European Meat Forum Machen statt abwarten

Dienstag, 04. Dezember 2018
Überzeugt von den Chancen des digitalen Wandels (von links): Alexander Riedl von der EU-Kommission, Tim Reintgen von Plytix, IMV-Präsident Jean-Marie Oswald und Moderatorin Renate Kühlcke.
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Überzeugt von den Chancen des digitalen Wandels (von links): Alexander Riedl von der EU-Kommission, Tim Reintgen von Plytix, IMV-Präsident Jean-Marie Oswald und Moderatorin Renate Kühlcke.
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Digitalisierung ZDH


Zu den Kernkompetenzen eines Metzgers gehört die Digitalisierung nun nicht gerade. Dennoch muss er sich mit den neuen Technologien beschäftigen, um deren Chancen für sich zu nutzen.

 „Nicht abwarten, sondern machen.“ Das war eine Kern-Erkenntnis des diesjährigen European Meat Forums in Brüssel. Der Internationale Metzgermeister-Verband (IMV) hatte wieder hochkarätige Experten auf dem Podium versammelt: Für IMV-Präsident Jean-Marie Oswald beispielsweise ist klar: „Die Zukunft gehört den papierlosen Unternehmen.“ Das unterstrich auch Alexander Riedl von der Generaldirektion Connect in der EU-Kommission. Allerdings nutzt ihm zufolge derzeit nur etwa ein Fünftel der KMU-Betriebe in Europa digitale Technologien. Und das sei von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat auch sehr verschieden. Riedl: „Da haben wir noch kein Europa, das gleich ist.“

Mit wenigen Schlagworten machte der Kommissionsmitarbeiter dem Publikum aus EU-Abgeordneten, Delegierten der Fleischerverbände aus ganz Europa und Handwerksvertretern klar, wie wichtig digitale Strategien für das Überleben am Markt sind: Nachwuchssicherung, Individualisierung der Kundenwünsche, Gesundheitsbewusstsein, Rückverfolgbarkeit, Transparenz, Automatisierung und Monetarisierung der Kundenbeziehung – bei all dem könne die Digitalisierung helfen, ermunterte Riedl die Metzgermeister.

In kleinen Etappen zum Ziel

Den Verbänden des Fleischerhandwerks fällt hierbei eine wichtige Rolle zu. Auch das wurde im Lauf der Podiumsdiskussion in Brüssel deutlich. Sie müssen ihren Mitgliedern kleine maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die einfach anzuwenden sind und damit die Hemmschwelle vor dieser sehr komplexen und für Handwerker oft fremden Welt abbauen. „Viele stehen vor diesem Thema wie vor dem Mount Everest“, bestätigte auch Stephan Blank vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) aus seiner Erfahrung. „Wir brauchen Anwendungen, die die Handwerker beherrschen können.“ Die Digitalisierung kann seiner Meinung nach eine wichtige Unterstützung im demografischen Wandel bieten – wenn man sie zulässt.

Die eine Strategie für die Digitalisierung im eigenen Unternehmen gibt es nicht. Jeder müsse sein Ziel selbst definieren. Lotsen beispielsweise von den Handwerkskammern bieten hierbei ihre Hilfe an, erklärte Blank.

Alexander Riedl regte außerdem an, darauf zu schauen, was andere in dieser Hinsicht machen, Stichwort: Best-Practice-Transfer. Tipp Nummer zwei vom Kommissionsbeamten: junge Leute ins Unternehmen holen, entweder auf fester oder Honorarbasis.

Einen möglichen Startpunkt für den digitalen Einstieg zeigte Tim Reintgen von Plytix. Das dänisch-spanische Unternehmen bietet analytische Tools, um die schiere Masse an Produktinformationen zu sortieren, zu interpretieren und für die verschiedenen Vertriebskanäle zu nutzen. Damit heimste das Start-up den Digitaleurope SME-Award ein.

Sicherheit hält Schritt

„Kriminelle Energie gibt‘s überall“, gab auch der Digital Native Reintgen zu, als Moderatorin und Chefredakteurin Renate Kühlcke von der „Fleischwirtschaft“ das Thema Cybercrime anschnitt. Das dürfe sich in den Köpfen aber nicht zum Hemmschuh der digitalen Entwicklung auswirken. Reintgen: „Die Sicherheit wächst mit."

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