Karnevalssession Nürnberg Ahaaa – Stadtwurst Ahaaa!

Dienstag, 25. Februar 2020
„Stadtwurst Ahaaa!“: Die Nürnberger Metzger Fritz Bickel, Reinhard Weber und Dakhil Naser Luei vor den bunt gekleideten Schembartläufern mit ihren Pfeifern, Trommlern und ihrem Fabeltier.
Foto: buc
„Stadtwurst Ahaaa!“: Die Nürnberger Metzger Fritz Bickel, Reinhard Weber und Dakhil Naser Luei vor den bunt gekleideten Schembartläufern mit ihren Pfeifern, Trommlern und ihrem Fabeltier.

Was wäre der Nürnberger Fastnachtsumzug ohne die Metzger? Das Fleischerhandwerk Mittelfrankens pflegt mit dem „Schembartlauf“ das Brauchtum der Heimat.
Denn die haben ihn im 14. Jahrhundert ja erfunden! Keine Frage, dass bei der 620. Auflage ein Trio der Genusshandwerker in dem kilometerlangen Zug durch die Innenstadt mitmarschierte und die geschätzt 100.000 Schaulustigen mit leckerer Stadtwurst statt oller Kamellen bei Laune hielt. Die Metzger Fritz Bickel (ehemaliger Großschlächter), Reinhard Weber (Metzgerei Fruth) und Fleischer-Azubi Dakhil Naser Luei (Metzgerei Kleinlein) spendierten teils kleine „Nürnberger“, teils geschnittene Portiönchen Stadtwurst.

Eine tolle Öffentlichkeitswirkung vor rekordverdächtiger Kulisse und Teilnehmerzahl, zog der Fastnachtshöhepunkt der Noris doch heuer immerhin 16 Karnevalsgesellschaften, 41 Gruppen und 1859 Zugteilnehmer an, 400 mehr als 2019. Die Metzger sind seit einigen Jahren wieder fester Bestandteil, denn was außerhalb Frankens wohl nur Insider wissen:

Sie begründeten die Tradition der Faschingsumzüge mit dem „Schembartlauf“. Dessen Historie reicht bis zu Kaiser Karl IV. (1316-1378) zurück. Der verlieh Nürnbergs Fleischhauern zum Dank dafür, dass sie während eines Aufstandes der Handwerker zum Rat der Stadt hielten, das Fastnachtsprivileg, einen Tanz abzuhalten. Ihre Ordner durften dabei mit Bärten versehene Holzmasken tragen.
Farbenfroher Gruß an 100.000 Schaulustige am Straßenrand: Die Nürnberger Schembartläufern mit ihren Pfeifern und Trommlern und dem Fabeltier beim großen Fastnachtszug 2020.
Foto: buc
Farbenfroher Gruß an 100.000 Schaulustige am Straßenrand: Die Nürnberger Schembartläufern mit ihren Pfeifern und Trommlern und dem Fabeltier beim großen Fastnachtszug 2020.
Wann der erste Lauf stattfand – ob 1349, 1397 oder 1435 – ist unklar; die Metzgergesellen traten jedenfalls in bunter Festkleidung auf, die Gewändern der Adeligen nachempfunden war. Als Bindeglied zwischen den tanzenden Männern wurden Wurstringe genutzt. Bei satirischen Darstellungen gehörten Spott und Spaß stets dazu – bis der Magistrat den Lauf nach der 65. Auflage 1539 verbot, weil der strenge Prediger Andreas Osiander, Gegner der Fastnachtsbräuche, als Puppe auf einem Narrenschiff verulkt worden war.

Erst 1974 wurde der Schembartlauf durch die heute 40 Mitglieder zählende Schembart-Gesellschaft wiederbelebt, und seit 2014 dürfen die fränkisch rot-weiß gekleideten Schembartläufer aufgrund ihrer besonderen Tradition den jährlichen Nürnberger Fastnachtszug anführen. Begleitet von Dudelsackspielern und Trommlern, tanzen sie Kreis-Figuren und führen ein gefährliches Fabeltier, den Basilisk (eine Mischung aus Huhn, Drachen und Schlange) mit sich, dessen Blick angeblich versteinern kann. 
Fleischersänger Köln - Stelter
(Bild: rh)

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Mit dabei unter Maske und glöckchenbehängtem Kostüm sind seit Jahren zwei gute Bekannte des Handwerks: Agnes Graf-Then, die den Verein seit 2004 führt, im Hauptberuf zuständig für Lehrlingsaustausch und Pressearbeit bei der Handwerkskammer für Mittelfranken. Und Joachim Moßner, Metzgermeister und Fachlehrer für die Fleischer-Azubis an der Nürnberger Berufsschule 3.

Die Fleischergruppe darf sich stets gleich hinter den Schembartläufern, also als prominente „Nummer Zwei“ des Zuges, postieren. Die diesmal nur dreiköpfige Delegation der Fleischer-Innung Mittelfranken-Mitte paradierte gut gelaunt und winkend in bordeauxrot-weißen Berufs-Outfits durch die Stadt.
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