Marketing Wissen bündeln und austauschen

Donnerstag, 18. Juli 2019
Der Oberkircher Fleischermeister Jochen Bohnert schätzt den regelmäßigen Austausch mit den Mitgliedern der Wertegemeinschaft.
Foto: mkt
Der Oberkircher Fleischermeister Jochen Bohnert schätzt den regelmäßigen Austausch mit den Mitgliedern der Wertegemeinschaft.

Jochen Bohnert aus Oberkirch ist seit zehn Jahren Mitglied in der Wertegemeinschaft „Metzger Ihres Vertrauens – Herkunft ist Zukunft“.
von Kurt Meier

Schon das Ambiente zeigt: Am Kirchplatz in der historischen Altstadt des badischen Städtchens Oberkirch betritt man keine x-beliebige Metzgerei, sondern eine „Genusswerkstatt“: Mit diesem Slogan wirbt die hier ansässige Metzgerei Bohnert. Als eine von fünf Fleischereien aus ganz Deutschland gehört sie der Wertegemeinschaft „Metzger Ihres Vertrauens - Herkunft ist Zukunft“ an. In diesem Jahr begeht die Gemeinschaft ihr zehnjähriges Bestehen.

„Der Metzgerei-Fachbetrieb muss sich vom Verkäufer hochwertiger Fleisch- und Wurstwaren mit Selbstbewusstsein und Selbstverständnis hin zu einer echten Marke entwickeln“, heißt es in der Konzeption, die die „Wertegemeinschaft Metzger Ihres Vertrauens“ vor zehn Jahren entwickelt hat. Eben dieses Konzept verfolgt Jochen Bohnert: „Wir sind eine Marke“, sagt der 47-jährige Fleischermeister selbstbewusst. Und die heißt: „Genusswerkstatt Oberkirch.“ Sie hat guten Zulauf, obwohl es drei weitere handwerklich geführte Fachgeschäfte in dem Städtchen mit 20.000 Einwohnern und den üblichen Supermärkten gibt.
„Damals waren wir unserer Zeit vielleicht etwas voraus. Heute trifft es genau den Zeitgeist. “
Jochen Bohnert
Entstanden ist die kleine, aber feine Vereinigung durch persönliche Beziehungen verschiedener Fleischermeister aus ganz Deutschland, die sich zufällig auf Seminaren und Fortbildungen getroffen hatten. Im persönlichen Gespräch merkten sie schnell: „Jeder hat die gleichen Probleme wie ich“, erinnert sich Jochen Bohnert. „Aber viele haben auch klasse Ideen, wie man diese Probleme lösen könnte.“ Dieses Wissen sollte man bündeln, lautete eine der Intentionen.

Erstes Werbeplakat erlebt ein Revival

Aus zunächst losen Verabredungen entstanden regelmäßige Treffen mit festen Terminen. Eine professionelle Werbeagentur wurde engagiert, die gemeinsam mit den Fleischermeistern die Idee eines Zusammenschlusses konzeptionell begleitete. Ein eigenes Logo wurde ebenso entworfen sowie ein gemeinsames Werbekonzept mit teilweise provokanten Slogans. Zum Beispiel der Aufruf, weniger Fleisch zu essen, dafür aber hochwertigeres. Das erste Werbeplakat erlebt im „Jubiläumsjahr 2019“ ein Revival. Bohnert: „Damals waren wir unserer Zeit vielleicht etwas voraus, heute treffen wir damit genau den Zeitgeist.“

Jede gut geführte Metzgerei hat ihre Stammkundschaft: „Wir sind Metzger des Vertrauens bei unseren Kunden“, verrät der Oberkircher. Diese Erkenntnis wurde zum Leitsatz und dieser wiederum mit einem Leistungsversprechen verknüpft, das die Fleischer ihren Kunden, aber auch gegenüber ihren Kollegen abgeben. Die „Metzger Ihres Vertrauens“ legen Wert auf regionale Grundprodukte und deren Hochwertigkeit. Den gleichen Maßstab legen sie in der Verarbeitung an. Der Zusammenschluss umfasst fleischverarbeitende Familienbetriebe, die zwar völlig unterschiedlich sind, aber eine gemeinsame Überzeugung haben, was Qualität, Marketing, Mitarbeiter- und Kundenbindung betrifft.

Von den Gründern sind zwar nicht mehr alle dabei. Derzeit besteht die Vereinigung aus den Metzgereien Schlag in Stuttgart-Mülhausen, Baur in Wernau, Meier III in Marburg, Ebert in Frankfurt am Main und Bohnert in Oberkirch. „In diesem Portfolio sind wir die Kleinsten“, sagt Bohnert. Der 47-jährige Meister und Fleischsommelier führt den 1937 von seinem Großvater Georg gegründeten Familienbetrieb in dritter Generation. 2006 übernahm er das Fachgeschäft von seinem Vater Günter. Er beschäftigt heute ein Dutzend Mitarbeiter, davon sechs im Verkauf. Wie die meisten seiner Kollegen kämpft auch Bohnert mit dem Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Gern würde er weitere Azubis in der Produktion und im Verkauf ausbilden.

Die Gemeinschaft

Quer über die Republik verteilt sind die Mitglieder der Wertegemeinschaft „Metzger Ihres Vertrauens“. Sie ist ein Zusammenschluss aus mehreren Einzelbetrieben, deren Inhaber sich regelmäßig treffen, um sich intensiv auszutauschen und neue Kampagnen zu erarbeiten.
Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Ladenverkauf im historischen Stadtzentrum von Oberkirch. Hier wird das angeboten, was täglich im rückwärtigen Teil des Gebäudes hergestellt wird. „Bei uns kommt nur Hochwertiges auf den Tisch – wie Schwäbisch-Hällisches Landschwein und Färsenfleisch“, erklärt Bohnert und räumt ein: „Wir sind durchaus hochpreisig.“ Aber in der „Genusswerkstatt“ stimmt eben das Angebot – sowohl qualitativ als auch bei der Beratung. Neben Frischwaren liegt eine der Stärken der Metzgerei in einem großen Angebot an Wurstkonserven und Convenience-Artikeln. Extrawünsche der Kunden nach besonderen Fleischzuschnitten erfüllt der Chef genauso wie die Lieferung besonderer Tipps für eine gelungene Grillparty. Das erfordert vor allem auch vom Verkaufspersonal eine hohe fachliche Kompetenz. „Meine Mitarbeiter sind das Aushängeschild unseres Betriebs“, weiß Bohnert, der gern – wenn es seine Zeit zulässt – selbst hinter der Theke steht und den direkten Kundenkontakt sucht.

Intensive Vernetzung und Blicke über den Tellerrand

Er ist davon überzeugt, dass ihn die „Wertegemeinschaft Metzger Ihres Vertrauens“ unternehmerisch weitergebracht hat – nicht nur bei Marketing und Werbung. Ganz besonders schätzt er die Vernetzung der Mitglieder untereinander, die weit über den „harten Kern“ der Vereinigung hinaus geht. „Das ist wichtig und sollte auch von weiteren Kollegen genutzt werden“, appelliert er, über den sprichwörtlich „eigenen Tellerrand“ hinaus zu schauen und sich trotz allem Alltagsstress bewusst Zeit für Entwicklungen und neue Ideen zu nehmen. Es sei nicht damit getan, im Internet ein paar flugs geschossene Fotos vom Geschäft einzustellen und darauf zu hoffen, dass irgendjemand das schon interessieren werde. Gerade die sozialen Medien böten unendlich viele Möglichkeiten. Für ihre Nutzung empfiehlt er aber, professionelle Hilfestellung zu nutzen.

Für dieses Jahr plant die „Wertegemeinschaft“ noch ein paar Überraschungen, mit denen sie an das zehnjährige Bestehen erinnert will. Vielleicht stößt der eine oder andere Betrieb ja noch dazu. „Wer sich mit unserem Konzept anfreunden kann, ist willkommen.“
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