Fleischerverband Bayern „m“ wie Metzgerhandwerk

Dienstag, 28. Mai 2019
Immer mit einem Augenzwinkern: Eines der Motive aus der neuen Facebook-Kampagne des Landesverbands greift die Diskussion um das Bienensterben auf.
Foto: Kasper Communications, Fleischerverband
Immer mit einem Augenzwinkern: Eines der Motive aus der neuen Facebook-Kampagne des Landesverbands greift die Diskussion um das Bienensterben auf.

Alles andere als verstaubt: die neue Nachwuchskampagne des Fleischerverbands Bayern.
Wer dieser Tage auf Facebook beim Fleischerverband Bayern reinschaut, wird sich verwundert die Augen reiben: Da prangt ein dickes rotes „m“ als Symbol für das Metzgerhandwerk in Bayern. Ein Affront gegen die f-Marke? „Ganz klar: Nein“, unterstreicht Lars Bubnick im Gespräch mit fleischwirtschaft.de. Die Dachmarke des Deutschen Fleischer-Verbands sieht der LIV-Geschäftsführer davon nicht berührt, die Bayern agieren weiter unter dem gemeinsamen Dach.

„Das bayerische Metzger ‚m‘ ist ein Ausdruck unserer regionalen Stärke und soll zur besseren Identifizierung dienen“, ergänzt Landesinnungsmeister Konrad Ammon jun. Dabei solle die Marke idealerweise in beide Richtungen wirken: nach innen das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und nach außen den Anspruch, ein starkes Handwerk zu sein. Eines ist auch Ammon wichtig zu betonen: „Die Marke soll keine Provokation sein – sie ist notwendig geworden, um die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit auf stabilere Füße zu stellen und uns damit weiter als bayerischer Ansprechpartner in Sachen Fleisch und Wurst zu profilieren.“

Handwerk wie es ist: modern und cool, statt verstaubt und altbacken

Die Suche nach Auszubildenden und Fachkräften zählt heute schließlich zu den größten Herausforderungen für das Fleischerhandwerk. Für den Fleischerverband Bayern ist hierbei der wichtigste Hebel die zeitgemäße und zielgruppengerechte Ansprache junger Leute. „Wir wollen das Metzgerhandwerk so zeigen, wie es ist: nämlich cool und nicht so, wie die meisten Menschen heute leider immer noch meinen“, erläutert der Verbandsgeschäftsführer. Die Metzger wollen wieder wahrgenommen werden.

Damit zielt die neue Kommunikationsstrategie auch in Richtung der Verbraucher, um das Fleischerhandwerk wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Dabei ist der Diskurs durchaus gewollt. Schließlich ist es besser, Diskussionen aktiv mitzugestalten als sie nur passiv aus der Ferne zu beobachten.
Fleischerverbands Bayern -  Führungsteam
(Bild: si)

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Gestartet ist der neue Marketingauftritt des Landesverbands zunächst auf der Facebookseite – ausgerechnet am 1. April, was aber keineswegs als Scherz gemeint war. Auf dem Social Media-Kanal läuft auch eine kleine Kampagne mit Motiven zur Nachwuchswerbung. Klassisch appetitanregend ist beispielsweise eines der Motive gestaltet: „Jeder Tag ist ein Leberkastag – Mit deinem Metzgerhandwerk in Bayern.“ Oder: „Darf’s ein bisschen mehr sein? Ja, an Metzgern. Rettet unser Handwerk!“ Dazu rufen junge Fachkräfte im angesagten Retro-Look mit Lederschürze auf: Gut gelaunt machen sie Lust auf Handwerk. Oder ganz neu: „Das Raumschiff Saupreiss, auf der Suche nach Mister Speck.“ Hier dient eine Leberkas-Semmel mit Würstelantennen als Ufo.

Werbung mal anders: kreativ und um die Ecke gedacht

Den kreativen Input liefert Michi Kasper mit seiner Agentur Kasper Communications. Gemeinsam mit Steffen Schütze aus Freising hatten die Werbeprofis schon einmal für einen Aufschrei in der Netzwelt gesorgt: Als Metzgermeister Schütze für sein Unternehmen mit durchaus provokanten Thesen auf potenzielle Azubis zuging: „Berufswunsch: Irgendwas mit Tieren“, lautet etwa die Überschrift eines Motivs, bei dem eine junge Frau verliebt über einen Mett-Igel streichelt. Über das „Butcher Wolf Pack“ entstand der Kontakt zum Vorstand des Fleischerverbands in Augsburg. Die Chemie stimmte, schnell sprudelten die ersten Ideen.

Provokant sind die Motive des Metzgerhandwerks indes nicht. Sie polarisieren auch nicht, greifen jedoch wortspielerisch aktuelle Themen auf, wie etwa das „Azubienensterben“. Dabei haben die Verbandsspitzen ihrer Agentur keinerlei Denkverbote erteilt, sondern deren Kreativität freien Lauf gelassen.
Ob coole Snapback-Caps oder Turnbeutel als „Presssack“: Auch die Merchandising-Artikel sind echte Hingucker. Und allen gemeinsam: das rote „m“, abgeleitet von drei stilisierten Messerklingen.
Foto: Kasper Communications, Fleischerverband
Ob coole Snapback-Caps oder Turnbeutel als „Presssack“: Auch die Merchandising-Artikel sind echte Hingucker. Und allen gemeinsam: das rote „m“, abgeleitet von drei stilisierten Messerklingen.
„Das Feedback ist bislang überwältigend“, resümiert Lars Bubnick gut sechs Wochen nach dem Start. Und das gibt dem Geschäftsführer ein gutes Gefühl für den Landesverbandstag am kommenden Wochenende in Passau. Dort soll die Mitgliederversammlung darüber entscheiden, ob es weitergeht mit dem roten „m“. „Das geht durch“, ist er sich aufgrund der ersten Reaktionen aus dem Kreis – nicht nur – der bayerischen Metzger eigentlich schon sicher. Mit dem Votum der Mitglieder soll dann der gesamte Außenauftritt des Verbands auf das neue Signet umgestellt werden, inklusive der Webseite.

Diverse Merchandising-Artikel haben die Macher ebenfalls in Planung: Kappen, Flaschenöffner, Turnbeutel, T-Shirts, Taschentücher und noch einiges mehr. Diese nach den Worten Bubnicks allesamt hochwertig gestalteten Give-aways und ein kleiner, aber modern designter Messestand sollen einen ganzen Werkzeugkasten für die Image- und Jugendwerbung vor Ort bieten. Den Stand können sich die Innungen bei der Geschäftsstelle in Augsburg ausleihen, so der Plan. Wie alle Kampagnen von Verbänden ist aber auch diese auf die aktive Mitarbeit an der Basis angewiesen.
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