Junge Talente Bundessiegerin Jana Sebald

Donnerstag, 16. Februar 2017
Bewertet Wettbewerbsteilnahmen durchweg positiv: Bundessiegerin Jana Sebald aus Nürnberg.
Foto: buc
Bewertet Wettbewerbsteilnahmen durchweg positiv: Bundessiegerin Jana Sebald aus Nürnberg.

Mit 26 Jahren und als Mutter einer siebenjährigen Tochter brachte Jana Sebald, Deutschlands beste Fleischerei-Fachverkäuferin 2016, ein ordentliches Maß an Lebenserfahrung mit. Ihre Kenntnisse gibt die Nürnbergerin inzwischen an die nächste Lehrlingsgeneration weiter und ermuntert sie, sich Herausforderungen zu stellen und Eigeninitiative zu zeigen.

Im Interview mit der afz und fleischwirtschaft.de verrät die Bundessiegerin auch, warum sie trotz ihrer Erfolge nicht „abheben“ muss.

Sie mussten im vergangenen Jahr Job, Schule, Prüfungen, Freiwilligen Leistungswettbewerb und Familie koordinieren. Wie schafft man das?

Jana Sebald: Nur mit viel Unterstützung. Ohne den Rückhalt aus Familie und Betrieb hätte das nicht funktioniert.

Haben Sie Zusatzschichten zum Üben eingelegt?

Sebald: Vor dem Kammerwettbewerb eigentlich nicht. Ich habe mir nur zuhause zum Beispiel ein Schema gezeichnet, wie ich meine Wurst- und Schinkenplatte legen will. Vor dem Bayern-Finale habe ich nach Feierabend im Betrieb Fleisch geschnitten, Platten gelegt und die Bezeichnungen der Fleischteile gebüffelt. Und vor dem Bundesentscheid habe ich einen ganzen Samstag geübt; meine Chefin Monika Böcklein und ihr Sohn Florian standen mir immer mit Tipps zu Rezepten und Techniken zur Seite, ebenso meine Berufsschullehrer Joachim Moßner und Wolfgang Maurer. Durch die vorherigen Erfolge hatte ich schon „Blut geleckt“ und wollte noch mal mein Bestes geben. Ich fuhr allein zur Finalrunde nach Freiburg, ohne Betreuer oder Familienangehörige, wie bei anderen Teilnehmerinnen. Dass ich es da ganz allein geschafft habe, macht mich schon stolz.

„Eigeninitiative zeigen und Kritik annehmen. “
Jana Sebald
Wie kamen Sie denn auf die Idee, als „Spätberufene“ ins Fleischerhandwerk zu wechseln?

Sebald: Ich habe mich persönlich und privat schon immer dafür interessiert, wo mein Essen herkommt und was drin ist. Zum Handwerk habe ich einen familiären Bezug durch meinen Vater, der gelernter Werkzeugmacher ist. Er machte mich auch auf eine Zeitungsanzeige aufmerksam, in der die Metzgerei Kleinlein Auszubildende suchte.

Was macht Ihnen in der täglichen Arbeit am meisten Spaß?

Sebald: Das Verkaufen, die individuelle Beratung, der persönliche Kontakt mit Kunden. Für mich ist es das Höchste, mit Menschen zu arbeiten, und ich liebe die Abwechslung dabei. Wenn ich abends nach Hause gehe, habe ich immer das Gefühl, etwas Positives getan zu haben. Den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen und dabei viereckige Augen zu kriegen, das wäre nichts für mich.

Dürfen Sie künftig mit noch mehr Abwechslung und weiteren Arbeitsbereichen rechnen?

Sebald: Derzeit stehe ich zu etwa 80 Prozent im Laden, und das darf auch gern so bleiben. Allerdings ist die Metzgerei Kleinlein so breit und interessant aufgestellt, dass man in viele andere Bereiche eingebunden wird. Das reicht von der Einarbeitung neuer Lehrlinge über den Partyservice bis zum exklusiven „Sky-Catering“ für Fluggesellschaften am nahen Nürnberger Airport.

Bundessiegerin Anna Steffen
(Bild: hof)

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Da sind auch mal Fremdsprachenkenntnisse in Englisch oder Französisch gefragt. Und es ist schon spannend, wenn man an hochwertigen Angeboten für internationale Ansprüche mitwirken darf, von „Hot Meals“ bis zu „Cold Snacks“ und Desserts. Speisen wie „Rabbit Cotelette“ (Kaninchenkotelett) oder Beilagen wie Couscous und „Garlic Mashed Potatoes“ (Knoblauch-Kartoffelbrei) kommen ja im Tagesgeschäft nicht so oft vor.

Würden Sie da gern mal mit abheben? Oder haben Sie Karrierepläne mit Weiterbildung und eventueller Selbstständigkeit?

Sebald: Ich fühle mich in Nürnberg wie auch in meiner derzeitigen Position sehr wohl und freue mich, dass ich in Laufnähe von meiner Familie arbeiten darf. Nachdenken würde ich in Zukunft vielleicht über einen Kurs zur Verkaufsleiterin, aber leider gibt es dafür keine Angebote in Mittelfranken. Und zwölf Wochen von zu Hause, meinem Mann und meiner Tochter weg zu sein, um einen Vollzeit-Lehrgang an einer Fleischerschule zu absolvieren, das kann ich mir im Moment nicht vorstellen.

Bleibt denn wenigstens nebenbei noch Zeit für ein Hobby?

Sebald: Klar! Ich fahre in meiner Freizeit gern Rad, gehe mit meinem Kind spazieren und bin Mitglied im Schützenverein SV Mimberg bei Burgthann. Dort schieße ich – wie andere Mitglieder meiner Familie – mit Luftgewehr, Pistole oder Kleinkaliber und war zum Beispiel Jugendkönigin. Dieser Sport hat sicher dazu beigetragen, dass ich in den Leistungswettbewerben gut abgeschnitten habe: Man lernt Konzentration und stärkt seine Nerven.

Wie sind Ihre Erinnerungen an den Bundeswettbewerb? Haben Sie noch Kontakt zu anderen Teilnehmerinnen?

Sebald: Ja, meine Zimmernachbarin aus Niedersachsen und ich schreiben uns noch gelegentlich. Grundsätzlich war die Atmosphäre leistungsorientierter und nicht so entspannt wie noch auf Landesebene. Man spürte das Können und den Ehrgeiz aller neun Teilnehmerinnen, und die Prüfer schauten einem auch strenger auf die Finger.

Würden Sie anderen Lehrlingen zu einer Teilnahme raten?

Sebald: Ja, auf jeden Fall. Diese Chance sollte man wahrnehmen, denn man kann dadurch viel erreichen und sich eine neue berufliche Perspektive schaffen. Ich rate Azubis auch immer, Eigeninitiative zu zeigen, bei den Ausbildern nachzufragen und die eigene Arbeit so oft wie möglich bewerten zu lassen. Denn alleine geht es nicht – und ein anderer hat einfach einen anderen Blickwinkel. Konstruktive Kritik ist in jedem Beruf wichtig, wenn man sich verbessern will. Was man auch nicht vergessen darf, ist die Theorie – von Allergieberatung bis Ernährungslehre.

Zur Person

Jana Sebald wuchs in Schwarzenbruck östlich von Nürnberg auf. Nach dem Abitur begann sie ein Studium fürs Lehramt an Hauptschulen, orientierte sich aber nach einigen Semestern um. Die junge Mutter – Tochter Melanie wurde 2009 geboren – begann 2014 eine auf zwei Jahre verkürzte Lehre zur Fleischerei-Fachverkäuferin in der Feinkostmetzgerei Kleinlein in Nürnberg-Thon mit 33 Mitarbeitern. Der Familienbetrieb gilt als Qualitätsgarant in Sachen Ausbildung: In den vergangenen Jahrzehnten vermittelte das Unternehmen über 120 Lehrlingen ihr berufliches Know-how und brachte Anfang der 80er Jahre mit Doris Raab bereits eine Bundessiegerin der Fachverkäuferinnen hervor. Jana Sebald als ihre Nachfolgerin beendete ihre Lehre 2016 als Prüfungsbeste mit Notenschnitt 1,6, wurde mit einem Vorsprung von 20 Punkten Kammersiegerin in Mittelfranken und von 17 Punkten Landessiegerin in Bayern. Beim Bundesfinale in Freiburg lag sie mit 790 Punkten (von 900) 14 Punkte vorn.
Ich würde jederzeit wieder am Leistungswettbewerb teilnehmen. Es ist eine Erfahrung fürs Leben, selbst wenn man nicht gewinnt. Bei der Endrunde in Freiburg hieß es immer unter den Teilnehmerinnen: „Sogar die Letzte von uns wird die Neuntbeste von Deutschland sein!“

Infos zu den Berufen im Fleischerhandwerk gibt es hier: Anders als Du denkst.

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