Digitalisierung Vermarktung auf neuen Kanälen

Dienstag, 11. Dezember 2018
Theoretisches Fachwissen vereint mit praktischen Ideen und Anregungen für den eigenen Betrieb: Die Fleischerjunioren erhielten in Esslingen Fachwissen zu den Themen Online-Marketing und Digitalisierung.
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Theoretisches Fachwissen vereint mit praktischen Ideen und Anregungen für den eigenen Betrieb: Die Fleischerjunioren erhielten in Esslingen Fachwissen zu den Themen Online-Marketing und Digitalisierung.
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Digitalisierung


Social Media und Online-Marketing für den eigenen Betrieb nutzen. Seminar der Fleischerjunioren.
Wer keinen Online-Shop oder Facebook nutzen möchte, sollte sich nicht dazu zwingen. Es gibt kein Konzept, das für jeden passt.“ Diese Antwort gab Digitalberater Sven Giebler beim Herbstseminar des Juniorenverbands des Deutschen Fleischerhandwerks in Esslingen auf die Frage einer Teilnehmerin, ob es für jede Fleischerei notwendig sei, eine aufwändige Webseite samt Online-Shop zu betreiben.

Giebler erklärte, welche Möglichkeiten das Internet den Betrieben bietet und welche individuell sinnvoll sind. Der Zeitaufwand für den Online-Auftritt sollte ebenfalls vorher festgelegt werden. Gieblers Empfehlung: „Selbst wenn man nur einmal pro Woche auf Facebook-Kommentare antwortet, ist das in Ordnung. Macht es für Euren Betrieb passend.“
„Den Arbeits- aufwand für einen Online-Shop steuert man selbst.“
Sven Giebler
Das Internet bietet Metzgern eine gute Möglichkeit, die eigene Fleischerei zu bewerben. In der heutigen Zeit verlagert sich vieles in das World Wide Web, so auch die Gewinnung neuer Kunden und ihre Bindung. Für Fleischer gibt es zahlreiche Wege: Eine ansprechende Webseite bietet einen Einblick in das Angebot und den Betrieb. Webshops steigern den Umsatz und erlauben Kunden mehr Flexibilität beim Einkauf. Auch Social Media-Plattformen rücken in den Fokus.

Webpräsenz

Sieben der 20 Seminar-Teilnehmer haben bereits Google My Business angelegt. Das ist ein Eintrag der eingeblendet wird, wenn Nutzer auf Google nach der Fleischerei oder vergleichbaren Unternehmen suchen. Giebler räumte jedoch ein: „Alle anderen findet man dort auch. Google hinterlegt die Informationen automatisch.“ Möglicherweise sind die Angaben so aber fehlerhaft. Adressen oder Telefonnummern können beispielsweise veraltet sein. Das führt dazu, dass Kunden deshalb den Laden nicht finden oder kontaktieren. 27 Prozent der Deutschen nutzen den dort hinterlegten Anrufbutton, 35 Prozent die Anfahrtinformationen.

Google-Nutzer bewerten und kommentieren auf My Business Geschäfte. Auch auf negative Kommentare sollten Metzger schnell reagieren. Das zeige Kunden, die sich vorab im Internet informieren, dass Anregungen und Kritik Gehör finden, erklärte Giebler. Johannes Bechtel, Vorsitzender der Junioren, warf ein: „Wir treten mit Kunden, die Negatives über den Service berichten, in Kontakt. Aber wir reagieren auch auf positives Feedback. Beispielsweise so: ‚Kommen Sie zu uns. Dann überreichen wir Ihnen ein kleines Präsent‘.“

Der Digitalberater berichtete, dass neun von zehn Deutschen regelmäßig im Internet nach Metzgereien suchen. Google-Einträge mit Fotos erhalten 35 Prozent mehr Klicks. Diese Bilderstrecken zeigen Mitarbeiter, Geschäftsräume, Alltagssituationen, Produkte sowie Projekte oder Aktionen. „Besonders wenn Ihr tolle Geschichten zu erzählen habt: Zeigt das auch dort“, ermutigte Giebler. Beim Veröffentlichen von Bildern sollte die DSGVO genau beachtet werden. Unter der Webadresse www.google.de/Business können Nutzer die Daten bearbeiten. „Schaut Euch Euren Eintrag an“, appellierte Giebler.

Besucht der Kunde die Firmenwebseite, sollte sie auch auf dem Smartphone richtig dargestellt werden. „Jeder Zweite sucht mobil nach Informationen“, weiß Giebler. Wichtig sei auch, dass Adresse und Name des Geschäfts bei jedem Eintrag identisch sind: ob auf der eigenen Webseite, Social Media-Kanälen, auf Webadressen wie Find my Butcher oder den Gelben Seiten. Dann finden potenzielle Kunden die Fleischerei schneller.

Webshop

Die Herausforderung bei der Gestaltung eines Online-Shops liegt darin, ihn an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. „Der Kunde ist faul. Daher sollte der Shop so einfach wie möglich strukturiert werden“, erklärte der Web-Experte. Zum Beispiel könne der Web-Master Grillpakete mit den beliebtesten Produkten der Sommerzeit zusammenstellen.

Für die Abwicklung des Online-Vertriebs gibt es drei Lösungen: Ausdruck und Bestellung, Online-Formulare sowie Webshop. Johannes Bechtel aus dem nordhessischen Willingshausen nutzt Formulare zum Ausdrucken in seinem Shop. „Das war eine schnelle Lösung, die gut angenommen wird. Wir verkaufen circa 20 Pakete pro Woche“, lautet seine Erfahrung. „Bezahlen können die Kunden per Rechnung.“ Sven Giebler sieht in dieser Lösung ein praktikables System für Einsteiger. Es sei besser, als wochenlang an einem Online-Shop zu basteln.
Johannes Bechtel Juniorenverband
(Bild: uk)

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Die Metzgerei Stroh in Wadern im Saarland, für die Sven Giebler als Digitalberater tätig ist, nutzt ein ähnliches System. Hier druckt die Fleischerei das Online-Formular aber nicht aus, sondern erhält es per E-Mail. „Die Kunden füllen das Dokument direkt am Computer aus und schicken es zurück. Ganz ohne Fax und Papierkram.“

Die dritte Lösung ist ein eigenes Shop-System. Die Fleischerei Friedrichs in Wittingen bei Wolfsburg verkauft hierüber Konserven, Einmachgläser und Mettwurst. Weil diese Produkte keine Kühlung beim Transport benötigen, ist der Versand unkompliziert. „Den Arbeitsaufwand für einen Online-Shop steuert man selbst“, erklärte Giebler. Man verzettele sich nicht, wenn man langsam anfängt.

Tipps für den Online-Shop

Kunden vorab fragen, welchen Service sie sich wünschen und einen Überblick gewinnen. Die Befragung kann im Laden, per Newsletter oder über die Homepage erfolgen.

Mit einem Shop-Button auf der Webseite die Resonanz abrufen. Hier können Betreiber zur Teilnahme an einer Umfrage aufrufen wie ein Shop-System aussehen könnte.

Online-Shops von Kollegen anschauen und sich inspirieren lassen.

Social Media

Soziale Medien spielen fürs Fleischerhandwerk eine zunehmend wichtige Rolle. „Hiermit macht man Fremde zu Freunden. Die Kunden kann man für Events wie Grillseminare begeistern“, erläuterte Giebler. „Wer sich auf Facebook tummelt, sollte vorher genau überlegen, ob er den Dialog will“, gab der Digitalberater zu bedenken. Denn es geht nicht nur um das Posten von Inhalten. Man muss auch auf Feedback reagieren. Auch auf kundenseitige Anregungen sollte die Fleischerei eingehen. „Facebook ist für Metzger die beste Plattform“, so die Meinung des Experten. Die zeitlichen Abstände der Posts müssen zunächst getestet werden. „Am besten steigert man die Frequenz so lange, bis die Leute anfangen, sich abzumelden.“

Metzger sollten dabei nicht nur Fotos verwenden. „Auf Facebook haben Videos mehr Relevanz“, weiß Giebler. Auch eine Facebook-Gruppe zur Metzgerei bietet sich als Instrument an. „Hier greift kein Algorithmus, der es für manche als nicht relevant einstuft. Jeder sieht es und bekommt zudem eine Benachrichtigung.“

Jüngere Zielgruppen findet man eher auf Instagram. Hilfreich sei die Seite besonders dann, wenn attraktive Bilder vorhanden sind, beispielsweise appetitliche Produktfotos. YouTube eignet sich besonders für Werbevideos. Allerdings ist die Produktion von Videos sehr kostenintensiv. Wichtig bei allen Social Media-Kanälen sei es, mit den Kunden zu kommunizieren, aber nicht auf sie einzureden.

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