Karriere im Fleischerhandwerk Die Resonanz verleiht Flügel

Mittwoch, 19. Februar 2020
Hat den Geschmack seiner Kunden getroffen: Fleischermeister Melvin Jenson setzt auf handwerklich produzierte Erzeugnisse.
Foto: sch
Hat den Geschmack seiner Kunden getroffen: Fleischermeister Melvin Jenson setzt auf handwerklich produzierte Erzeugnisse.

Mit dem Erwerb seines Meisterbriefs reifte bei Melvin Jenson der Wunsch nach einer eigenen Metzgerei. Vor drei Monaten ging er an den Start. Mit Erfolg.
In der ersten Woche nach der Eröffnung seiner Regionalfleischerei „Meathouse“ im November 2019 in der Gemeinde Leegebruch im brandenburgischen Landkreis Oberhavel war das Fachgeschäft von Melvin Jenson an manchen Nachmittagen teilweise so gut wie ausverkauft.

Mit einer solch positiven Kundenresonanz hatte der erst 30-Jährige nicht gerechnet. „Das war der absolute Wahnsinn, ich war total überwältigt“, berichtete Jenson. Auf seine Selbstständigkeit hatte sich der gebürtige Berliner gründlich vorbereitet. Nach der Lehre in der Neuland-Fleischerei Bauermeister im Stadtbezirk Charlottenburg folgten prägende Berufsjahre unter anderem in der Bio-Manufaktur Havelland und der Erwerb des Meisterbriefs im Jahr 2017.

Bildschirm-Installation als besonderer Eyecatcher

Passende Räumlichkeiten zur Realisierung seines Traums, ein eigenes Unternehmen zu gründen, fanden sich in seinem Wohnort Leegebruch in einer ehemaligen Fleischerei. Jensons Kapital war ein durchdachtes Konzept: Qualitätsfleisch und -fleischwaren in einem optisch attraktiven Verkaufsumfeld anzubieten. Als ergänzende Standbeine hatte er ein tägliches Imbissangebot sowie einen Cateringservice im Visier. Die Ausstattung seines Fachgeschäfts ist sachlich-modern.

Blickfänge im Laden sind die L-förmige Bedientheke, eine übersichtliche Speisepräsentation und ein Dry age-Schrank. Statt der üblichen Wandfliesen entschied sich der engagierte Fleischermeister für einen gedeckten, abwischbaren Farbanstrich. Eine vorhandene Raumnische ermöglichte die Einrichtung von zehn Sitzplätzen für seine Imbiss-Kunden.
Die L-förmig aufgebaute Thekenlandschaft ermöglicht eine attraktive Warenpräsentation. Die in Sichthöhe angebrachte Bildschirm-Installation gibt interessante visuelle Einblicke in das Fleischerhandwerk.
Foto: sch
Die L-förmig aufgebaute Thekenlandschaft ermöglicht eine attraktive Warenpräsentation. Die in Sichthöhe angebrachte Bildschirm-Installation gibt interessante visuelle Einblicke in das Fleischerhandwerk.
Ein besonderer Eyechatcher ist die riesige TV-Bildschirm-Installation mit Sonderangeboten, wöchentlichen Speisekarten und diversen Werbebotschaften aus der Branche. Etwa 80.000 Euro hat der rührige Jungunternehmer in den Ladenbau investiert. Das Jobcenter half in der Übergangszeit mit einem Existenzgründerzuschuss. Zudem hofft Jenson noch auf eine Finanzspritze im Rahmen des Meistergründungsprogramms.

Tiergerechte Haltung, Handwerk und nachhaltige Ideen

Im Mittelpunkt des Angebots der Meathouse-Regionalfleischerei stehen hochwertige und frisch erzeugte Premium-Produkte, die die Kunden in Zeiten des kritisch hinterfragten Wurst- und Fleischgenusses überzeugen sollten. Jensons Credo: „Gutes Fleisch fängt bei der Tierhaltung an!“ Bevor er sich selbstständig machte, beschäftigte er sich umfassend mit den Haltungsformen und machte sich vor Ort auf Bauernhöfen „schlau“, berichtet der engagierte Unternehmer.
„Gutes Fleisch fängt bei der Tierhaltung an“
Letztendlich punkteten bei ihm die Neuland-Kriterien in Sachen Tierwohl und Transparenz. Im Laden informiert ein Aushang, dass die Rinder und Schweine von einem Bauernhof im Landkreis Lüchow-Dannenberg stammen, wo sie stressfrei, ohne präventive Medikamente oder genverändertes Futter, aber mit viel Auslauf aufgezogen werden. Das Ergebnis: hochwertiges Frischfleisch sowie schmackhafte Schinken und Fleischwaren.

Die breite Palette, hergestellt in den Produktionsräumen seines einstigen Ausbildungsbetriebs, umfasst mehr als 40 Sorten. Zugekauft werden lediglich drei italienische Spezialitäten wie Mortadella, Parmaschinken sowie eine Salami in Bio-Qualität. 85 Prozent der Erzeugnisse sind glutenfrei. Acht bis zehn hausgemachte Feinkostsalate und frisch belegte Brötchen ergänzen die Offerte. Das in eigener Rezeptur hergestellte Hackfleisch avancierte sofort zum Hit. „Davon verkaufen wir am Tag etwa 70 Kilogramm“, bestätigt der Metzgermeister.

Anlaufstelle für hungrige Imbisskunden

Das Fleischer-Fachgeschäft ist zu den Öffnungszeiten auch eine gut besuchte Anlaufstelle für den warm-kalten Imbissverkauf. Mittags kann zwischen einer Suppe, einem Hauptgericht und warmen Bouletten gewählt werden. Für die kulinarische Abwechslung ist demnächst ein Koch zuständig. Der Kundschaft, inzwischen aus der ganzen Region kommend, schmeckt es offenbar. Das positive Feedback lässt sich bereits in Zahlen messen: Allein in den ersten zwei Eröffnungsmonaten erzielte Jenson einen Umsatz von 126.000 Euro. „Ich bin wirklich dankbar, dass es so viele Menschen gibt, die mein Konzept von Qualitätsfleisch aus fairer und tiergerechter Haltung mittragen“, betont er. Als verantwortungsvoller Vater einer kleinen Tochter und mit Blick auf den Umweltschutz will er darüber hinaus in seinem Geschäft fast komplett auf Plastik verzichten. Das beginnt bei der konsequenten Papierverpackung von Fleisch und Wurst, wieder befüllbaren Dosen und reicht bis zum Verzicht auf Einweggeschirr und -besteck. Für seine Salate hat Jenson umweltfreundliche Bambusschalen im Visier.

Der inzwischen in vielen deutschen Städten und Gemeinden zu verzeichnende signifikante Mangel an Fleischereien hat dem engagierten Jungunternehmer beim erfolgreichen Start durchaus geholfen. Dennoch rührte er im Vorfeld selbst kräftig die Werbetrommel. Freunde, Bekannte und Einzelhändler unterstützten ihn dabei. Zudem funktioniere auf dem Land der Buschfunk ganz gut, resümiert er. Einen weiteren Hype erzielt Jenson durch die Nutzung sozialer Netzwerke, mit denen er vor allem potenzielle junge Kunden anspricht.

Das Meathouse in Leegebruch

Firmierung: Meathouse – der Regionalfleischer

Inhaber: Melvin Jenson

Adresse: Eichenallee 9, 16767 Leegebruch

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 8:00 bis 18:00 Uhr; Samstag: 8:00 bis 14:00 Uhr
Auf seiner professionell gestalteten Website auf Facebook postete er beispielsweise die Frage: „Bist Du der 10.000. Kunde?“ Als Belohnung stellt Jenson einen komplett kostenlosen Einkauf in Aussicht. Auf seine inzwischen auf 641 User angewachsene Community mit durchweg positiven Feedback-Einträgen ist der Metzgermeister zu Recht stolz. Auch die tägliche Kundenresonanz bedeutet ihm viel. Daraus schöpft er seine Motivation. Erfolg beflügelt eben.
Meyer - Karsten
(Bild: rh)

Mehr zum Thema

Karriere im Fleischerhandwerk Tranchieren statt plädieren

Das könnte Sie auch interessieren
stats