Fleischerjunioren Generation Smartphone

Donnerstag, 25. Oktober 2018
Johannes Bechtel ist seit Oktober 2017 Vorsitzender der Fleischerjunioren. Der Meister arbeitet generationsübergreifend mit seinen Eltern Kurt und Renate Bechtel im Familienbetrieb.
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Johannes Bechtel ist seit Oktober 2017 Vorsitzender der Fleischerjunioren. Der Meister arbeitet generationsübergreifend mit seinen Eltern Kurt und Renate Bechtel im Familienbetrieb.
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DFV Digitalisierung


Ein Gespräch mit Johannes Bechtel, Vorsitzender des Juniorenverbands des Deutschen Fleischerhandwerks. Den Meister aus dem nordhessischen Willingshausen treibt der fachliche Austausch und der freundschaftliche Dialog an.

von Uli Köster

Der 28-jährige Johannes Bechtel ist Metzgermeister und Juniorchef im familieneigenen Betrieb in Zella, einem Ortsteil der Gemeinde Willingshausen im Schwalm-Eder-Kreis. Nach seiner Meisterprüfung absolviert er erfolgreich ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt am Main. Sich für den Berufsstand einzusetzen ist für Bechtel Ehrensache. Im Juniorenverband treibt ihn das Megathema digitaler Wandel an. In der Innung war er zuletzt beim Wecke- und Worschtmarkt in Borken aktiv.

Wie kamen Sie zu den Fleischerjunioren?


Johannes Bechtel
: Mein damaliger Lehrmeister hat mir den Beitritt empfohlen.

Welche Funktion hat der Verband?

Bechtel: Wir sind in erster Linie ein Netzwerk, das aus jungen Leuten besteht. Im Austausch mit den Kollegen lernt man sich kennen und bekommt einen Einblick, wie andere die vielfältigen Aufgaben im Betrieb angehen. Darüber hinaus bieten wir Seminare zu speziellen Themen im Bereich des jungen Fleischerhandwerks an, beispielsweise Betriebsübergabe und Generationswechsel. Die digitale Welt, Social Media und der Generationskonflikt sind ebenfalls Gebiete, über die wir uns Gedanken machen.

Wie oft trifft sich der Vorstand?

Bechtel: Es gibt regelmäßige Telefonkonferenzen, und vier- bis fünfmal im Jahr treffen wir uns bei einem der Mitglieder. Durch Whats-App stehen wir allerdings sowieso ständig in Kontakt – das funktioniert immer und geht schnell.

Was sind Ihre Aufgaben als Vorsitzender?

Bechtel: Ich kümmere mich um die Öffentlichkeitsarbeit, bin das Sprachrohr des Verbands und halte den Kontakt zum Deutschen Fleischer-Verband (DFV). Darüber hinaus bin ich mitverantwortlich für die Ziele und Ausrichtung des Vereins und beteilige mich im neuen Strategiekreis „Digitalisierung“ des DFV.

Der Verband

Der Juniorenverband des Deutschen Fleischerhandwerks e. V. wurde in den 1990er-Jahren aus der Taufe gehoben und dient als Kommunikationsplattform für das junge Fleischerhandwerk.

Die Junioren setzen sich aktiv für die Zukunft und die Weiterentwicklung des Berufsstands ein.

Dem Verband gehören rund 250 Mitglieder an, die zwischen 18 und 35 Jahre alt sind. Vorsitzender ist Johannes Bechtel aus Willingshausen-Zella, ihm zur Seite stehen Christoph Geier (Lüdenscheid), Max Beck (Datterode), Katharina Koch (Calden) und Nathalie Zuber (Achern).
Inwieweit sind Sie in den DFV eingebunden?

Bechtel: Wir sind unabhängig, haben jedoch einen Gastsitz im Gesamtvorstand, dem Gremium, das zwischen den Verbandstagen die Arbeit des DFV koordiniert.

Was können die Fleischer-Junioren im DFV bewirken?

Bechtel: Wir beteiligen uns an Diskussionen und können Vorschläge einbringen.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Bechtel: Das Fleischerhandwerk muss in der heutigen Zeit noch besser zusammenhalten, um sich gegen die Industrie und die ständig steigenden Auflagen aus Brüssel zu wehren. Überdies ist mir alles wichtig, was Jungfleischer interessiert und sie weiterbringt, etwa die Stärkung der betriebswirtschaftlichen Elemente oder gar ein Studium der Wirtschaftswissenschaften.

Was muss aus Ihrer Sicht stärker vorangetrieben werden?

Bechtel: Der Online-Handel und die verstärkte Nutzung sozialer Medien werden künftig immer wichtiger.

Was muss das Fleischer-Fachgeschäft der Zukunft leisten?

Bechtel: Es sollte vor allem intensiver auf die individuellen Wünsche der Kunden eingehen und verschiedene Vertriebswege gehen – der Versand von frischen Lebensmitteln darf kein Alleinstellungsmerkmal von Amazon und Co. werden. Dabei müssen wir unsere Flexibilität gegenüber den Großen in den Vordergrund stellen. Produktvielfalt, handwerkliches Know-how statt industrieller Serienproduktion und die kompetente fachliche Beratung sind die Pfunde, mit denen wir wuchern können. Hinzu kommen Regionalität und Transparenz sowie der persönliche Kundenkontakt.

„Das Fleischerhandwerk muss in der heutigen Zeit noch besser zusammenhalten.“
Johannes Bechtel
Wie bringt man Berufsanfänger ins Fleischerhandwerk?

Bechtel: Unter anderem mit Werbung in den Schulen – dabei müssen wir Jungen den Beruf so zeigen, wie er heute ist. Ein moderner Fleischer hat individuelle Aufgabenbereiche, der Job ist vielfältig und weit entfernt von eintöniger Fließbandarbeit.

Wie kann man junge Nachwuchsfleischer in die Verbandsorganisation einbinden?

Bechtel: Durch die Angebote der Fleischerjunioren unter dem Motto: „Wir wollen was bewegen, komm‘ mach mit“. In den vergangenen Jahren waren wir unter anderem in Irland, Südtirol, den Niederlanden und Italien. Im nächsten Jahr geht es nach Spanien, ins Mekka der Schinkenhersteller in die Gegend um Salamanca.

Wie sieht Ihr Blick in die Zukunft aus?

Bechtel: Wir werden unseren Fokus gezielt auf die Digitalisierung im Fleischerhandwerk legen, da sie immer weiter voranschreitet. Neben der Produktion ist das das Wichtigste, mit dem sich ein moderner Handwerksbetrieb unbedingt beschäftigen muss, um nicht den Anschluss zu verlieren – dazu bieten wir im Herbst extra ein Seminar an (siehe Box).

Das Herbstseminar

Social-Media und Onlinemarketing ist der Titel der nächsten Seminarveranstaltung der Junioren. Im Anschluss an den theoretischen Teil wird der Spezialist für scharfe Klingen, das Traditionsunternehmen F. Dick, in Deizisau, besucht.

Das Programm in Kürze:

- optimale Gestaltung des Social-Media-Auftritts

- erfolgreiches Online-Marketing selbst durchführen

- macht der eigene Onlineshop Sinn oder nicht?

Experte Steven Giebler gibt Anregungen, Impulse sowie Tipps für die betriebliche Praxis.

Termin: Sonntag, 4., und Montag, 5. November 2018 Ort: Ecoinn Hotel, Esslingen

Info: Gero Jentzsch, E-Mail: g.jentzsch@fleischerhandwerk.de
Ist Fleischer noch Ihr Traumberuf?

Bechtel: Ich wurde von meiner Familie nie in den Beruf gedrängt, ich finde es bis heute toll, mit Lebensmitteln zu arbeiten und Leute mit unseren Produkten glücklich machen.

Wie sieht Ihr beruflicher Lebensplan aus?

Bechtel: Weiterentwicklung des Betriebs, andere Vertriebskanäle öffnen, beispielsweise Onlinemarketing oder automatisierter Verkauf, und langfristig die Übernahme des Familienbetriebs.

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