Karriere im Fleischerhandwerk Bessere Kollegen

Freitag, 15. Januar 2021
Übernimmt gern Verantwortung: Marian Lucke setzt sich mit großem Engagement für den Betrieb seines Arbeitgebers ein.
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Übernimmt gern Verantwortung: Marian Lucke setzt sich mit großem Engagement für den Betrieb seines Arbeitgebers ein.

Marian Lucke aus Bochum-Linden hat seine erste Ausbildung als Kinderpfleger gemacht. Dann schloss der 32-Jährige eine Fleischerlehre an. Er findet: Wer Karriere machen will, sollte sich zunächst für seinen Betrieb einsetzen.

Marian Luckes Karriereweg ist nicht geradlinig verlaufen. Zunächst war er in einer völlig anderen Branche tätig. Jetzt ist er mit großer Begeisterung im Fleischerhandwerk unterwegs und plant seinen weiteren Lebensweg.

Warum sind Sie Metzger geworden? Wie ist das gelaufen?

Marian Lucke: Das war Zufall. Ich hatte zunächst eine Ausbildung zum Kinderpfleger abgeschlossen. In dieser Arbeit sah ich aber dann irgendwann für mich keinen Sinn mehr. Da ich hier in Bochum-Linden lebe, habe ich eine Initiativbewerbung bei Fleischwaren Kruse um einen Ausbildungsplatz zum Fachverkäufer abgegeben. Als Metzger zu arbeiten, konnte ich mir zunächst gar nicht vorstellen. Der Metzgerberuf hatte damals für mich ein hässliches Image. Im Vorstellungsgespräch meinte Herr Kruse, dass er vor allem einen weiteren Metzger bräuchte. Das war im Jahr 2010. Zwei Jahre und drei Monate später machte ich mit Lehrzeitverkürzung meine Gesellenprüfung. Danach sammelte ich Erfahrungen in anderen Betrieben. Aber mein Herz hing immer an meinem Ausbildungsbetrieb – und so kam ich schließlich wieder zu Kruse zurück. 

Wie entstand die Bindung an Ihren Arbeitgeber?

Lucke: Das geht zunächst mal auf meine Oma zurück: Wir lebten in Linden, dem gleichen Stadtteil von Bochum, im dem die Fleischerei Kruse ihren Firmensitz hat. Als ich ein kleines Kind war, hat mir meine Oma öfter fünf Mark in die Hand gedrückt und gesagt: „Geh’ mal nach Kruse und kauf‘ ein Stück frische Fleischwurst.“ Solche Erlebnisse prägen natürlich. Weiterhin entstand meine Bindung an den Betrieb durch meinen Chef Bernd Kruse. Ein Chef ist entweder ein Vorbild, und dann klappt die Ausbildung. Oder er ist kein Vorbild, dann wird das nichts Gutes. Ich hatte da wirklich Glück.

Planen Sie Ihre Karriere? Wollen Sie einmal die Meisterprüfung machen?

Lucke: Na klar habe ich Bock auf Meisterprüfung und Karriere. Die Gesellenprüfung ist schließlich der erste Schritt dazu. Ich habe in anderen Betrieben auch schon als Abteilungsleiter gearbeitet und weiß daher, dass ich gern Verantwortung übernehme.

Woran machen Sie Karriere fest? Wie merkt man, dass man auf dem richtigen Weg dahin ist?

Lucke: Für mich hat das zunächst etwas mit Ansehen zu tun. Ich habe unter den Leuten, die mich kennen, einen bestimmten Ruf. Wenn ich erstklassige Wurst mache, dann wird dieser Ruf immer besser. Es ist ein starkes Gefühl zu wissen, dass man die Menschen mit dem, was man jeden Tag herstellt, ein kleines Stück glücklich macht. Und natürlich hat Karriere auch etwas mit Geld zu tun – gerade für mich als Familienvater. Trotzdem will ich nicht zu kurz und nicht egoistisch über Karriere denken. Denn: Die sicherste Karriere für jeden Mitarbeiter ist, wenn zunächst der Betrieb erfolgreich ist. Dann hat auch jeder Einzelne was davon. Für mich ist klar: Mein Herz hängt an diesem Unternehmen, und ich will, dass es erfolgreich ist.

Das Gegenteil von egoistischem Denken ist kollegiales Denken. Wie denkt ein Metzger, der einen klassisch sozialen Beruf erlernt hat, über Teamwork im Fleischerhandwerk?

Lucke: Für mich ist Kollegialität enorm wichtig. Sie entsteht in einem Team, in dem sich jeder auf den anderen blind verlassen kann. Das setzt voraus, dass jeder Einzelne für seine Arbeit die Verantwortung erkennt. Wenn ich auf keinen Fall will, dass ein anderer meinen Fehler ausbaden muss, werde ich automatisch fachlich besser und ein guter Kollege.

Was kann der Einzelne für mehr Kollegialität und Teamarbeit tun?

Lucke: Zunächst mal einfach mitmachen! Das Mitmachen beginnt bei der Arbeit und reicht bis zur Teilnahme an betrieblichen Seminaren oder der Weihnachtsfeier. Gute Kollegen lassen die anderen nicht hängen, feiern nicht krank. Gute Kollegen verhindern Mobbing und stehen – wenn Mobbing trotzdem passiert – immer auf der Seite des Schwächeren. Die Älteren und Stärkeren im Betrieb müssen die Beschützer sein. Und natürlich erfordert Kollegialität, dass man ganz einfach jeden Tag ein wenig gute Laune mitbringt. Wir alle brauchen auch an schlechten Tage nette Worte. Und vielleicht machen wir privat, also auch außerhalb der Arbeitszeit, mit den Kollegen etwas gemeinsam.

Wie kann der Betrieb beide Aspekte fördern?

Lucke: Jeder Betrieb, meistens sind es ja Familienunternehmen, sollte „Familie“ auch leben. In einer Familie halten alle zusammen, da lässt man keinen hängen. Dann muss der Betrieb seine Führungspositionen mit guten Fachleuten besetzen, die Menschen führen können. Vorgesetzte müssen ein Vorbild sein, fachlich wie menschlich. Ich selbst erwarte von einem Vorgesetzten, dass er mir die Arbeit und die Verantwortung dahinter erklären kann. Ein guter Vorgesetzter muss sicherstellen, dass jeder seine Aufgaben erfüllen kann. Dazu ist das Vormachen wichtig. Und ebenso eine gerechte Aufteilung der Verantwortung.

Sie sind als erfahrener Geselle selbst Führungskraft, etwa gegenüber einem Auszubildenden. Was tun Sie, damit Sie Ihrer Beschreibung eines guten Vorgesetzen gerecht werden?

Lucke: Ich mache eine Tätigkeit so lange vor und erkläre sie so lange, bis ich sicher bin, dass sie der Lehrling verstanden hat. Zuletzt hatte ich einem unserer Azubis erklärt, wie er die Nachkontrolle der Reinigung und Desinfektion richtig macht. Wenn er dann alles korrekt erledigt, war das eine leichte Übung. Aber wenn er es trotzdem falsch macht, muss ich mich fragen, wie ich es vielleicht noch besser erklären oder vormachen kann. Was mir auf gar keinen Fall passieren darf, ist, dass ich den Lehrling beschimpfe oder heruntermache. Das passiert nur schlechten Vorgesetzten. Und ich biete auch allen Azubis gleich das Du an. Ich finde, dass Du in einer Fleischerei viel schöner als zu einem Kollegen „Herr“ sagen zu müssen.

Sie wirken in Ihrem Job und mit Ihrem Arbeitgeber voll und ganz zufrieden. Haben Sie hinsichtlich der Arbeit unerfüllte Träume?

Lucke: Stimmt, ich bin wirklich gern Metzger und würde meinen Betrieb immer und überall verteidigen. Aber Träume? Wenn ich träumen dürfte, dann hätte ich einen Bauernhof mit Hofladen und würde dort Fleisch und Wurst verkaufen.

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