Karriere im Fleischerhandwerk Ausbildung mit Zertifikat

Freitag, 22. Januar 2021
Mit dem Kick-off-Tag startet die Ausbildung: Mareike Mayer (3.v.l.) mit ihren Schützlingen.
Foto: Nothwang
Mit dem Kick-off-Tag startet die Ausbildung: Mareike Mayer (3.v.l.) mit ihren Schützlingen.

Die Schwäbische Wurst-Spezialitäten Nothwang GmbH & Co. KG hat das umfangreiche Bewerbungsprocedere für das Qualitätssiegel „Top-Ausbildungsbetrieb der Handwerkskammer Heilbronn-Franken“ erfolgreich durchlaufen.
Wie sorgfältig und engagiert junge Nachwuchskräfte in dem Betrieb in Bad Friedrichshall ausgebildet werden, schildert Mareike Mayer (38), die bei Nothwang für die Personalentwicklung zuständig ist.

Wie viele Azubis bildet Nothwang derzeit aus?

Mareike Mayer: Zwei Fleischer und eine Fleischerin sowie zwei Verkäufer und zwei Verkäuferinnen. Normalerweise kommt eine Fachkraft für Lebensmitteltechnik dazu. Die Stelle ist aber momentan vakant.

Wie möchten Sie die Ausbildung verbessern?

Mayer: Wir wollen intern mehr Personen qualifizieren, die optimale Voraussetzungen als Ausbilder mitbringen. Momentan haben wir nicht in allen Fachbereichen jemanden mit Ausbilderschein. Außerdem planen wir im Bereich Social Media ein Projekt, das die Azubis betreuen werden. Sie kümmern sich bereits um die Mitgestaltung unseres Auftritts auf der Bildungsmesse. Künftig wird es eine „Jobrotation“ geben. Dabei gehen die Fleischer auch mal in den Verkauf und die Verkäufer in die Produktion.

Wie ist die Ausbildung gegliedert?

Mayer: Die Fleischer wechseln alle vier bis sechs Wochen die Abteilung. Sie durchlaufen einmal den kompletten Warenfluss, starten im Wareneingang, gehen in die Qualitätssicherung, in Zerlegung und Produktion mit Chargierung, Kutterei, Füllerei, Räucherei. Zum Schluss sind sie in der Verpackung. Nach jedem Abteilungswechsel gibt die Abteilung ein Feedback an den Azubi, der Azubi gibt eins an die Abteilung. Die Verkäufer sind grundsätzlich einer Filiale zugeordnet, wechseln aber auch mal in eine andere. Wir haben als Schwerpunkte für die Ausbildung vier unserer acht Filialen ausgewählt. Dort ist ein Mitarbeiter mit Ausbildungsbefähigung vor Ort. Unternehmensübergreifend bin ich zuständig und kümmere mich um alle Azubis.

Sie sind als Personalentwicklerin bei Nothwang tätig. Welche Vorbildung bringen Sie dafür mit?

Mayer: Meine Eltern hatten im Taubertal eine Metzgerei. Für mich war schon immer klar, dass mein Weg in diese Richtung gehen wird. Ich habe eine Ausbildung zur Fleischerei-Fachverkäuferin gemacht, bin danach zum Volontariat in einen größeren Betrieb gewechselt und habe dort in Produktion und Verkauf als Erstverkäuferin und Filialleiterin gearbeitet. 2006 startete ich bei Nothwang, leitete lange Zeit das unternehmenseigene Käse-Fachgeschäft und habe mich zur Verkaufsleiterin und Foodstore-Managerin weitergebildet.

Bei Heyne in Frankfurt am Main habe ich die Meisterprüfung für den Verkauf abgelegt, und war danach als Thekenmanagerin für alle Nothwang-Fachgeschäfte zuständig. Parallel dazu begann ich eine Train-the-trainer-Ausbildung an. Im Herbst 2016 bin ich für drei Jahre zur Edeka Südwest gewechselt. Dort war ich als Bildungsreferentin in der Personalentwicklung tätig, habe Schulungen im Bereich Weiter- und Ausbildung gemacht. Nach einer Weiterbildung zur diplomierten Käse-Sommelière bin ich seit Januar 2019 wieder bei Nothwang und baue den Bereich Personalentwicklung neu auf. 

Azubis sind Mangelware. Wie wirbt Nothwang um Nachwuchskräfte?

Mayer: Wir versuchen immer, Präsenz zu zeigen, nutzen Berufsinformationstage an Schulen im Umkreis und nehmen an der Bildungsmesse in Heilbronn teil. Und wir versuchen, stärker in den Social Media-Kanälen aktiv zu sein und über unsere Azubis noch mehr Bewegung dort hinein zu bekommen.

Welche Voraussetzungen sollten Ihre Azubis mitbringen?

Mayer: Für uns ist sehr wichtig, dass die jungen Menschen Spaß am Umgang mit Lebensmitteln, Lust auf die Produkte und vielleicht sogar Freude am Kochen haben. Zuverlässigkeit ist in allen Bereichen unerlässlich. Unsere Azubis sollten offen gegenüber dem Herstellungsprozess und dem sein, was dazu gehört.

Wie hoch ist Ihre Abbrecherquote?

Mayer: Nur sehr gering. Der Grund ist, dass wir seit einem Jahr Feedback-Gespräche führen. In der Probezeit merkt man dann rasch, wie es passt und ob es in der Betreuung stimmt. Nach Möglichkeit beziehen wir bei Minderjährigen die Eltern ein. Dort haken wir auch nach, wenn es Probleme gibt. Bei der Berufsschule vor Ort frage ich regelmäßig nach, wie es funktioniert.

Wie betreuen Sie die Azubis konkret?

Mayer: Wir versuchen, schon vor dem Start der Ausbildung den Kontakt zum künftigen Azubi aufzubauen. Das hängt natürlich davon ab, wie früh er sich bei uns bewirbt und wann er den Vertrag unterschreibt. Wir schicken vorab unsere Newsletter an ihn. Zum Einstieg gibt es einen gemeinsamen Kick-off-Tag. Dabei kommen alle neuen Azubis zusammen. Der Tag selbst wird von ehemaligen und aktuellen Azubis vorbereitet und gestaltet. Das ist immer eine Mischung aus allen wichtigen Infos zum Betrieb, zur Ausbildung, zur Schule und zu organisatorischen Dingen. Wir essen auch gemeinsam. Die ehemaligen Azubis dürfen aussuchen, was es gibt und bereiten das Essen zu.

Wie hoch ist die Übernahmequote?

Mayer: Wenn der Azubi es möchte, wird er übernommen. Schließlich ist das das Ziel unserer Ausbildung.

Welche Weiter- und Aufstiegsmöglichkeiten bieten Sie?

Mayer: Schon während der Ausbildung klären wir die jungen Leute über die Möglichkeiten auf, die ihnen nach der Lehre offenstehen. Während der Lehre bieten wir viele interne Schulungen. Dabei zeigt sich, wer eine Affinität für eine bestimmte Richtung hat und fördert ihn entsprechend. Im Bereich Produktion kann man bei Nothwang bis zum Abteilungs- oder Bereichsleiter alles erreichen. Im Verkauf besteht die Chance, zum Erstverkäufer, Filialleiter oder Filialverkaufsleiter aufzusteigen.

Bietet Nothwang Anreize zum Start einer Ausbildung?

Mayer: Neben den internen Schulungen übernehmen wir die Führerscheinkosten für unsere Azubis. Wir bezahlen ein Jobticket für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Schule und Arbeit. Es gibt auch einen Zuschuss für die Mitgliedschaft im Fitnessstudio im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements – das gilt für alle unsere 140 Mitarbeiter. Außerdem haben wir seit September 2020 auf unsere Ausbildungsvergütung ordentlich was draufgepackt: Wir zahlen im ersten Lehrjahr 1.000 Euro, im zweiten 1.100 und im dritten 1.250 Euro – für Fleischer, Verkäufer, und sogar unsere dualen Studenten bekommen das Gleiche.

Warum hat sich Nothwang mit dem Qualitätssiegel zertifizieren lassen?

Mayer: Ich bin schon seit einigen Jahren im Gesellenprüfungsausschuss für die Fachverkäuferinnen und habe daher einen guten Kontakt zur Kammer. Dann fiel mir das Siegel auf. Wir reichten die erforderlichen Unterlagen ein, verfassten ein Anschreiben und erklärten, warum wir uns bewerben. Nachdem wir die Zulassung zur Teilnahme erhalten hatten, kamen zwei Prüfer von der Kammer und der Berufsschule zu mehreren Fragerunden in den Betrieb. Dabei mussten wir zu bestimmten Bereichen Rede und Antwort stehen. Es ging um die Ausbildung allgemein, ob wir uns an die gesetzlichen Vorgaben halten und was wir über den gesetzlichen Standard hinaus bieten. Es gab zudem eine Azubi-Befragung und eine Inspektion von Betrieb und Arbeitsplätzen. Daran schloss sich die Bewertung durch die Jury an. Man kann sich jährlich bewerben. Wer das Siegel erhalten hat, kann sich rezertifizieren lassen. Wir haben natürlich auch ‚Hausaufgaben‘ bekommen, müssen noch mehr Ausbilder qualifizieren.

Womit ist der Preis verknüpft?

Mayer: Ein Preisgeld gibt es nicht, wohl aber die Tafel mit dem Siegel – ein tolles Werbemittel. Es wird in unseren Filialen ausgehängt, erscheint im Mailanhang und auf den Briefbögen. Was ich besonders gut finde: Das Siegel kann nicht käuflich erworben werden.

Uwe Nothwang
(Bild: Nothwang)

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Trotz Corona ließen sich 2020 zwei Betriebe ihre Ausbildungsqualität durch das Qualitätssiegel „Top-Ausbildungsbetrieb der Handwerkskammer Heilbronn“ zertifizieren. Das Siegel wird seit fünf Jahren an Betriebe verliehen, die ihre Ausbildung einem kostenlosen Qualitätscheck der Kammer unterziehen. Insgesamt 45 Betriebe nutzten die intensive Beratung bereits erfolgreich und dürfen das Siegel führen. Die Metzgerei Schwäbische Wurst-Spezialitäten Nothwang GmbH & Co. KG aus Bad Friedrichshall ist einer der beiden neuen Top-Ausbildungsbetriebe 2020.

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