Karriere im Fleischerhandwerk Selbstentwickler sind gefragt

Mittwoch, 21. November 2018
Barbara Zinkl: „Meister müssen Allrounder mit Managementkompetenzen sein.“
Foto: Fleischerschule Landshut
Barbara Zinkl: „Meister müssen Allrounder mit Managementkompetenzen sein.“
Themenseiten zu diesem Artikel:

Fleischerschule Digitalisierung IFFA Trends


90 Jahre Fleischerschule: Barbara Zinkl über Marktveränderungen, Digitalisierung und künftige neue Fortbildungsangebote.

Barbara Zinkl, seit 2009 Leiterin und seit 2014 Geschäftsführerin der 1. Bayerischen Fleischerschule Landshut, hat im Oktober als Geschäftsführende Gesellschafterin noch mehr Verantwortung übernommen. Die 37-Jährige will die 1928 gegründete Lehreinrichtung noch breiter aufstellen, um für die unterschiedlichen Bildungsbedürfnisse der Metzger gerüstet zu sein. Geplant sind zudem individuelle Trainings-Angebote vor Ort in den Betrieben, um diesen lange Anfahrtswege zu ersparen.

„Wir müssen flexibel gegenüber den Metzgern als unseren Kunden sein – genauso wie sie gegenüber den Endverbrauchern“, sagt Zinkl. Im Gespräch mit der afz sieht sie die Branche derzeit in einer Phase der „Marktbereinigung“. Die Zahl der Meisterschüler sinke, werde sich aber bald auf einem zukunftsfähigen Niveau einpendeln. Künftig gehe es bei der Wahl der Fortbildungsstätte vor allem um Qualität, wofür man sich in Landshut im 90. Jubiläumsjahr mit dem Wahlspruch „Bildung All Inclusive“ gut gerüstet sieht.

Die Schule erweitere und aktualisiere ständig ihr Programm an Fortbildungsveranstaltungen (bis zu Fachseminaren zur Spezialitätenproduktion in der Vorweihnachtszeit). Ihr „Hauptprodukt“ soll aber dreimal jährlich der elfwöchige Kurs zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung bleiben.

BFS Landshut
(Bild: buc)

Mehr zum Thema

Fleischerschule Landshut Stabwechsel zum 90. Jubiläum

Wird sich auch der Meisterkurs, dessen 437. Auflage derzeit läuft, weiter wandeln? „Natürlich“, sagt Barbara Zinkl und erinnert an ehemalige Schwerpunkte wie die Schlachtung, die heute in der Prüfung an Bedeutung verloren hat. Bei der handwerklich modernen Produktion von Fleischwaren wird großer Wert auf aktive Mitarbeit gelegt. Weil künftig der Metzgermeister ein Allrounder mit Managementfähigkeiten sein müsse, wurde mit der neuen Meisterprüfungsordnung die Handlungsorientierung gestärkt. Soll heißen: „Die Meisterschüler sollen nicht mehr auf Knopfdruck auswendig gelerntes Wissen bereit halten, sondern verstandenes Wissen anwenden.“ Das müsse fächerübergreifend unter Beweis gestellt und zum Beispiel als ein ganzer Kundenauftrag durchgearbeitet werden.

Dieses Konzept betrachtet die Chefin der Fleischerschule als richtungsweisend. Denn die Anforderungen an einen jungen und zeitgemäß agierenden Meister beschränken sich längst nicht mehr nur aufs Wurstmachen – das ist die Basis –, bei Selbstständigkeit und eigenem Betrieb sei er auch Verkäufer von Waren und Dienstleistungen wie Catering und Partyservice, führe Gespräche mit Kunden, werbe um Fachkräfte, sollte fit sein in Menschenführung, Betriebswirtschaft, Steuerrecht und vielem mehr. Und: „Er muss ein Selbstentwickler sein.“ Da das Wissen sich permanent entwickle – von der Produktionstechnik über Hygienevorgaben bis zu Konsumverhalten und Produkt-Trends –, müsse der Metzger sich auch außerhalb von Fortbildungsmaßnahmen selbstständig weiterentwickeln, „den Markt beobachten und kennen und die Kunden von morgen immer wieder neu begeistern“.

Was nach Ansicht von Barbara Zinkl in den Kursangeboten der Zukunft noch mehr als bisher Einzug halten wird, ist die Digitalisierung. Seit Metzgermeister Max Schöner die Tradition der Schule mit Kursen nach dem „Learning by Doing“-Prinzip in seiner Wurstküche begründete, haben die weiteren Schulverantwortlichen von Dr. Herbert Huber über Georg bis zu Barbara Zinkl diese stetig modernisiert. Computergesteuerte Wurstküchenmaschinen, WLAN im Klassenzimmer oder ein Online-Master-Studiengang „Unternehmensführung“ mit Schwerpunkt Fleischwirtschaft in Kooperation mit der FH Burgenland sind nur erste Bausteine dieser Entwicklung, der sich laut Zinkl auch die Betriebe stellen müssen. An der intensiven Betreuung der Kursteilnehmer ändert die Digitalisierung allerdings nichts.

Beim Bewältigen von Hürden will Barbara Zinkl ihren ehemaligen Schülern durch ein funktionierendes Netzwerk untereinander helfen – der Freundeskreis der Absolventen der 1. Bayerischen Fleischerschule zählt heute immerhin stattliche 585 Mitglieder. Hier begegnen sich Meister, Betriebswirte oder auch Fleischsommeliers auf Augenhöhe. Diese Kontaktpflege ermögliche jedem Einzelnen interessante Blicke „über den Tellerrand“ und das Lernen von erfolgreichen Kollegen in anderen Betrieben und Regionen.

Über neue Kurskonzepte verrät die Geschäftsführende Gesellschafterin noch nichts – nur so viel: Auf der Weltleitmesse IFFA vom 4. bis 9. Mai 2019 in Frankfurt werde man wieder eine echte Innovation präsentieren.

Das könnte Sie auch interessieren
stats