Förderpreis der Fleischwirtschaft Drei Visionäre mit Vorbildfunktion

Donnerstag, 02. Mai 2019
In diesem Jahr geht der „Förderpreis der Fleischwirtschaft“ an (von links): Stefan Wenisch Veronika Weber und Manuel Rittmann.
Foto: Natalie Färber
In diesem Jahr geht der „Förderpreis der Fleischwirtschaft“ an (von links): Stefan Wenisch Veronika Weber und Manuel Rittmann.

In jährlicher Folge seit dem Jahr 2013 würdigen „afz – allgemeine fleischer zeitung“ und „Fleischwirtschaft“ besonders motivierte Talente. Der Förderpreis 2019 geht an das Top-Trio mit Veronika Weber, Stefan Wenisch und Manuel Rittmann.
Was zeichnet die drei diesjährigen Preisträger aus? Womit haben sie sich die hohe Auszeichnung verdient? Was sie in jungen Jahren bereits alles bewerkstelligt haben und was sie noch bewegen wollen, wird beim Lesen der kurzen Porträts deutlich.

Die Managerin am Schlachthof

Für Veronika Weber aus München ist der Schlachthof das sensibelste Glied in der fleischerzeugenden Kette. Dort gilt es, sowohl dem Tierschutz und der Lebensmittelsicherheit als auch der Wirtschaftlichkeit gerecht zu werden. Die 25-jährige Tierärztin begann vor zwei Jahren als Trainee bei Vion Deutschland und ist dort inzwischen als Group Quality Managerin im Wesentlichen zuständig für die Tierschutzüberwachung.
Veronika Weber will dazu beitragen, dass bei der Schlachtung das Thema Tierschutz kein Tabu ist.
Foto: Natalie Färber
Veronika Weber will dazu beitragen, dass bei der Schlachtung das Thema Tierschutz kein Tabu ist.
Das Schlachthofpraktikum bestärkte die damalige Veterinärstudentin in ihrer Idee, genau an diesem Ort zum Schutz der Tiere beizutragen. Während ihres praktischen Jahrs an der Texas A&M Universität lernte sie bei ihrer Arbeit mit Rindern die Good-Practice-Regeln der Tierwissenschaftlerin Temple Grandin kennen und wertschätzen. Danach war klar, worin sie ihre Berufung sieht, nicht nur beruflich. Als aktives Mitglied engagiert sie sich auch ehrenamtlich in der „Arbeitsgruppe Tierschutz bei der Schlachtung“ der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz.
Vion Waldkreiburg
(Bild: Tim Wegner)

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Bei Vion begleitete die Tierärztin maßgeblich die Inbetriebnahme des Rinderschlachthofs in Waldkraiburg. Umbauten für einen stressfreien, natürlichen Herdenzutrieb gehörten ebenso dazu wie die Mitarbeiterschulung im Umgang mit Betäubungsfalle und Schussapparat. Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Umsetzung der Kameraüberwachung. Die Auswertung der Befunddaten aus der Schlachttier- und Fleischuntersuchung ist ein weiteres von ihr betreutes Projekt.

Auch in ihrer Promotionsarbeit verfolgte sie die Optimierung der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit. Hier befasst sich Weber mit dem Zusammenhang von Fellverschmutzungen bei Rindern und möglichen Einflüssen des nachfolgenden Schlachtprozesses auf die mikrobiologische Beschaffenheit von Schlachtkörpern. Ziel ist es, auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse Maßnahmen für die Verbesserung der Lebensmittelsicherheit abzuleiten.

Der Genusshandwerker

Stefan Wenisch ist zwar erst 26 Jahre jung, aber schon Meister, Betriebswirt, Fleischtechniker und Fleischsommelier. Er verantwortet nach sieben Jahren Aus- und Fortbildung die Metzgerei des Traditionsunternehmens Wenisch in Straubing. Zum Familienbetrieb gehören die eigene Landwirtschaft, Vier-Sterne-Genusshotel, Erlebnisrestaurant und Catering-Service. Dank dieser Vielschichtigkeit ist das Nachhaltigkeitsprinzip „from nose to tail“ leicht zu realisieren.
Metzgerei Wenisch - Chef
(Bild: Aichinger / Kim Nguyen)

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Seinen Ehrgeiz und seinen Mut, Dinge zu wagen, hat sich Wenisch vom Vater abgeschaut. Dabei kam für den Junior die Ausbildung im elterlichen Betrieb nicht in Frage. Nach dem Realschulabschluss begann er bei einer Metzgerei in Mallersdorf seine Lehre, die er als Innungsbester abschloss. Über Kammer- und Landessieg ging es noch weiter: 2012 gewann er als bester Geselle den Bundesleistungswettbewerb. Dem Praktikum an der Fleischerschule in Augsburg folgten eine Anstellung in der Fleisch- und Wurstproduktion im Hofbräuhaus München, der Meisterkurs, die Weiterbildung zum Betriebswirt und das zweijährige Studium zum Fleischtechniker an der Fachschule in Kulmbach.

Heute zeichnet Wenisch für die Produktion, den Verkauf und die Verwaltung der Metzgerei verantwortlich. In den drei Genussläden und der Genusszentrale veredelt er das Fleisch der Muggenthaler Ochsen aus eigener Aufzucht zu ausgefallenen Cuts und vermarktet sie unter der von ihm selbst geschaffenen Marke „Holy Beef“.
Stefan Wenisch gibt seinen Kunden wertvolle und vertrauensstiftende Infos über Fleisch.
Foto: Natalie Färber
Stefan Wenisch gibt seinen Kunden wertvolle und vertrauensstiftende Infos über Fleisch.
Für die Zukunft hat der junge Unternehmer weitere ehrgeizige Ziele. Wie in den vergangenen Jahren will er Fleisch- und Wurstkurse anbieten, um das Bewusstsein für hochwertige Lebensmittel zu stärken. Seine Idee vom eigenen Markenprogramm für Schweinefleisch aus handwerklicher Schlachtung nimmt mehr und mehr Gestalt an. Außerdem wollen er und seine beiden Brüder ein Ausbildungsportal aufbauen: den Wenisch Genusscampus. Damit möchte der Meister wieder mehr junge Menschen für eine Karriere im Fleischerhandwerk begeistern.

Der Personalentwickler

Manuel Rittmann aus Ubstadt-Weiher in Baden-Württemberg widmet sich mit ganzer Leidenschaft seiner Aufgabe als Ausbilder. Als gelernter Fleischer und ausgebildete Fachkraft für Lebensmitteltechnik strebt er aktuell per Fernstudium die zusätzliche Qualifikation als „Pädagoge für Aus- und Weiterbildung“ an. Seit Dezember 2014 arbeitet der 34-Jährige als Bildungsreferent bei Edeka Südwest Fleisch in Rheinstetten im Bereich Personalentwicklung.

Neben der betrieblichen Ausbildung von derzeit 47 Fleischerinnen und Fleischern und zehn Fachkräften für Lebensmitteltechnik ist er auch zuständig für die Nachwuchsgewinnung. Ihm liegen die Berufsbilder seiner Branche und deren Image besonders am Herzen. Und so hat er sich dem Ziel verschrieben, beides in ein besseres Licht zu rücken. Auf diesem Weg ist Rittmann bereits ein gutes Stück vorangekommen, was die begleitenden Berufsschulen mit Zuwachs in ihren Klassen quittieren.
Manuel Rittmann möchte die Leidenschaft am Beruf des Fleischers zeigen.
Foto: Natalie Färber
Manuel Rittmann möchte die Leidenschaft am Beruf des Fleischers zeigen.
Vor zwei Jahren hat der umtriebige Ausbilder gemeinsam mit seinem Team das Konzept für den Ausbildungstag „Meat your job“ entwickelt und umgesetzt. Aus einem kleinen Anfang war 2018 schon eine große Sache geworden. 75 Interessierte schnupperten in fünf Ausbildungsberufe hinein und legten in Workshops auch selbst Hand an. Schließlich entschieden sich 27 junge Menschen für ein Praktikum und ließen sich von den Berufen im Fleischbereich begeistern.

Rittmann fordert seine Branche zum Umdenken auf, um dem Nachwuchsmangel entschieden entgegenzuwirken. Es geht ihm um Selbstverständlichkeiten wie den guten Umgangston, aber auch um das Aufzeigen von Fortbildungsmöglichkeiten und die wertschätzende Entlohnung während und nach der Ausbildung. Sein Ziel ist es, Jugendlichen zu zeigen, dass das Handwerk des Fleischers sexy und zugleich ein zukunftssicherer Grundstein für das Berufsleben ist.

Die Preisverleihung an die Jungen Talente findet zur Meat Vision Gala am Abend des ersten Messetags der IFFA in Frankfurt am Main statt.

Die Jury

  • Gerd Abeln, Chefredaktion Fleischwirtschaft
  • Michael Boddenberg, MdL, CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Zentrag
  • Prof. Dr. Antonio Delgado, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Ludwig Enders, Enders, Reiskirchen
  • Dr. Volker Heinz, Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik (DIL)
  • Renate Kühlcke, Chefredaktion Fleischwirtschaft
  • Ralf Langer, Kaufland-Stiftung
  • Axel Lienhard, Edeka Südwest Fleisch
  • Sönke Reimers, dfv Mediengruppe
  • Andreas Sandler, Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN)
  • Jörg Schiffeler, Chefredaktion afz – allgemeine fleischer zeitung
  • Prof. Dr. Wolfram Schnäckel, Hochschule Anhalt
  • Dr. Fredi Schwägele, Max Rubner-Institut
  • Prof. Dr. Matthias Upmann, Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe
  • Thomas Wulff, dfv Mediengruppe
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