Karriere im Fleischerhandwerk Wissen und Erfahrung ständig erneuern

Mittwoch, 15. Januar 2020
Jeder Absolvent ist ein Deutscher Meister. So stand es auf den Schals zu lesen, die die Meister stolz und öffentlichkeitswirksam bei der Übergabe der Urkunden in der Frankfurter Paulskirche zeigten.
Foto: HWK FRM / Michels
Jeder Absolvent ist ein Deutscher Meister. So stand es auf den Schals zu lesen, die die Meister stolz und öffentlichkeitswirksam bei der Übergabe der Urkunden in der Frankfurter Paulskirche zeigten.

Große Meisterfeier in der Paulskirche. Fleischer stellen größte Berufsgruppe. Akademische und Duale Ausbildung sind gleichwertig.
Präsident Bernd Ehinger von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und Präsidentin Birgitta Wolff von der Goethe-Universität unterstrichen bei der Meisterfeier in Frankfurt am Main die Gemeinsamkeiten akademischer und dualer Ausbildung. Jede Bildung leiste einen Beitrag zur persönlichen Selbstbestimmung, verdeutlichte Ehinger vor rund 200 Handwerksmeistern des Jahrgangs 2019, ihren Angehörigen und den Ehrengästen aus Wirtschaft und Politik in der Paulskirche. 

Der Kammerpräsident bescheinigte den Nachwuchskräften aus 13 Gewerken, zukunftsweisende Techniken erlernt und die ersten Herausforderungen in den Betrieben bestanden zu haben. Die Gesellschaft brauche ausgebildete Fachleute mit praktischen Erfahrungen. Der Meisterbrief sichere die Qualität. Das habe man auch in Bundestag und Bundesrat erkannt und zu den bisher 41 Berufen zwölf weitere der Meisterpflicht unterworfen. Weiter machte er sich stark für die Aufnahme des Fachs „Werken“ in den allgemeinen Schulunterricht. Und er forderte die Sicherung der Berufsschulstandorte – nicht nur in Hessen.

Notwendig sei auch die verstärkte Vernetzung mit den Partnern in allen 130 Handwerksberufen. Die Einrichtung eines Campus für berufliche Bildung sei ein starkes Bekenntnis der Region für die Gleichwertigkeit der Ausbildungswege.

Universitätspräsidentin Wolff unterstrich die zahlreichen Gemeinsamkeiten dieser Wege. Während in der Wissenschaft Forschung und Lehre gepflegt werden, erwerben die Handwerker Wissen und Fertigkeiten, um sie in der Ausbildung weiterzugeben. Wissen bringe auch Macht, die es verantwortungsvoll auszuüben gelte. Birgitta Wolff mahnte weiter, dass neue Trends wie die Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt massiv verändern werden. Jeder müsse die richtigen Schlüsse für das eigene Handeln immer wieder neu ziehen. Künftig werde die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz viele umtreiben. Wissen und Erfahrung reichten nicht mehr für ein ganzes Leben. Ein Viertel aller Studierenden breche vorzeitig das Studium ab. Sie könnten anderswo – zum Beispiel im Handwerk – ihre Karrierechancen nutzen. Deshalb müsse das gesamte Bildungssystem durchlässiger werden. Mit dem gemeinsamen Projekt „yourPUSH“ leisteten Kammer und Uni einen Beitrag für die Anerkennung der Gleichwertigkeit von akademischer und dualer Ausbildung.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hob Qualität, Kreativität und Perfektion als Vorzüge des Handwerks hervor und mahnte die Bereitschaft an, aus Fehlern zu lernen. Mit dem Meisterdiplom hätten die jungen Fachleute die Tür zum eigenen Betrieb geöffnet, aber auch Verantwortung für die Zukunft übernommen. Früher habe das Handwerk die Hälfte aller Arbeitsplätze gestellt. Heute brächteen die Synergien in den unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen immer wieder neue Jobs.

Von den insgesamt 760 Jungmeistern waren 200 zur Feierstunde erschienen. Mit 60 Absolventen stellten das Fleischerhandwerk die größte Gruppe. Bei der abschließenden Ehrung wurde René Böhme als bester Fleischer und Dietlind Wäschle als beste Bäckerin ausgezeichnet. Die Handwerksstiftung nominierte den Fleischer Philipp-Francois Becker als Jahrgangsbesten.

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