Forum der Fleischwirtschaft Der Feind versteckt sich gern

Freitag, 25. September 2020
Foto: Hermann Pentermann

Vor der Afrikanischen Schweinepest war es ein anderer Krankheitserreger, der die Branche eine ganze Zeit lang in den Schlagzeilen hielt: Listeria monocytogenes.

Wie die Unternehmen das Risiko der Ausbreitung des Keims minimieren und ganz allgemein die hygienischen Bedingungen in der Produktion beherrschen können, damit beschäftigte sich jetzt das Forum der Fleischwirtschaft von "afz" und "Fleischwirtschaft" in Quakenbrück.

In sportlicher Atmosphäre

Sonst gern zu Gast beim DIL in Quakenbrück, verlangten diesmal die Pandemiebedingungen nach einer größeren Location für die knapp 100 Teilnehmer des Forums. Die Artland-Arena - sonst das Wohnzimmer der Basketballer „Artland Dragons“ - bot die ideale Kulisse, um den ersten "echten" Branchentreff seit langem coronagerecht durchführen zu können. Ein ausgeklügelter Sicherheits- und Hygieneplan war die Voraussetzung hierfür.

Und die "Hygiene" war auch das inhaltliche Leitthema der Veranstaltung, die sich beispielhaft der Bekämpfung von Listerien widmete. Das ubiquitär vorkommende Bakterium kann sich extremen Bedingungen anpassen und ist ein harter Gegner in den fleischgewinnenden und -verarbeitenden Unternehmen. Mit ernsthaften und ehrlichen Eigenkontrollen, einer gründlichen und verlässlichen Reinigung sowie Desinfektion lasse sich dem aber begegnen, zeigte sich Prof. Eberhard Haunhorst vom Laves (Oldenburg) überzeugt. Dem Ruf nach mehr Kontrolle erteilte der Präsident des niedersächsischen Landesamts indes eine klare Absage: In der Überwachung brauche es nicht mehr Personal, „wir müssen nur bei den kritischen Punkten schärfer hingucken, und dann muss es auch Konsequenzen geben". Oftmals hapere es hier an einer konsequenten Mängelbeseitigung.
„Listerien sind wie Zähne: Wenn man nur oberflächlich saniert, gammelt's unten weiter.“
Dr. Marcus Langen, Dr. Berns Laboratorium
Dr. Christian Hertel vom DIL (Quakenbrück) berichtete von erfolgversprechenden Ansätzen aus der Biotechnologie, die das Wachstum des Keims im Produkt hemmen bzw. ausreichend verlangsamen könnten. Er motivierte die Unternehmer mehr Schutzkulturen einzusetzen. Leider schiebe dem der Handel mit seinen Spezifikationen oft einen Riegel vor. Hier wünschte er sich mehr Austausch zwischen der Handelsstufe und der Wissenschaft.

Prozesse prüfen und anpassen

Ines Nagelschmidt von The Family Butchers (ehemals Reinert und Kemper in Nortrup) sowie Stephan Mätzschke von Birfood (Lübeck) berichteten aus ihrer täglichen Praxis, wie sich das Risiko einer Listerienkontamination minimieren lässt. Die Qualitätsmanagerin des Familienunternehmens regte die Unternehmer dazu an, ihre Prozesse zu durchleuchten und so einzurichten, dass das Risiko minimiert wird. Auch für den Fall X, einem Listeriennachweis im Produkt, sollte man gewappnet sein, um schnell und besonnen reagieren zu können. Was dabei aus juristischer und kommunikativer Sicht zu beachten ist, steuerten Dr. Clemens Comans von der Kanzlei cibus (Gummersbach) sowie Dr. Matthias Glötzner von Engel & Zimmermann (Gauting) bei.
Zum Ausklang des mit Informationen und Hinweisen prall gefüllten Kongresstags in der Artland-Arena stellten sich Hans-Ewald Reinert und Dr. Wolfgang Kühnl von The Family Butchers den Fragen der Moderatoren Renate Kühlcke und Jörg Schiffeler. Die Zukunftspläne im In- und Ausland für das gerade zusammenwachsende Unternehmen standen dabei im Mittelpunkt.

Mehr über das Forum der Fleischwirtschaft in Quakenbrück lesen Sie in der afz - allgemeine fleischer zeitung 40/2020.

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