Kommentar von
Sandra Sieler

Öffentlichkeitsarbeit Trendige Politur für das angekratzte Fleischer-Image

Dienstag, 24. Juli 2018
Fleischerhandwerk rockt! So bringt eins der Nachwuchstalente aus der Nationalmannschaft seine Motivation auf den Punkt.

Das Handwerk spürt ein neues Selbstvertrauen, getragen vom glühenden Dry aged-Fieber und dem flammenden Grillhype. Plötzlich will der Kunde nicht mehr nur billig; Geiz ist nicht mehr geil. Gerade die kaufkräftige Klientel mittleren Alters sucht jetzt gezielt nach exquisiten Qualitäten und Fleisch von besonderen Rassen. Und die findet sie vor allem im Fleischer-Fachgeschäft.

Diese Renaissance guten Fleischs wertet nicht nur die Produkte aus der Fleischerei auf. Auch der Meister und die Fachverkäuferin werden wieder als kompetente Ansprechpartner wahrgenommen, wenn es um den Fleischkauf und das Besondere geht.

Wer am Grill im Wert von Tausenden von Euro steht, will eben nicht nur die Billig-Bratwurst vom Discounter auf den Rost legen. Der Metzger seines Vertrauens berät den Grillmeister bei der Auswahl der Zuschnitte und der Maserung, sorgt für ein einzigartiges Aroma und erzählt dazu noch die passende Geschichte zur Herkunft des Fleischs und der Aufzucht der Tiere. So geht Fleischkauf heute.

Metzger sind wieder wer. Und das zeigt sich auch in den Medien. Wer aktuell in der Lokalzeitung von Fleischern liest, bekommt das Porträt eines dynamischen Berufszweigs gezeichnet, der sich durch Kompetenz ebenso wie durch Kreativität auszeichnet. Die Qualifikation zum Fleischsommelier hat dem noch eine besondere Dynamik gegeben. Zig Tageszeitungen haben die Geschichte vom ersten Sommelier in ihrem Landkreis gebracht.

DFV - Nationalmannschaft - Logo
(Bild: DFV)

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Nationalmannschaft Botschafter und Vorbilder, Teamworker und Bekenner

Genau bei diesem Imagewandel setzt der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) mit seiner Nationalmannschaft an. Das Konzept eines eingeschworenen Teams aus engagierten jungen Leuten, die alle auf ihre Art Kompetenz mitbringen und ausstrahlen, haben die Verantwortlichen binnen kürzester Zeit auf die Beine gestellt – mit Erfolg. Schon die ersten Auftritte des jungen Teams waren – ganz im Gegenteil zur Nationalelf im Fußball in den vergangenen Wochen – äußerst gelungen. Das gilt für die regionale Bühne ebenso wie für das politische Parkett in Berlin. Bemerkenswert ist der Ansatz, die Nachwuchstalente auch als Ansprechpartner für die Medien zu positionieren. Damit werden sie zum Sprachrohr für das ganze Fleischerhandwerk und ein riesiger Sympathieträger zugleich. 

Allerdings ist die Nationalmannschaft des DFV nicht die einzige Initiative, was dann schon mal zu Verwechslungen führen kann. Denn alle Teams haben die gleiche Stoßrichtung. Es geht darum, das Image des Fleischerhandwerks geradezurücken: weg vom Einfaltspinsel hin zum Rockstar.

Nach dem Erfolg des Fleischsommeliers startet bald die Weiterbildung zum Wurstsommelier. Auch der wird sicher von sich reden machen. Im Frühjahr war es das Butcher Wolf Pack rund um Dirk Freyberger, der mit seinem Team an der World Butchers' Challenge teilnahm – und damit ein enormes Medienecho erzielte. Die Mädels von „Wir sind anders“ wiederum formulieren ihr Ziel in dem Motto „Starke Frauen für ein starkes Handwerk“. Und das sind nur einige der Initiativen, die sich für ein starkes Bild ihres Handwerks in der Öffentlichkeit einsetzen. Nicht zu vergessen hierbei auch der jüngste Coup des Fleischer-Verbands mit den beiden Influencern Piet & Jay, die in Hamburg zu Besuch beim Fleischer waren und das klickstark bei YouTube einstellten.

Leider bringt das aufpolierte Image noch immer nicht die lang ersehnte Renaissance der Fleischer- oder Verkäuferlehre. Selbst wenn in manchen Regionen wieder mehr Lehrstellen besetzt sind, bleibt die Bilanz unter dem Strich wohl auch zu Beginn des neuen Ausbildungsjahrs ernüchternd. Umso wichtiger ist da das Auflaufen der Nationalmannschaft, die ihre volle Außenwirkung ja erst noch entfalten will. Jedes weitere Engagement, das das moderne Bild des Fleischerhandwerks niveauvoll unterstreicht, ist da willkommen.

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