Karriere im Fleischerhandwerk Querbeet im Einsatz

Donnerstag, 10. Januar 2019
Köchin, Partyservicespezialistin und Ernährungsberaterin: Nathalie Zuber möchte in einigen Jahren gemeinsam mit ihrem Bruder Lucas den Familienbetrieb in Ottersweier weiterführen.
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Köchin, Partyservicespezialistin und Ernährungsberaterin: Nathalie Zuber möchte in einigen Jahren gemeinsam mit ihrem Bruder Lucas den Familienbetrieb in Ottersweier weiterführen.

Nathalie Zuber brachte nach ihrer Ausbildung zur Köchin in der renommierten „Talmühle“ in Sasbachwalden den Partyservice im Familienbetrieb in Nordbaden in Schwung.
Der Partyservice ist Nathalie Zubers großes Steckenpferd. Und darauf hat die 26-Jährige aus Ottersweier im Landkreis Rastatt ihre Ausbildung genau abgestimmt: Nach ihrem Realschulabschluss erlernte sie den Kochberuf in der renommierten Sasbachwaldener „Talmühle“– als eine von sechs Auszubildenden.

„Die Lehre war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig“, berichtet Zuber und meint damit den in der Küche doch recht rauen Umgangston, der oft Stress und Zeitdruck geschuldet ist. „Aber im Lauf der Zeit gewöhnt man sich daran“, fügt sie hinzu. Nach Abschluss der Kochlehre im Jahr 2012 heuerte sie im Münchner Stammhaus von Feinkost Käfer an. Dort eine bezahlbare Unterkunft zu finden, war eine echte Herausforderung. Die junge Frau kam zunächst in einem Personalzimmer unter, musste es aber räumen, als es während der Wiesn für Leiharbeiter benötigt wurde. Aber die Arbeit bei Käfer war ganz nach Zubers Geschmack: „Es war spannend, weil ich querbeet im Einsatz war – in der kalten und warmen Küche und im Bereich Desserts.“

Weitere Kompetenz als Ernährungsberaterin erworben

Nach dem Abschluss der Ausbildung wollte Zuber zunächst im Ausland oder auf einem der großen Kreuzfahrtschiffe arbeiten. Damals mutmaßte sie: „Wenn man erst mal nach Hause zurückgekehrt ist, wird man rasch in den Betriebsablauf eingespannt und kommt nicht mehr weg.“ Sie entschloss sich, nochmals die Schulbank zu drücken, holte 2014 das Fachabitur nach und sammelte danach Erfahrungen im elterlichen Fachgeschäft. Im August 2016 ging es erneut nach Bayern: In Augsburg qualifizierte sie sich zur Ernährungsberaterin weiter. Mit dem dort erworbenen Wissen gibt sie Kunden mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien kompetent Auskunft.

Der Familienbetrieb der Zubers in Ottersweier ist zweigeteilt: Nathalies Vater Walter ist für Produktion, Einkauf und Großhandel zuständig, sein Bruder Hubert verantwortet Verkauf und Personalplanung. Eine ähnliche Arbeitsteilung und Weiterführung des Unternehmens kann sie sich künftig gemeinsam mit ihrem Bruder Lucas vorstellen: Der 24-Jährige bringt die dafür nötigen Qualifikationen sowieso mit: Er ist Fleischermeister, Betriebswirt des Handwerks und Fleischtechniker.

Den Partyservice gab Hubert Zuber vor zwei Jahren an seine Nichte ab. Mit Feuereifer gestaltete die junge Frau den Bereich um und modernisierte ihn. Das bei den Zubers beschäftigte Stammpersonal zog ebenfalls mit und unterstützte ihre Ideen. Es galt auch, die Eltern davon zu überzeugen, dass es zeitgemäß ist, mehr Convenience-Produkte ins Sortiment aufzunehmen. „Manches hielten sie für zu aufwendig oder nicht rentabel genug“, erinnert sich Nathalie Zuber.

Weil ihr Onkel Hubert zwar Fleischermeister und kein gelernter Koch ist, wohl aber Nathalie, änderte sie die Zusammenstellung der Tagesgerichte und Menüvorschläge. „Jetzt gibt es bei uns viele Speisen im Mini-Format, zum Beispiel in Gläschen, als Spießchen, Häppchen und Kanapees“, zählt die Cateringspezialistin auf. „Ich möchte den Kunden auch mal was Feineres anbieten als Schnitzel mit Kartoffelsalat“, verrät sie ihre Intention. Vielen Speisen verpasst sie beispielsweise einen leicht asiatischen Touch, beschreibt sich selbst aber auch als großen Fan von regionaltypischen und mediterranen Delikatessen: Ihr Repertoire reicht deshalb von Schwarzwälder Spezialitäten bis zu Tapas, vom veganen Menü bis zur klassischen Roulade mit Spätzle.
„Ich möchte den Kunden auch mal was Feineres anbieten als Schnitzel mit Kartoffelsalat.“
Nathalie Zuber
Inspirationen holt sie sich aus Büchern, Fachzeitschriften oder Foodblogs. Neben eigenen Kreationen wandelt sie bei „Käfer“ oder in der „Talmühle“ erprobte Rezepturen individuell ab. Pulver oder Fertigprodukte kommen für Zuber nicht in Frage: „Ich lege großen Wert auf eigene Herstellung. Für mich ist es wichtig, dass die Speisen gut aussehen und auch gut schmecken. Deshalb setze ich zum Beispiel meine Saucen täglich frisch an.“

Die komplette Planung von Events liegt in der Hand der jungen Fachfrau. „Manche Kunden kommen bereits mit genauen Vorstellungen, andere brauchen eine komplette Beratung mit Angebot“, schildert sie. In die Akquise neuer Kunden steckt sie reichlich Zeit und Mühe, lenkt in persönlich formulierten Briefen die Aufmerksamkeit ortsansässiger Firmen auf ihren Cateringservice, und ergänzt die Werbung durch Anzeigenschaltungen in örtlichen Zeitungen und einen aktualisierten Internetauftritt. Überdies bringt die durch zufriedene Kunden geleistete Mundpropaganda neue Aufträge ins Haus.

In manchen Wochen ist Nathalie Zuber komplett ausgebucht: Dann richtet sie bis zu zwölf Events aus. Zusätzlich zu ihrem Tagespensum kommen Kleinaufträge wie Partybrezeln, belegte Brötchen oder Kanapees hinzu. Nicht zu vergessen die täglich circa 200 Mittagessen für die drei größeren Zuber-Filialen in Bühl, Achern und Rastatt.

Gerade die Wochenenden sind sehr häufig wegen der privaten Feiern, Geburtstagen oder Hochzeiten mit Arbeit belegt. Ein Umstand, den viele in ihrer Clique bei der Planung gemeinsamer Aktivitäten nicht auf dem Schirm haben. „Sie verstehen nicht, dass ich meistens eine Sieben-Tage-Woche habe und abends nicht pünktlich aus dem Betrieb komme. Da kriege ich schon mal zu hören: ‚Oh, so viel Verantwortung hast Du? Das könnte ich nicht..‘“ Immer wenn es zeitlich passt, schließt sie sich dem Freundeskreis an, fährt gern Fahrrad und verbringt freie Zeit mit ihrem jungen Rottweiler Alice im Hundesportclub, wo das Tier zum Begleithund ausgebildet wird.

Austausch mit anderen jungen Kollegen

Wie ihr Vater Walter, der Obermeister der Innung Baden-Baden/Rastatt/Bühl ist, erübrigt Nathalie Zuber Zeit für ehrenamtliches Engagement. Im Vorstand des Juniorenverbands des Deutschen Fleischerhandwerks sitzt sie als Schriftführerin und ist Mitglied des Aufsichtsrats der FGS Baden.

Im badischen Fleischerjuniorenverband tauscht sie sich mit den übrigen Mitgliedern aus. „Weil die jungen Kollegen zeitlich stark in ihre Arbeit eingebunden sind, ist es oft eine Herausforderung, alle zu einem bestimmten Termin zusammenzutrommeln“, bedauert sie. Die Treffen finden meist in den Betrieben der Junioren statt, dort machen alle einen Rundgang, essen zusammen und tauschen sich aus. Dabei geht es nicht nur um Geschäftliches, auch private Dinge werden thematisiert. Was Zuber besonders schätzt: „Es gibt kein Konkurrenzdenken. Das Schöne ist, dass wir offen miteinander umgehen.“

Nach ihrem Lieblingsessen gefragt, antwortet Nathalie Zubers spontan: „Ich esse alles. In meinem Beruf muss man schließlich auch alles probieren.“ Als kleinen Einwand fügt sie hinzu: „Aber man muss nicht alles mögen, was kreucht und fleucht.“

Mehr Beiträge aus der Serie "Karriere im Fleischerhandwerk" finden Sie hier.
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