Förderpreis der Fleischwirtschaft 2020 Engagiert und talentiert

Dienstag, 17. November 2020
Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Fleischwirtschaft 2020 (von links): Alfred Remmele Conde und Jan Schemmer.
Foto: Olaf Deneberger / Liquid
Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Fleischwirtschaft 2020 (von links): Alfred Remmele Conde und Jan Schemmer.

Zum achten Mal in jährlicher Folge zeichnen afz und „Fleischwirtschaft“ besonders motivierte Talente aus. Der Förderpreis 2020 geht in diesem Jahr zwei Mal nach Baden-Württemberg. Die Preisträger heißen Alfred Remmele Conde und Jan Schemmer.
Zwei junge, ambitionierte Talente aus Handwerk und Industrie werden von den Fleischwirtschaftlichen Fachmedien der dfv Mediengruppe – afz – allgemeine fleischer zeitung und Fleischwirtschaft – im Rahmen des 2020 digital veranstalteten Deutschen Fleisch Kongresses mit dem „Förderpreis der Fleischwirtschaft“ ausgezeichnet.

Ziel dieser Initiative ist es, Top-Nachwuchskräfte zu identifizieren, zu fördern und an die Branche zu binden. Die Preisträger spiegeln die beruflichen Chancen und Karrierewege in der Fleischwirtschaft wider und zeigen, wie außergewöhnlich vielseitig und attraktiv Berufe in diesem Sektor der Ernährungswirtschaft und ihre Unternehmen als Arbeitgeber sind.

Kreativer Problemlöser

Vor drei Jahren kam Alfred Remmele Conde als 18-Jähriger allein nach Deutschland mit dem klaren Ziel, Fleischer zu werden und bei den Besten mitzumischen. In Guatemala-Stadt geboren, hatte er gerade an der dortigen deutschen Schule das Abitur abgelegt. Sein beruflicher Masterplan reifte jedoch schon in den Ferienzeiten, in denen er in der elterlichen Fleischerei mitarbeitete.

In der Metzgerei Häfele mit Stammsitz in Winnenden fand der Deutsch-Guatemalteke seinen idealen Ausbildungsbetrieb mit einer seinen eigenen Vorstellungen entsprechenden Unternehmensphilosophie. Die Gesellenprüfung, in der er sich auch als Ausbildungsbotschafter engagierte, legte Alfred Remmele Conde in verkürzter Zeit mit hervorragendem Ergebnis ab. 

Seit Oktober vergangenen Jahres ist der 21-Jährige dualer Student des BWL Food Managements an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn im fünften Semester. Seine erste Studienprojektarbeit widmete er „Lateinamerikanischen Spezial Cuts“. Während in Deutschland nur wenige Edelfleisch-Zuschnitte zum Kurzbraten verkauft werden, ist es in Guatemala Tradition, aus Kochfleisch begehrte Fleischteilstücke herzustellen. Aktuell erarbeitet Remmele Conde im Rahmen einer weiteren Projektarbeit eine Marketingstrategie, die diese Special Cuts deutschen Kunden am Point of Sale näherbringt.

Wichtig ist dem von seiner Studiengangsleitung als kreativer Problemlöser Gelobte neben seiner fachlichen Qualifikation das ehrenamtliche Engagement seit Schulzeiten, wo er sich in verschiedenen Funktionen in der Schulkonferenz einsetzte. An seiner Hochschule organisierte der Sport- und Musikbegeisterte mit Kommilitonen den Verkauf von Mittagssnacks und überzeugte Sponsoren; von den Einnahmen ging es für alle auf Studienfahrt. 

Alfred Remmele Conde liegt das Fleischerhandwerk im Blut. In fünfter Generation führt Vater Alfred in Guatemala-Stadt eine Fleischerei, die die 1959 ausgewanderten Großeltern aus der Nähe von Koblenz gründeten. Für den jungen Fleischer keine Frage, dass er als gut ausgebildeter Meister, Betriebswirt und Fleischsommelier einmal den Familienbetrieb weiterführen wird. Die Heimkehr ist für 2022 geplant. Bis dahin will sich Alfred Remmele Conde allerdings noch viel ansehen im deutschen Fleischerhandwerk, und die deutsche Wurstkultur noch besser kennenlernen.

Talentmanager in Sachen Fleisch

Mit 32 Jahren ist Jan Schemmer bereits weit auf seinem Karriereweg vorangekommen. 2013 stieg er direkt nach seinem Fleischtechniker-Abschluss als Produktentwickler bei der Bell Schweiz AG ein. Vor zwei Jahren ist er dort zum Leiter des Bereichs Produktmanagement / Verkaufsförderung aufgestiegen und Mitglied des oberen Managements. Zuständig für die Sortimentsbewirtschaftung und das Innovationsmanagement der Division Schweiz bleibt dem gelernten Fleischer nur wenig Zeit, sein eigentliches Handwerk auszuüben. Umso leidenschaftlicher arbeitet der Jungmanager seit fünf Jahren nebenberuflich selbstständig als Metzger für den Staatsforst Lörrach, zerlegt für die umliegenden Jagdreviere das erlegte Wild und verarbeitet es nach Feierabend zu Wildbret. Es ist ihm ein großes Anliegen, dieses hochwertige Lebensmittel besser zu vermarkten und sein Fachwissen über Wildbret-Hygiene und -Vermarktung weiterzugeben. Aus diesem Grund engagiert sich Schemmer als Dozent an einer Jagdschule. 

Aus Überzeugung, dass aus diesem Hobby auch ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufgebaut werden kann, hat der passionierte Fleischermeister im Rahmen seines parallel zum Vollzeitjob in Basel aufgenommenen Fernstudiums zum MBA in Unternehmensführung entsprechende Geschäftsmodelle in seiner Masterarbeit erarbeitet, an denen auch sein Arbeitgeber Interesse zeigt. Schon während seines Studiums an der Staatlichen Fachschule für Fleischtechnik in Kulmbach hatte Schemmer seine Ausbilder mit einer herausragenden Facharbeit zur „Modellierung des Abtrocknungsverhaltens bei unterschiedlicher Luftstromzirkulation“ begeistert, die auch mit dem Günther Fries-Preis 2013 ausgezeichnet wurde.

Mit zwölf Jahren hat Jan Schemmer entschieden, Metzger werden zu wollen – fasziniert von einer Hausschlachtung, zu der ihn sein Vater mitgenommen hatte. Ein Praktikum bestätigte den 14-jährigen Realschüler in seiner Berufswahl. Seine verkürzte Lehre in einem Handwerksbetrieb in seinem Heimatort im Schwarzwald schloss er als Innungsbester ab. Anstellungen in Handwerks- und Industriebetrieben und eine beispielhaft konsequente berufliche Weiterentwicklung folgten. Die vielfältigen Möglichkeiten einer Berufsausbildung im Fleischerhandwerk aufzuzeigen, ist neben der Liebe zur Jagd eine weitere Herzensangelegenheit von Jan Schemmer, der sich neben seinen anderen Aufgaben auch ums Talentmanagement seines Arbeitgebers kümmert.
Alfred Remmele Conde (links) und Jan Schemmer (rechts) erhielten die Auszeichnung von afz und Fleischwirtschaft. Corona-bedingt fand die Verleihung in diesem Jahr in der dfv Mediengruppe statt. Die Chefredakteure Renate Kühlcke und Jörg Schiffeler gratulierten trotz Abstand herzlich.
Foto: Olaf Deneberger / Liquid
Alfred Remmele Conde (links) und Jan Schemmer (rechts) erhielten die Auszeichnung von afz und Fleischwirtschaft. Corona-bedingt fand die Verleihung in diesem Jahr in der dfv Mediengruppe statt. Die Chefredakteure Renate Kühlcke und Jörg Schiffeler gratulierten trotz Abstand herzlich.

Die bisherigen Preisträger

  • 2019 Veronika Weber, Stefan Wenisch und Manuel Rittmann
  • 2018 Julia Sieber, Dirk Freyberger und Dr. Felix Walz
  • 2017 Philipp Büning, Lisa Wenzel und Dr. Nino Terjung
  • 2016 Katharina Koch, Theresa Veh und Maximilian Spiegel
  • 2015 Sabine Schara Batlle, Katharina Schober, Yannick Meurer, Manuel und Marc Stöffler
  • 2014 Michaela und Stefanie Blum, Christoph Wirth, Felix Moritz Ostertag und Johann-Michel Claßen
  • 2013 Kathrin Ausäderer, Simone Röhl, Eva Braun und Philipp Michael Köhn

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Die Jury


  • Gerd Abeln, Chefredakteur „Fleischwirtschaft“
  • Michael Boddenberg, Hessischer Finanzminister, Aufsichtsratsvorsitzender Zentrag e. G.
  • Prof. Dr. Antonio Delgado, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Dr. Volker Heinz, Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik (DIL); Quakenbrück
  • Renate Kühlcke, Chefredakteurin „Fleischwirtschaft“
  • Ralf Langer, Kaufland Stiftung
  • Axel Lienhard, Edeka Südwest Fleisch
  • Sönke Reimers, Sprecher der Geschäftsführung dfv Mediengruppe
  • Andreas Sandler, Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN)
  • Jörg Schiffeler, Chefredakteur afz – allgemeine fleischer zeitung
  • Prof. Dr. Wolfram Schnäckel, Hochschule Anhalt
  • Christian Schnücke, Verlagsleiter Fleisch-Fachmedien dfv Mediengruppe
  • Dr. Fredi Schwägele, MRI Kulmbach
  • Prof. Dr. Matthias Upmann, Hochschule Ostwestfalen-Lippe
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