Fahrzeuge Was sich 2020 rund um den Fuhrpark ändert

Donnerstag, 02. Januar 2020
2020 ziehen manche Bußgelder an.
Foto: imago images / Mario Hösel
2020 ziehen manche Bußgelder an.

Neue Typklassen, höhere Bußgelder, weitere Fahrverbote: Im neuen Jahr müssen sich Autofahrer wie auch Fuhrpark-Verantwortliche auf einige Änderungen einstellen.

Rund elf Millionen Autofahrer sind 2020 von der Änderung der Typklasse ihrer Kfz-Versicherung betroffen, die der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) neu berechnet hat. 4,6 Millionen der Pkw-Besitzer können sich freuen, weil sie von der Neuberechnung profitieren, 6,5 Millionen Fahrzeughalter müssen hingegen höhere Beiträge zahlen. Für fast drei Viertel (rund 29,7 Millionen Autofahrer) ändert sich laut GDV nichts. 

Große Sprünge sollen nach Angaben des Gesamtverbands die Ausnahme sein, nur für wenige Modelle gehe es um mehr als eine Klasse nach oben oder nach unten. So verbessern sich demnach etwa der VW T-Roc 1.5 TSI (Typ A1, seit 2017) und der Kia Stonic 1.2 (Typ YB, seit 2017) jeweils um vier Klassen, während sich der Honda Jazz Hybrid 1.4 (Typ GP1, 2011-2015) um drei und der Skoda Octavia 1.2 TSI (Typ 5E, seit 2012) um zwei Typklassen verschlechtern.

Während in der Kfz-Haftpflichtversicherung die Leistungen für geschädigte Unfallgegner maßgeblich sind, spielt in der Kaskoversicherung unter anderem der Wert des versicherten Autos eine Rolle. Daher haben laut GDV viele hochmotorisierte Oberklasse-Modelle und SUVs wie etwa der Lexus RX450H (Typ: AL2, seit 2015) und der BMW X6 M (Typ: M7X, seit 2014) hohe Typklassen, ältere Modelle und Kleinwagen wie der elektrisch betriebene Smart ForFour ED (Typ 451, seit 2016) oder der Suzuki Ignis 1.2 (Typ MF, seit 2016) eher niedrige Klassen.

Wie hoch der Beitrag einer Kfz-Versicherung ist, hängt von verschiedenen Merkmalen ab – unter anderem auch davon, welches Automodell gefahren wird. Um Kfz-Versicherern die "risikogerechte Kalkulation" ihrer Beiträge zu erleichtern, werten die GDV-Statistiker einmal jährlich die Schadenbilanzen aller in Deutschland zugelassenen Automodelle aus. Die Typklassenstatistik des GDV umfasst eigenen Angaben zufolge rund 30.000 verschiedene Modelle und deren Schadenbilanzen der Jahre 2016 bis 2018.

Die Logik der Typklassenstatistik ist einfach: Verursacht ein bestimmtes Automodell vergleichsweise wenige Schäden und geringe Reparaturkosten, erhält es eine niedrige Typklasse, bei vielen Schäden und hohen Versicherungsleistungen eine hohe. Da die Typklasse allein keinen Rückschluss auf die Entwicklung des gesamten Kfz-Versicherungsbeitrages zulässt, hat der GDV hier zusammengefasst, wie sich ein Kfz-Versicherungsbeitrag zusammensetzt und welche Tarifmerkmale es gibt.

Bußgelder

Wer in zweiter Reihe sowie auf Geh- und Radwegen parkt oder auf Schutzstreifen hält, zahlt 2020 bis zu 100 Euro (bisher bis zu 55 Euro) und kann in besonders schweren Fällen sogar Punkte in Flensburg bekommen. Zudem ist 2020 das dreiminütige Halten auf Schutzstreifen nicht mehr erlaubt. Und Autofahrer, die keine Rettungsgasse bilden, können fortan mit einer Geldbuße von bis zu 320 Euro (bisher 200 Euro) bestraft werden, außerdem droht den Ignoranten ein einmonatiges Fahrverbot sowie zwei Punkte in Flensburg.

Die Höhe der Bußgelder auf einen Blick finden Sie hier.

Sicherheit für Radfahrer

Ein neues Verkehrsschild soll Autos das Überholen von Zweirädern verbieten. Falls das Überholen doch erlaubt ist, sollten Kraftfahrzeuge innerorts ein Abstand von mindestens 1,5 Metern und außerorts von zwei Metern einhalten. Außerdem wird es künftig einen grünen Pfeil beim Rechtsabbiegen nur für Radfahrer geben. Wer Radfahrer, Fußgänger oder Nutzer von E-Tretrollern überholt, soll nun innerorts einen Mindestabstand von 1,5 Metern und von 2 Metern außerorts einhalten.
Neues aus dem Schilderwald.
Foto: BMWI
Neues aus dem Schilderwald.

Dieselfahrverbote

In der Innenstadt von Stuttgart gilt seit dem 1. April 2019 das deutschlandweit erste großflächige Fahrverbot für Dieselfahrzeuge der Euronorm-4. Da die Deutsche Umwelthilfe (DUH) noch weitere Klagen auf Luftreinhaltung anhängig hat oder plant, wird es 2020 unter Umständen zu weiteren Fahrverboten in deutschen Städten kommen. 

In Stuttgart könnte es zusätzlich zu streckenbezogenen Fahrverboten der Euronorm-5 geben. In Berlin gelten seit Ende November 2019 auf manchen Streckenabschnitten Fahrverbote in den Bezirken Neukölln und Mitte. In Städten wie Köln, Bonn, Essen und Mainz wird noch über Fahrverbote diskutiert, genaue Umsetzungstermine sind aber noch offen. 

Eine Übersicht über bestehende und geplante Fahrverbote hat der ADAC hier zusammengestellt.
Essener Genossenschaft: Fuhrpark
(Bild: rh)

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Schadstoff-Grenzwerte

Die Schadstoff-Emissionsmessungen auf der Straße ("Real Driving Emissions", RDE) ergänzen seit September 2017 die Labormessung von neu genehmigten Pkw-Typen. Ab 2020 dürfen alle neu typgenehmigten Modelle im RDE-Straßentest höchstens das 1,5-Fache dieses Laborgrenzwertes für Stickoxide erreichen (CF 1,5), also maximal 120 Milligramm pro Kilometer. Ab Januar 2021 gilt diese Vorgabe für alle neuzugelassenen Pkw in der EU. Die bisherige "Euro-6d-TEMP-Norm" wird damit zur "Euro-6d-Norm".

Diesel-Nachrüstung

Das Kraftfahrtbundesamt hat inzwischen beispielsweise von VW, Mercedes und Volvo einige "selektive katalytische Reduktion"-Nachrüstsysteme (selective catalytic reduction, SCR) für Euro-5-Diesel genehmigt,  die den Stickoxid-Ausstoß im Alltagsbetrieb senken sollen. Einige Autohersteller haben im Rahmen des Dieselgipfels zugesagt, sich an dem Hardware-Nachrüstungsprogramm zu beteiligen und geben dafür Zuschüsse. Nachgerüstete Diesel sind immer noch Euro-5-zertifiziert, fallen dann aber nicht mehr unter die derzeit verhängten Fahrverbote.

Mehr Infos gibt es beim ADAC

Lkw-Abbiegeassistent

Ab dem 1. Juli 2020 müssen neue Lang-Lkw (18,75 m bis 25,25 m) mit einem Abbiegeassistenten und mitblinkenden Seitenmarkierungsleuchten ausgestattet sein, Bestandsfahrzeuge ab 1. Juli 2022.

Digitalradio

Knacken, Knistern und Rauschen sollen bald der Vergangenheit angehören: Vom 21. Dezember 2020 an müssen alle Radios in Neuwagen für den digitalen Übertragungsstandard DAB+ (Digital Audio Broadcasting) gerüstet sein. Das Digitalradio hat unterwegs viele Vorteile: Der Empfang ist besser als bisher und der Zuhörer kann den Sender deutschlandweit hören, ohne zwischendurch die Frequenz wechseln zu müssen. Denn die Signale werden nicht per störungsanfällige Radiowelle, sondern als verschlüsselte Datenpakete verschickt, die das Digitalradio zu Ton entschlüsselt. Zudem können die Datenpakete auch Bilder und Text übertragen.

Hierzulande sind inzwischen mehr als 260 lokale und überregionale Programme über DAB+ verfügbar, die Abdeckung soll 98 Prozent der Fläche betragen. Zwar ist damit noch nicht das Ende der analogen UKW-Empfänger besiegelt, es dürfte aber eine Frage der Zeit sein, bis auch in Deutschland die Kurzwellensender verschwinden. In Norwegen beispielsweise wurde UKW bereits abgeschaltet, in Dänemark und der Schweiz wurde der Ausstieg beschlossen.

Die DAB+-Programmkarte finden Sie hier.

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