Karriere im Fleischerhandwerk Der Zielstrebige

Donnerstag, 29. November 2018
Max Münch hat mit 25 Jahren bereits zwei Lehren abgeschlossen und den Meistertitel ebenfalls in der Tasche.
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Max Münch hat mit 25 Jahren bereits zwei Lehren abgeschlossen und den Meistertitel ebenfalls in der Tasche.
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Fußballprofi war der Traum von Max Münch. Doch nach einer schweren Verletzung zerplatzte dieser Zukunftsplan, und der junge Mann besann sich auf seine Wurzeln als Spross einer Fleischerfamilie.
Wie viele fußballbegeisterte Jungs träumte einst auch Max Münch davon, irgendwann einmal im Dress der Nationalmannschaft aufzulaufen. Über die erforderliche Veranlagung verfügte der heute 25-Jährige jedenfalls. Als talentierter Ballkünstler besuchte der Lommatzscher das Sportgymnasium im nahe gelegenen Riesa. Sein geschickter Umgang mit dem runden Leder ließ alsbald die Scouts größerer Vereine auf ihn aufmerksam werden.

Und so zog er mit zarten 15 Jahren in eine Spieler-WG des Leipziger Traditionsvereins FC Sachsen Leipzig, um unter professionelleren Bedingungen die Weichen für eine mögliche Profikarriere zu stellen. Infolge der damaligen Vereins-Insolvenz wurden die Nachwuchsmannschaften vom seinerzeit frisch gegründeten Klub RB Leipzig übernommen. Obwohl sich Max beim heutigen Bundesligisten schon fast am Ziel seiner Träume wähnte, beendete eine schwere Sprunggelenksverletzung abrupt seine fußballerische Karriere. Und dennoch trägt er inzwischen voller Stolz das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Nur stammt das feuerrote Shirt nicht etwa vom DFB, sondern vom DFV.

Klare Vision in seinem Handeln

Nachdem die Verletzung das Aus als Leistungssportler besiegelte, besann sich Max auf die berufliche Leidenschaft, die ihm bereits in die Wiege gelegt worden war. Als Spross einer über vier Generationen reichenden Fleischerfamilie überlegte der Sachse nicht lang, wohin die Reise stattdessen gehen sollte. „Mein Vater hat mir bei der Berufswahl stets alle Freiheiten gelassen. Er hätte nie von mir verlangt, irgendwann das Unternehmen weiterzuführen. Es war aber von Anfang an mein eigener Wunsch, den Familienbetrieb nicht nur eines Tages fortzuführen, sondern auch weiterzuentwickeln“, berichtet der junge Fleischermeister.

Wer sich mit Max unterhält, spürt nicht nur die Zielstrebigkeit und klare Vision in seinem Handeln, sondern fragt sich unweigerlich, ob der Tag des Mittzwanzigers gar 48 Stunden hat. Die Berufs- und Lebenserfahrung, die er in den vergangenen zehn Jahren sammelte, würden mühelos auch die doppelte Zeitspanne ausfüllen.

So wechselte er zunächst zurück nach Riesa, um sein Fachabitur zu absolvieren. Mit dem Abschluss in der Tasche, startete er eine Ausbildung als Koch – und zwar in Leipzig. „Während der Zeit in der Fußball-WG besuchte ich die Fachoberschule, wo ich mein Pflichtpraktikum bereits in der Küche des Restaurants Macis absolvierte“, erklärt Max. Das Macis ist ein gehobenes Bio-Restaurant im Herzen der Messestadt. „Ich hatte mich ganz bewusst dafür als Ausbildungsort entschieden, um den Beruf von der Pike auf zu lernen. Wichtig war mir dabei vor allem der Umgang mit nachhaltigen wie regionalen Produkten.“

Es verwundert kaum, dass er schon damals an die Zukunft dachte: „Gerade im Bereich Partyservice und Catering hat unsere Fleischerei noch großes Entwicklungspotenzial, für das ich mit der Ausbildung zum Koch die entsprechende Grundlage legen wollte.“ Bereits nach zweieinhalb Jahren schloss er die Lehre erfolgreich ab. Sowohl der Wissensvorsprung als Abiturient als auch die optimalen Ausbildungsbedingungen innerhalb des Restaurants ermöglichten die verkürzte Lehrzeit.
„Es war von Anfang an mein Wunsch, den Familienbetrieb weiterzuentwickeln.“
Direkt im Anschluss zog es ihn nach Österreich. Dort sammelte Max während eines anderthalbjährigen Aufenthalts – größtenteils im renommierten Resort Stock im Zillertal – weitere Praxiserfahrung. Mit diesem Rüstzeug kehrte die zielstrebige Jungfachkraft in den elterlichen Betrieb zurück. Doch statt direkt ins Geschäft einzusteigen, drückte der Sachse erneut die Lehrbank – diesmal als Fleischerlehrling.

Lehrstoff im Selbststudium

In gewohnt flinker Manier raste der passionierte Biker regelrecht zum Meistertitel. Zwei Jahre für die Ausbildung – den Stoff des dritten Lehrjahres eignete er sich parallel im Selbststudium an – sowie weitere elf Wochen für den Meistertitel an der Bayerischen Fleischerschule in Landshut, und fertig ist einer der jüngsten Fleischermeister Sachsens. Sämtliche Prüfungen legte er natürlich mit Bravour ab und kann sich somit seit Frühjahr dieses Jahres Meister seines Fachs nennen. „Mein Vater benötigte meine Unterstützung im Betrieb, also habe ich mich etwas beeilt“, sagt er schmunzelnd.

Max sieht seine fachlichen Fähigkeiten vor allem auch als Schlüssel für die Anerkennung innerhalb der Belegschaft. So gibt es noch den einen oder anderen Mitarbeiter, der ihn seit dem Windelalter kennt. „Für sie mag es mitunter komisch sein, dass ich plötzlich neben meinem Vater das Sagen im Betrieb habe. Daher ist es mir wichtig, diese Stellung durch Fachwissen zu untermauern.“

Mitglied der Nationalmannschaft

Eine strikte Arbeitsteilung gibt es zwischen ihm und Vater Andreas bisher noch nicht. Aufgrund seiner fundierten Küchenerfahrung übernimmt der Junior jedoch schwerpunktmäßig den Partyservice-Bereich sowie die Produktentwicklung: „Mein Anspruch ist, soweit es geht, alles selbst zu machen, selbst Soßen, Dressings und Desserts.“ Auch die Präsentation der Catering-Büfetts hat er durch moderne Elemente aufgewertet: „Man darf die Vorstellungen der Kunden nicht unterschätzen. Sie schauen Kochshows im Fernsehen, oder sind wie ich selbst viel in den sozialen Netzwerken unterwegs, wo einem ständig neue, kreative Ideen begegnen. Damit steigen automatisch die Ansprüche, die man an einen guten Partyservice stellt.“ Eine weitere Neuerung, die er angeschoben hat, ist die Ausweitung der regionalen Wertschöpfung. So bezieht das Unternehmen inzwischen sein Schweine- und Rindfleisch von Erzeugern aus der unmittelbaren Umgebung und lässt die Tiere überdies im sächsischen Belgern schlachten.
  • Johannes Bächtle aus Lenningen in Baden-Württemberg: „... damit der Beruf wieder ein gutes Image bekommt.“
    Johannes Bächtle aus Lenningen in Baden-Württemberg: „... damit der Beruf wieder ein gutes Image bekommt.“ (Bild: DFV)
  • Leonie Baumeister aus Waibstadt in Baden-Württemberg: „... damit jeder weiß, wie großartig Handwerker sind.“
    Leonie Baumeister aus Waibstadt in Baden-Württemberg: „... damit jeder weiß, wie großartig Handwerker sind.“ (Bild: DFV)
  • Melissa Barget aus Nidderau-Ostheim in Hessen: „... weil das Fleischerhandwerk anders ist als Du denkst.“
    Melissa Barget aus Nidderau-Ostheim in Hessen: „... weil das Fleischerhandwerk anders ist als Du denkst.“ (Bild: DFV)
  • Paula Judith Brehm aus Waldaschaff in Bayern: „... weil sie ein tolles Netzwerk von jungen Kollegen ist.“
    Paula Judith Brehm aus Waldaschaff in Bayern: „... weil sie ein tolles Netzwerk von jungen Kollegen ist.“ (Bild: DFV)
  • Annamaria Büchele aus Frankenthal in Rheinland-Pfalz: „... weil wir stolz auf unser Handwerk sind.“
    Annamaria Büchele aus Frankenthal in Rheinland-Pfalz: „... weil wir stolz auf unser Handwerk sind.“ (Bild: DFV)
  • Raphael Buschmann aus Twistringen in Niedersachsen: „... um den Menschen zu zeigen, was Qualität ist und was Fachgeschäfte bieten.“
    Raphael Buschmann aus Twistringen in Niedersachsen: „... um den Menschen zu zeigen, was Qualität ist und was Fachgeschäfte bieten.“ (Bild: DFV)
  • Franz Gawalski aus Großenhain in Sachsen: „... weil Tradition und Werte heute noch cool sind.“
    Franz Gawalski aus Großenhain in Sachsen: „... weil Tradition und Werte heute noch cool sind.“ (Bild: DFV)
  • Hannah Gehring aus Rot am See in Baden-Württemberg: „... weil Handwerk rockt!“
    Hannah Gehring aus Rot am See in Baden-Württemberg: „... weil Handwerk rockt!“ (Bild: DFV)
  • Manuel Kirchhoff aus Attendorn-Dünschede in Nordrhein-Westfalen: „... um zu zeigen, wie vielfältig und grandios unser Beruf ist.“
    Manuel Kirchhoff aus Attendorn-Dünschede in Nordrhein-Westfalen: „... um zu zeigen, wie vielfältig und grandios unser Beruf ist.“ (Bild: DFV)
  • Markus Kretschmann aus Meißen in Sachsen: „... weil wir zu 100 Prozent hinter unserem Beruf stehen.“
    Markus Kretschmann aus Meißen in Sachsen: „... weil wir zu 100 Prozent hinter unserem Beruf stehen.“ (Bild: DFV)
  • Kathrin Meier aus Wallhöfen-Vollersode in Niedersachsen: „... weil wir zusammen Großes schaffen.“
    Kathrin Meier aus Wallhöfen-Vollersode in Niedersachsen: „... weil wir zusammen Großes schaffen.“ (Bild: DFV)
  • Max Münch aus Lommatzsch in Sachsen: „... um Tradition zu bewahren und die Jugend für unser Handwerk zu begeistern.“
    Max Münch aus Lommatzsch in Sachsen: „... um Tradition zu bewahren und die Jugend für unser Handwerk zu begeistern.“ (Bild: DFV)
  • Clemens Reich aus Spalt-Großweingarten in Bayern: „... zur Wahrung des Handwerks.“
    Clemens Reich aus Spalt-Großweingarten in Bayern: „... zur Wahrung des Handwerks.“ (Bild: DFV)
  • Stefan Weishaupt aus Aitrach in Bayern: „... weil wir Anderen unser Handwerk schmackhaft machen wollen.“
    Stefan Weishaupt aus Aitrach in Bayern: „... weil wir Anderen unser Handwerk schmackhaft machen wollen.“ (Bild: DFV)
  • Tobias Wenderlein aus Spalt-Großweingarten in Bayern: „... weil wir die Elite des Handwerks sind und andere inspirieren.“
    Tobias Wenderlein aus Spalt-Großweingarten in Bayern: „... weil wir die Elite des Handwerks sind und andere inspirieren.“ (Bild: DFV)
  • Das Logo des Nationalteams des Deutschen Fleischer-Verbands.
    Das Logo des Nationalteams des Deutschen Fleischer-Verbands. (Bild: DFV)
Münchs außergewöhnlicher Werdegang blieb in Verbandskreisen keineswegs unbeachtet. Und so überrascht es nicht, dass der leidenschaftliche Fleischer für die noch junge DFV-Nationalmannschaft nominiert wurde. Die ehrenamtliche Tätigkeit bereitet Max sichtlich Freude: „Es ist eine Ehre, sein Handwerk als moderner Botschafter zu repräsentieren. Ich mag es, gerade auf Messen oder in Berufsschulen mein Praxiswissen weitergeben zu können und zu erklären, wie vielseitig unser Berufsbild ist, wie man seine Kreativität darin einbringen kann oder welch hohen Stellenwert die Rohstoffe besitzen.“ Als bisherige Highlights im Dress der Nationalmannschaft bezeichnet er den Dreh des Werbevideos mit den YouToubern Peter Smiths und Jonathan Apelt in Hamburg sowie das Treffen mit verschiedenen Bundesministern in Berlin.

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