Konsumgewohnheiten Warum wir Fleisch essen dürfen

Samstag, 09. März 2019
Beim Schlachten achtet der Handwerksfleischer darauf, seine Arbeit fachlich perfekt und ethisch verantwortungsvoll zu erledigen.
Foto: Schmidt
Beim Schlachten achtet der Handwerksfleischer darauf, seine Arbeit fachlich perfekt und ethisch verantwortungsvoll zu erledigen.
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Tierwohl


Die Menschheitsgeschichte, fast alle Weltreligionen und die Ernährung des Menschen rechtfertigen das Schlachten von Tieren. Die beste Schlachtung ist die handwerkliche durch Metzger, die das gelernt haben.
Die Schöpfungsgeschichte des jüdischen Tanach und auch des christlichen Alten Testaments beschreibt, dass Gott den Menschen in den Garten Eden setzte, damit er ihn pflege und beschütze. Der Mensch solle sich die Erde untertan machen. In Genesis 9,3 wird dazu der Verzehr von Fleisch ausdrücklich gestattet. Wer Muslim ist, findet in Koran und Sunna die Vorgaben, wie sein Leben auszusehen hat. Demnach darf der Mensch die Tiere, die Pflanzen und die ganze Schöpfung zu seinen Bedürfnissen einsetzen. Damit haben die landwirtschaftliche Haltung von Tieren und die Schlachtung der Tiere zur Gewinnung von Fleisch eine erste Rechtfertigung.

Einen weiteren Grund für das Recht des Menschen, Tiere zu schlachten, liefert die Evolutionsgeschichte: Der Mensch hat sich gerade mit und durch das Fleischessen positiv entwickelt und erfolgreich fortgepflanzt. Ohne Fleisch wären die frühen Menschen wahrscheinlich verhungert und ausgestorben. Es gäbe uns dann nicht mehr. Es gäbe auch viele Tier- und Pflanzenarten nicht mehr, wenn der Mensch nicht frühzeitig zur Domestizierung von Tieren und zur Kultivierung von Pflanzen übergegangen wäre.

Fleisch ist Teil einer ausgewogenen Ernährung

Eine dritte wichtige Rechtfertigung für das Schlachten von Tieren und das Essen von Fleisch liefert die Ernährungslehre: Fleisch gehört zu einer ausgewogenen menschlichen Ernährung dazu – darüber sind sich die Mehrheit der Ernährungswissenschaftler einig. Gerade Kinder, Heranwachsende und leistungsgeforderte Menschen brauchen Fleisch als unverzichtbares Konzentrat an lebenswichtigen Nährstoffen. Die ältesten Menschen waren und sind daher disziplinierte Gemischtköstler.

Menschen, die sich vom Lebensmittel Fleisch abwenden, tun das hauptsächlich aus zwei Gründen: Ein Motiv ist das Nachdenken über ökologische Zusammenhänge, etwa dem von landwirtschaftlicher Intensiv-Tierhaltung und Klimaerwärmung. Ausdrücklich anzuerkennen ist, dass viele Vegetarier und Veganer besonders sorgfältig reflektieren, wie sich unsere Lebensweise auf die Weltgerechtigkeit auswirkt. Gleichermaßen urteilte schon vor 30 Jahren der Tierarzt Prof. Dr. Ludwig Kotter: „Vegetarische Ernährung hilft nicht bei Ohnmacht gegenüber dem Elend auf dieser Welt.“ Und so lange wir das Weltklima mit und nicht gegen den Menschen retten wollen, ist auch ein Fleischverbot kein geeignetes Mittel. Sehr wohl aber kann aus Klimaschutz- und weiteren ökologischen Gründen heraus der Appell unterstützt werden: Esst weniger, aber dafür gutes Fleisch. Denn: Es ist erwiesen, dass extensive Nutztierhaltung, also Mutterkuh- und Weidehaltung, das Klima deutlich weniger belasten als eine intensive und industriell geprägte Landwirtschaft.

Ein weiteres Motiv für Fleischverweigerung ist das Mitleid mit dem Tier, das für die Fleischgewinnung geschlachtet wird. Dieses Motiv im Spannungsfeld von Ethik und Fleischessen verdient eine genauere Betrachtung. Was die besonders konsequenten Menschen bewegt, die des Tierwohls wegen auf Fleisch verzichten, hat in den 1950er-Jahren der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer formuliert. Ethik, so schrieb er, „besteht darin, (…) allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht entgegenzubringen wie dem eigenen“. Schweitzer forderte eine „ins Grenzenlose erweiterte Verantwortung gegen alles, was lebt“. Zu dieser Verantwortung bekennen sich aber nicht nur Fleischverweigerer. Die handwerklich schlachtenden Metzger entsprechen in ihrer Arbeit – gerade beim Schlachten der Tiere – diesem hohen Anspruch.

Die handwerkliche Schlachtung hat viele Vorteile

Die Kernfrage ist also nicht: Dürfen wir Tiere schlachten, um deren Fleisch zu essen? Vielmehr geht es um die Frage nach dem „Wie“. Tiere sind Mitgeschöpfe. Wie schlachtet man Mitgeschöpfe, so dass das vor Gott und der Welt und den Fleischessern in Ordnung ist? Die Antwort darauf erhält man jede Woche bei handwerklich schlachtenden Metzgern in allen deutschen Regionen. Diese Metzger haben das Schlachten im Rahmen ihrer Ausbildung gelernt. Sie haben schon bei der Gesellenprüfung – meist mit der Schlachtung eines Schweins – bewiesen, dass sie das verantwortlich und fachlich gut machen. Diese Metzger schlachten in einzelbetrieblichen Schlachtstätten oder in regionalen Gemeinschaftsschlachthäusern, sogenannten Metzgerschlachthöfen. Die handwerkliche Schlachtung hat wesentliche Vorteile im Bereich von Tierwohl, Fleischqualität und Fleischhygiene.

Besondere Bedeutung hat der Zusammenhang von Tierwohl und handwerklicher Schlachtung. Vor der Schlachtung durch den Metzger steht meist ein kurzer Tiertransport. Der beste Tiertransport ist dabei der durch den Bauern – denn das ist der Mensch, zu dem das Tier am meisten Vertrauen hat. Der größte Feind des Tierwohls ist bei diesem Transport und bei allen weiteren Handlungen der Zeitdruck. In bäuerlich-handwerklichen Strukturen ist es möglich, alle Arbeiten sorgfältig zu planen und auszuführen. Es gibt hier kein Fließband, und es herrscht kein Akkord-Zeitdruck.

Besondere Sensibilität ist beim Entladen der Tiere an der Schlachtstätte erkennbar. Wenn die Metzger dabei die Tiere schonen und Stress vermeiden, dann tun sie das wegen des Tierwohls und gleichermaßen wegen der Auswirkungen auf die Fleischqualität. Alle Metzger wissen: Es gibt kein gutes Fleisch von gestressten Tieren! Die handwerkliche Schlachtung hat ihren größten Tierwohl-Vorteil bei der Betäubung. Hier wird jedes Tier einzeln betäubt. Rinder bekommen einen Bolzenschuss in das Gehirn. Schweine werden mit einer Elektrozange oder einer Drei-Punkt-Elektrobehandlung betäubt. Immer gilt: Ein Tier nach dem anderen. Wenn einmal ein Fehler passiert, kann sofort nachgearbeitet werden. Ein Beispiel dazu: Es kommt vor, dass der Metzger bei der Elektro-Betäubung von Schweinen merkt, dass sie nicht ausreicht. Weil hier jetzt kein Zeittakt vorgegeben ist, geht der Metzger einfach einen Schritt zurück und macht die Betäubung ein weiteres Mal und vollständig. Erst dann folgt das Entbluten des Tieres durch einen Stich in die Halsschlagader.

Arbeit und Verantwortung bilden ein Ganzes

Wer eine solche handwerkliche Schlachtung beobachtet, sieht natürlich, dass auch dabei Blut fließt. Dass ein Tier gelebt hat und jetzt in zwei Hälften hängt. Aber er erkennt auch: Das ist so in Ordnung. Und diese Betrachtung gibt das gute Gefühl für das Essen dieses Fleisches aus einer verantwortlichen und verantwortbaren handwerklichen Schlachtung. Wer das sieht, erkennt den Vorteil im System: Wo handwerklich gearbeitet wird, ist die Arbeit und die Verantwortung ein Ganzes. Der Metzger, der schlachtet, zerlegt später und macht Wurst aus diesem Fleisch. Oft steht er hinter der Fleischertheke und verkauft dieses Fleisch und diese Wurst. Es ist die Ganzheitlichkeit im Fleischerhandwerk, die bessere Erzeugnisse aus Fleisch entstehen lässt.

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