Kommentar von
Birgit Winterhalder-Spee

Pro Verkürzte Ausbildung

Dienstag, 27. Februar 2018
Bäcker und Konditoren setzen auf eine kürzere Lehrzeit im Ausbildungsberuf zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk. Das wollen die meisten Metzger nicht. Zwei Jahre sind genug meint afz-Redakteurin Birgit Winterhalder-Spee.

Ein guter Ausbilder konzentriert sich aufs Wesentliche und ist deshalb in der Lage, dem Verkaufslehrling die erforderlichen Grundlagen für seinen Beruf in nur zwei Jahren beizubringen. Zeitfressende, wenig zielführende Aufgaben fallen einfach weg. Notwendig ist dann allerdings eine Straffung der Rahmenlehrpläne, damit nicht – G8 lässt grüßen – der komplette Stoff in zwei Dritteln der zuvor üblichen Zeit gepaukt werden muss.

Schließlich ist schon jetzt eine Verkürzung der Ausbildungszeit möglich, wenn auch nur für die Top-Talente. Aber die sind ohnehin rar und werden dem Mittelmaß immer voraus sein. Doch Bewerber genau aus dieser Gruppe braucht das Fleischerhandwerk wie eigentlich fast alle, die es kriegen kann.

Und das ist der entscheidende Punkt: Bereits nach zwei statt erst nach drei Jahren monatlich ein volles Verkäuferinnen-Gehalt zu verdienen, ist ein finanzieller Anreiz, der wesentlich überzeugender wirkt als das Argument der kreativen Seiten des Berufs und seiner tollen Aufstiegsmöglichkeiten. Die meisten Kandidaten schmieden beim Berufseinstieg keine großartigen Karriere-Pläne. Solche Ambitionen ergeben sich oft erst im Lauf der Zeit.

Viele wollen einfach nur einen Job haben, der ihnen Spaß macht und bei dem sie nicht in einem Büro sitzen müssen. Verfügen sie über eine verkäuferische Begabung, sind sie an der Bedientheke genau richtig. Denn hier werden sie dringend gebraucht, weil im Fleischer-Fachgeschäft der persönlich geprägte Service und ein zwischenmenschlicher Kontakt erwartet werden, was es am Wurstregal bei den Billiganbietern nicht gibt.

Wer schneller am Ziel ist, sucht sich ein neues. Spitzenkräfte lassen sich durch Zusatzqualifikationen aufbauen. Das kostet Zeit und Geld. Es lohnt sich aber und ist wesentlich besser zu steuern, als einen Verkaufslehrling sicher durch die Abschlussprüfung zu hieven, indem das Plattenlegen trainiert und die Büfettberatung geübt werden, obwohl der Betrieb das gar nicht anbietet oder dafür im Normalfall nur die darin routinierten Kolleginnen einsetzt. Das schließt keineswegs aus, dass die ausgelernte Verkäuferin solche Tätigkeiten einmal übernimmt, weil sie Gefallen daran findet und ihren Wirkungskreis von selbst erweitern will.

Die Ausbildung allein ist es nicht, die eine Fachkraft ausmacht. Wissen und Können entwickeln sich. Im Berufsleben spielt es keine Rolle mehr, wie lang die Ausbildung gedauert hat.

Lesen Sie auch "Drei Jahre sind nötig" von afz-Chefredakteur Jörg Schiffeler.
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