das ist sinnvoll, denn genau diese Ausbildungsinhalte sind später bei der Beratung an der Theke gefragt. Wer nicht weiß, wie man einen Braten oder Flanksteak zubereitet, kann es dem Kunden nicht erklären, nicht davon vorschwärmen und nicht überzeugend empfehlen. Auch wenn die Screens der Ladenwaagen viele Informationen bieten, ersetzt das kein qualifiziertes Verkaufsgespräch.

Abspecken ist gefährlich. Deshalb ist die Konzentration in der Ausbildung zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk auf den reinen Verkaufsvorgang ein Irrweg. Die Qualität der Ausbildung ist ein wichtiger Hebel, mit dem junge Menschen dauerhaft für einen Beruf gewonnen werden können.

Lesen Sie auch "Zwei Jahre sind genug" von afz-Redakteurin Birgit Winterhalder-Spee.
Das könnte Sie auch interessieren
stats