Karriere im Fleischerhandwerk Geselle statt Hilfsarbeiter

Freitag, 27. November 2020
Eifriges Pauken führte zum Erfolg: Bass Waka aus Gambia hat in der Altshausener Metzgerei Metzler eine Fleischerausbildung absolviert und arbeitet dort nun als Geselle.
Foto: Julia Freyda
Eifriges Pauken führte zum Erfolg: Bass Waka aus Gambia hat in der Altshausener Metzgerei Metzler eine Fleischerausbildung absolviert und arbeitet dort nun als Geselle.

Bass Waka aus Gambia beendete erfolgreich seine Ausbildung in der Metzgerei Metzler.
von Julia Freyda

Als Bass Waka vor fünf Jahren nach Altshausen kam, konnte der Gambier weder lesen noch schreiben. Umso stolzer sind er und seine Ausbilder Albert und Tobias Metzler, dass der 26-Jährige nun seinen Gesellenbrief im Metzgerhandwerk in den Händen hält. Im Team der Metzgerei in Altshausen hat er sich einen festen Platz erarbeitet. 

Eine Schule hat Bass Waka in seiner afrikanischen Heimat nie besucht, ließ 2011 Mutter und Schwester zurück, um Arbeit in Nachbarländern zu finden. Sein Vater war verstorben, als er noch ein kleiner Junge war. Statt einer Perspektive fand er sich allerdings in Libyen in einem Steinbruch wieder, wo er „wie ein Sklave missbraucht“ wurde, berichtet der 26-Jährige. Eigentlich sehnte er sich nach einer Rückkehr zur Familie, legte dann aber doch sein Geld und Leben in die Hände eines Schleusers. Über das Mittelmeer kam er zunächst nach Italien, später nach Deutschland.

Nach zwei Wochen in Karlsruhe folgte die Busfahrt nach Altshausen, 2015 gehörte er zu den ersten Asylbewerbern, die im Haus am Weiher untergebracht wurden. „Wir haben alle erwartet, in großen Städten zu landen. Als wir hier abends um 21 Uhr ankamen, wollten wir gar nicht aussteigen. Wir dachten nur, was sollen wir denn in so einem kleinen Dorf“, erinnert sich Waka. Aber es blieb ihnen gar nichts anderes übrig. Beeindruckt hat ihn die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Altshauser, sodass er schließlich doch Gefallen am dörflichen Leben gefunden hat. Zudem suchte er schnell den Anschluss, um sich zu integrieren und natürlich um Deutsch, endlich lesen und schreiben zu lernen.

In Karl Lutz fand er einen Ziehvater, der ihm den Vorschlag machte, bei der Metzgerei Metzler zu arbeiten. „Um mich zu überzeugen, hat er mir ein Leberkäswecken mitgebracht. Da musste ich nicht mehr lange überlegen“, sagt Waka mit einem Schmunzeln. So fing er 2016 als Hilfsarbeiter bei Metzlers an. „Er lernte schnell dazu, sodass wir ihm vorgeschlagen haben, eine Ausbildung zu beginnen. Natürlich auch in der Hoffnung, dass er dadurch eine Duldung in Deutschland erhält“, sagt Fleischermeister und Betriebsinhaber Tobias Metzler.

Als Facharbeiter wolle Waka nun eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Die Metzlers hatten keinerlei Bedenken, einen Asylbewerber einzustellen. Bei manchem Mitarbeiter sah das anders aus. „Aber sie haben nach einiger Zeit nicht mehr den Flüchtling in ihm gesehen, sondern den Menschen. Dass er hier ist, hat einen Mehrwert für alle und wir geben ihn auch nicht mehr her“, bekräftigt Metzler. Auch Seniorchef Albert Metzler ist mit seinem Gesellen sehr zufrieden. „Wir sind wahnsinnig stolz auf ihn. In meinen Augen ist Waka hochintelligent, sonst hätte er das alles gar nicht so toll geschafft.“

Drei Jahre paukte Waka Theorie und Praxis, besuchte einmal pro Woche die Berufsschule in Friedrichshafen. Die Helfer des Freundeskreises für Asylbewerber und seine Mitschüler unterstützten ihn beim Lernen. Im Sommer stand die Abschlussprüfung an. Dabei stellte sich Waka auch noch dem Schwerpunkt Schlachten. Dabei musste er unter anderem ein Schwein schlachten. Berührungsängste hat er nicht, weil er Christ ist und kein Moslem wie rund 90 Prozent der gambischen Bevölkerung.

Als eine Herausforderung empfand es Waka, dass es so viele verschiedene Teile und Namen für das Fleisch gibt. „In Gambia haben wir auch Schweine gehalten und geschlachtet. Aber da haben wir einfach passende Stücke zurechtgeschnitten, ohne zu wissen was etwa ein Filet ist.“ Weil er als Geselle über ein geregeltes Einkommen verfügt, wünscht er sich eine eigene Wohnung. Außerdem will er den Führerschein machen.

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