Konsumgewohnheiten Vergesst das Internet – kauft vor Ort!

Donnerstag, 05. September 2019
Mit der Wahl der Einkaufsstätte – online oder stationär – fördern Konsumenten bestimmte Unternehmen und Wirtschaftsstrukturen.
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Mit der Wahl der Einkaufsstätte – online oder stationär – fördern Konsumenten bestimmte Unternehmen und Wirtschaftsstrukturen.

Wer Lebensmittel online kauft, zahlt generell einen höheren Preis. Der Einkauf in stationären Fachgeschäften hingegen ist preiswert und bringt eine Vielzahl weiterer Vorteile. Ein Plädoyer.
Stationär oder online einkaufen? Das nicht die Frage nach Gut oder Böse. Aber mit der privaten Konsumentscheidung und der Wahl der Einkaufsstätte fördern wir als Konsumenten bestimmte Unternehmen und Wirtschaftsstrukturen.

Vor Ort ist preiswert

Den sichersten Beweis für die These, dass der Einkauf in stationären Geschäften preiswerter ist als im Netz, liefern Anbieter, die sowohl online aktiv sind als auch Fachgeschäfte betreiben. Viele steuern das Online-Angebot so, dass der Konsument zwangsläufig die höherpreisigen Produkte kauft. Das gilt auch für den Lieferservice der Handelskonzerne. Hier fehlen in der bereitgestellten Auswahl viele Produkte, die in den Märkten günstig eingekauft werden können. Der Preis-Leistungsvergleich ergibt allerdings auch einen Einzelsieg fürs Internet: Hier erhält man eine maximale Auswahl an Premiumprodukten.

Vor Ort ist Frische

Für Online- und Lieferservices von frischen Lebensmitteln wie Fleisch und Wurst sind aufwändige Systeme für Verpackung, Transport und Lieferung nötig. Erst mit einem sehr hohen Aufwand wird es möglich, die Frische, die ein Fleischer-Fachgeschäft bietet, beim Online-Kauf zu garantieren. Die höchstmögliche Frische von Wurst bietet der Metzger mit handwerklicher Eigenproduktion.

Vor Ort ist Erlebnis

Der Einkauf im Fachgeschäft bedeutet Schauen, Riechen und Probieren. Online kann man ein Produktfoto zoomen und Beschreibungen lesen. Aber das volle Einkaufserlebnis mit allen Sinnen gibt es nur stationär. Wir sollten als Konsumenten die Händler unterstützen, die uns dieses Erlebnis bieten. Denn die Konsequenz ist klar: Wenn das Geld der Kunden ins Internet abwandert, sinkt die Zahl erlebnisstarker Fachgeschäfte.

Vor Ort ist ökologisch

Wer in Fachgeschäften vor Ort einkauft, vermeidet Belastungen für Umwelt und Klima: Es wird weniger Plastik und weniger Treibstoff verbraucht, Müll und manche Emissionen werden von vornherein vermieden. Zudem ist der stationäre Einkauf in der Regel dezentral – lange Anfahrtswege fallen weg.

Vor Ort ist sozial

Fleischereien, Bäckereien und andere Fachgeschäfte beschäftigen zahlreiche Fachkräfte. Sie ernähren mit ihrem Gehalt ihre Familien, die in der Regel in der gleichen Region leben. Dazu ein Beispiel: Die Personalkostenquote eines Fleischer-Fachgeschäfts ist etwa zehnmal so hoch wie die eines Discounters. Wer stationär in Fachgeschäften einkauft, sichert dort die Arbeitsplätze und ist ein sozial verantwortungsbewusster Einkauf. Ein derart handelnder Konsument dient dem Gemeinwohl in besonderem Maß. Der soziale Aspekt des Einkaufs vor Ort gilt auch dem Gemeinschaftsleben. Denn der Metzger, der Bäcker oder der Einzelhändler vor Ort unterstützen die örtlichen Vereine. Die Vereine, ihre Verantwortlichen und ihre Mitglieder sollten das beim eigenen Konsum bedenken.

Vor Ort ist regional

Wie alles andere können natürlich auch regionale Produkte online vertrieben werden. Regionales Einkaufen hat aber stets einen ganz besonderen Qualitäts-, Umwelt- und Gesellschaftsaspekt. Die kurzen Wege und dezentralen Kreisläufe sind im regionalen Handel bestimmend. Davon profitieren vor allem die bäuerlichen Familienbetriebe. Von jeher ist bewiesen: Von keinem anderen Geschäftspartner erhält der Bauer für seine Rinder und Schweine so gute und sichere Preise wie vom handwerklich schlachtenden Metzger.

Wer Fleisch und Wurst entsprechend vor Ort an der Theke kauft, sichert genau diese bäuerlich-handwerklichen Kreisläufe. Es ist also ein agrarsozialer Aspekt, der für den Einkauf vor Ort spricht: Denn beim Online-Einkauf von Fleisch und Wurst ist der Bauer aus dem nächsten Dorf eher austauschbar, als wenn wir persönlich das Fleischer-Fachgeschäft besuchen.

Vor Ort ist Heimat

Unsere Dörfer und Städte sind durch und mit dem Handel gewachsen. Neben den Kirchen sind in den Innenstädten vor allem die Geschäftshäuser bestimmend. Über Generationen hin funktionierte diese Wirtschaftsweise: Die Kunden kommen in die Innenstädte und kaufen in den hiesigen Geschäften. Die Geschäftsleute wiederum erwirtschafteten damit das Geld für den Erhalt und die Sanierung der Innenstädte.

Es gilt heute die Warnung: Attraktive Innenstädte wird es dauerhaft nur mit funktionierendem Handel und Handwerk geben. Schöne Geschäftshäuser gibt es künftig nur noch, wenn dort Geschäfte gemacht werden. Ohne Kunden aber, die in diesen Innenstädten einkaufen, wird dieses Stück Heimat nicht erhalten werden können!

Vor Ort ist gerecht

Die stationären Fachgeschäfte vor Ort bilden eine eigenständige Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsweise ab. Es sind Betriebe, die familiäre Werte nach innen und außen leben. Es sind viele kleine und mittelständische Unternehmen, die das gerechteste, real existierende Wirtschaftssystem der Welt repräsentieren: Die Soziale Marktwirtschaft.

Es gehören natürlich auch viele Online-Anbieter zu dieser Gruppe von Wirtschaftsakteuren. Aber: Wenn sich das Einkaufsgeschehen immer stärker ins Internet verlagert, wird das in der Tendenz die Großbetriebsformen weiter begünstigen und die kleineren Anbieter benachteiligen. Schon heute haben die fünf größten Anbieter im Lebensmittel-Einzelhandel einen Marktanteil von mehr als 65 Prozent. Den sechsten Platz im Lebensmittelgeschäft nimmt übrigens der Online-Riese Amazon ein.

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