Menschen im Fleischerhandwerk Aktenzeichen Meier III

Donnerstag, 06. Juni 2019
Fleischer, Caterer und Betriebswirt: Martin Meier ist der Geschäftsführer der Meier III GmbH in Marburg.
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Fleischer, Caterer und Betriebswirt: Martin Meier ist der Geschäftsführer der Meier III GmbH in Marburg.

Was Martin Meier in Marburg so alles treibt, wie die „III“ in den Firmennamen kommt und was die Handwerkszukunft bringt.
von Uli Köster

Der Name „Meier“ zählt in Deutschland eher als Sammelbegriff, doch ausgerechnet ein Verwaltungsakt sorgte dafür, dass bereits das Ladenschild der Fleischerei Meier in Marburg auffällt – „Meier III“. 1910 eröffnete Heinrich Meier in Beltershausen (Ebsdorfergrund) eine Gaststätte, 20 Jahre später erweiterte sein Sohn, der ebenfalls Heinrich hieß, das Geschäft durch eine Metzgerei mit eigener Schlachtung. Da es in dem kleinen Ort noch eine dritte Person mit diesem Namen gab, vergab das Finanzamt einfach römische Ziffern – der Jüngste hieß fortan „Meier III“ und somit auch der Betrieb.

Ende der 1950er Jahre übernahm Meier seinen ehemaligen Lehrbetrieb in Marburg und verlegte das Hauptgeschäft dorthin – der vorerst letzte Heinrich trat 1965 in die Firma ein. Seine Ehefrau Ingeborg stammte ebenfalls aus einer Metzger-Familie, deren Geschichte sich sogar bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen lässt – aus dieser Tradition stammen viele der heute noch verwendeten Rezepturen. Mitten in der Universitätsstadt Marburg entstand 1980 eine neue Wurstmanufaktur, die bis heute der Unternehmenssitz ist – von dort aus wurden bis zu neun Filialen und der Großhandel beliefert.

Klasse statt Masse

Im Laufe der Jahre wuchs vor allem der Party-Service, die individuell zusammengestellten Buffets profitieren von der Qualität der Metzgerei-Spezialitäten. Heute leitet Martin Meier den Betrieb. Der 48-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach der Mittleren Reife absolvierte er die Fleischer-Lehre und leistete anschließend seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr. In der Fachoberschule erwarb er das Fachabitur, parallel dazu arbeitete er und blickte in anderen Metzgereien über den betriebseigenen Tellerrand. 1993 besuchte er den Meisterkurs an der Fleischer-Fachschule J. A. Heyne in Frankfurt am Main und sattelte noch ein BWL-Studium obendrauf. Seit 2010 steht der Diplom-Betriebswirt nun der Meier III GmbH als Geschäftsführer vor, Vater Heinrich ist Gesellschafter.
„Einige der verwendeten Rezepte sind aus dem 15. Jahrhundert. “
Martin Meier
Das Catering-Geschäft entwickelte sich mehr und mehr zum zweiten Standbein, Metzgerei und Küche wurden modernisiert und nach EU-Richtlinien zertifiziert. Das schwindende Vertrauen der Endverbraucher in Fleischereien und Bäckereien brachte bei Meier die Frage auf: „Wie kann man dem entgegenwirken?“. Er suchte nach einem Konzept, um das Ladengeschäft gut händeln zu können, nach und nach verringerte sich die Anzahl seiner Filialen, bis nur noch eine übrig blieb. Auch das Angebot halbierte er, „die 75 Artikel aus unserem Sortiment stammen ausschließlich aus eigener Produktion“, betont er den Verzicht auf Handelsware.

Mit Ausnahme von Gehacktem und Bratwurst, findet man keine Rohware mehr in der Verkaufstheke, dafür Wurst- und Schinkenspezialitäten sowie die immer beliebter werdenden Glaskonserven. Zudem ist mitten in der Stadt die Heiße Theke nicht nur für Studenten ein beliebter Anlaufpunkt. Obendrein bietet das Fachgeschäft schmucke Geschenk-Boxen in verschiedenen Größen, unter anderem die Luftgetrocknete im Ring, Chili-Beißer oder Marburger Kartoffelsuppe beinhalten. Örtlich bedingt schlachtet Meier nicht selbst, „aber gute Ware von Kollegen und kurze Wege garantieren frische Qualität“, weiß der erfahrene Metzger.
Weniger ist mehr: In der einzigen Filiale bieten Fleischermeister Martin Meier und seine Fachverkäuferin etwa 75 Produkte an, die alles aus eigener Produktion stammen.
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Weniger ist mehr: In der einzigen Filiale bieten Fleischermeister Martin Meier und seine Fachverkäuferin etwa 75 Produkte an, die alles aus eigener Produktion stammen.
Derzeit arbeiten 13 Angestellte im Unternehmen, darunter einige mit 25- und sogar 40-jähriger Betriebszugehörigkeit. Neben zwei ausgebildeten Fleischern gehören auch zwei Köche zu Meiers Team, denn der Catering-Anteil macht mittlerweile fast die Hälfte seines Geschäfts aus. Meier III bietet dazu Komplett-Pakete, die neben dem Essen auch externes Servicepersonal, Geschirr oder sogar den Event-Fotografen enthalten.

„Meine beiden Mitarbeiter im Büro und ich sind so vernetzt, dass jeder immer auf dem gleichen Stand ist und schnelle Entscheidungen treffen kann“, lautet sein Ansatz für größtmögliche Flexibilität. Durch das Smartphone ist er immer erreichbar – was für manche ein Fluch ist, nutzt Meier als Segen, denn so schafft er sich Freiräume und auch Freizeit, die er gern zum Schwimmen, Tauchen oder Segeln nutzt oder entspannt mit dem Hund spazieren geht.

Multimediale Selbstdarstellung

Wie viele seiner Kollegen ist auch Meier stets auf der Suche nach Fachkräften und Nachwuchs, „dazu nutze ich das Internet, die Verbindungen zur Kreishandwerkerschaft oder zum Fleischerverband Hessen sowie beispielsweise die Aktionswoche des Handwerks“, beschreibt er seine Herangehensweise. Um neue Kunden zu werben, setzt Meier auf mediale Darstellung – frei nach dem Motto, „Was macht Meier III eigentlich?“, präsentiert sich das fleischerhandwerkliche Unternehmen mit vielen Bildern im Internet und den sozialen Medien, damit soll vor allem die jüngere Generation angesprochen werden. „Ich mache noch alles, aber eben nicht immer“, sagt der 48-Jährige über sich selbst, „Produktion, Verkauf und direktes Feedback bringen Abwechslung und somit die Freude am Beruf“.

Vor zwei Jahren wurde Meier zum Obermeister der Marburger Fleischerinnung gewählt, das läutete einen Generationswechsel ein. Die Vernetzung zwischen den Mitgliedern und der kollegiale Austausch sowie die Unterstützung bei Fragen liegen ihm besonders am Herzen. Darüber hinaus sieht er sich als Bindeglied zur Lokalpolitik, der Öffentlichkeit und dem Fleischerverband. „Im Vorstand hat jeder seine Aufgaben“, blickt Meier auf die bislang gute Zusammenarbeit und sieht sich daher als Primus inter pares.

Meier III in Marburg

1930: Unternehmensgründung in Beltershausen (Ebsdorfergrund)

1958: Verlegung des Hauptgeschäfts nach Marburg

1980: Bau der Wurstmanufaktur „Am Grün“, die bis zu neun Filialen und den Großhandel beliefert.

1996: Beginn Party-Service, Ausbau des Catering-Geschäfts

2009: Metzgerei und Catering-Küche modernisiert, Betrieb nach EU-Richtlinien zertifiziert

2010: In dritter Generation übernimmt Martin Meier den Betrieb und steht fortan der Meier III GmbH als Geschäftsführer vor.

2017: Martin Meier wird zum Obermeister der Innung Marburg gewählt.

2019: Meier III reduziert auf eine Filiale und betreibt Catering als zweites Standbein.

Von der Politik wünscht er sich mehr Rückhalt. In seinen Augen stünden Direktvermarkter bisweilen zu sehr im Fokus, dabei seien er und seine Handwerkskollegen diejenigen, die mit ihrer Arbeit und der Nachwuchsausbildung Tradition und Kulturgut erhalten. „Für die Metzgerei der Zukunft gibt es kein Patentrezept.“ Es seien mehrere Szenarien vorstellbar, dazu müsse aber jeder seinen eigenen Weg finden. „Wichtig ist dabei vor allem, dass man authentisch bleibt“, lautet seine Devise. Über seine Nachfolge macht er sich momentan keine Gedanken, seine Kinder gehen noch zur Schule. Was sie später mal machen wollen, ist offen.
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