Software Stecker raus bei Windows 7

Sonntag, 15. Dezember 2019
Foto: Microsoft

Microsoft stoppt die Sicherheits-Updates für das Betriebssystem Windows 7. Ignorieren sollte das kein Nutzer.

Am 14. Januar 2020 ist es so weit: Microsoft plant das letzte offizielle Sicherheits-Update von Windows 7. Damit stellt der IT-Konzern – nach Windows XP – zum zweiten Mal den Support einer noch weit verbreiteten Windows-Version ein.

Denn das „Lebenszyklus-Ende“ der Software ist für vergleichsweise viele Anwender relevant. Laut dem Onlineportal Statista nutzte zwar im Oktober 2019 weltweit gut jeder zweite (54 Prozent) Anwender bereits das Betriebssystem Windows 10. Aber immerhin auch noch gut jeder vierte (27 Prozent) Windows 7.

Doch lamentieren hilft nicht viel: Anfang 2020 soll es das letzte Mal kostenlose Sicherheitsupdates für Windows 7 geben, danach plant der amerikanische Softwaregigant keine Aktualisierungen mehr und der technische Support fällt ebenfalls weg. Also werden auch Sicherheitslücken, die neu bekannt werden, nicht mehr gestopft.

Mehr Sicherheitslücken 2019

Genau deshalb ist es keine gute Idee, wenn man das Ende von Windows 7 einfach ignoriert. Die Zahl der Sicherheitslücken sinkt nicht etwa, sondern steigt, wie die Datenbank „CVE Details“ auflistet. Von 2009, als Windows 7 veröffentlicht wurde, bis 2019 gab es demnach insgesamt 1.283 Probleme, 641 davon wurden erst in den vergangenen drei Jahren gefunden. Und mit 250 neu entdeckten Sicherheitslücken allein 2019 erreichte die Statistik einen neuen Höchststand, obwohl das Jahr noch nicht einmal zu Ende ist.

Privatkunden empfiehlt Microsoft, von Windows 7 auf Windows 10 umzusteigen und dies natürlich am liebsten mit dem Neukauf eines PCs zu verbinden, auf dem das aktuelle Windows bereits vorinstalliert ist. Windows-7-Nutzer können nun entweder zu einem ganz anderen Betriebssystem wechseln oder kommen auch gratis, ohne die Investition in neue Hardware, an Windows 10, wie die aktuelle Computerzeitschrift c’t (2019, Heft 26) detailliert aufzeigt.
„Immer mehr vernetzte Geräte sind potenzielle Einfallstore für Cyberkriminelle.“
Für Firmenkunden bietet Microsoft weiterhin Sicherheitsupdates an, allerdings sind diese allesamt kostenpflichtig. Mit einem „Azure“-Abonnement lässt sich beispielsweise Windows 7 virtuell in Azure betreiben, der Support ist für maximal drei Jahre inklusive.

Auch für andere Installationen können sich Unternehmen eine Verlängerung des Supports erkaufen („Erweitertes Sicherheitsupdate-Programm“), wobei Microsoft den Preis pro Jahr und PC berechnet und auch die jeweilige Edition wie etwa „Pro“ oder „Enterprise“ berücksichtigt. Der Preis der kostenpflichtigen Updates („Extended Security Update“, ESU) soll sich jährlich verdoppeln und auch hier soll der Support nach drei Jahren endgültig enden.

Keine anderen Updates seit 2015

Wer den zusätzlichen Support bucht, bekommt ausschließlich Updates, die der Softwarekonzern als sicherheitskritisch oder wichtig einstuft. Darüber hinausgehende „problemorientierte Beratungstätigkeiten“ sind nicht enthalten. Andere Updates für Windows 7 stellt Microsoft übrigens ohnehin schon seit 2015 nicht mehr zur Verfügung.

Windows 7 bleibt grundsätzlich voll funktionstüchtig und läuft auch nach dem Support-Ende weiter, falls das System nicht durch Viren & Co. lahmgelegt wird.

Genau da liegt die Krux: In einer Metzgerei sind immer mehr Geräte vernetzt, von der Kasse und der Waage über die Warenwirtschaft bis hin zur Maschine, die im „Internet der Dinge“ ankündigt, dass sie gewartet werden muss. All das sind potenzielle Einfallstore für Cyberkriminelle. Jeder Windows-7-Anwender, der eine solche Vernetzung nutzt, setzt sich also einem Risiko aus.

Hinzu kommt, dass viele Anbieter von Branchensoftware diese schon für das neue Betriebssystem konzipiert haben, beispielsweise die Rezeptsteuerung, das Bestellwesen und die Informationen zur Deklarationspflicht.

Außerdem hat Windows 10 anders als die Vorgängerversion eine für Unternehmen praktische Benutzerkontensteuerung, die die Zugriffsrechte regelt. So kann beispielsweise nur der Chef Administrationsrechte bekommen und somit bestimmte Änderungen vornehmen oder Software installieren.

Die sogenannten Standard-User bekommen hingegen nur ausgewählte Bereiche, Inhalte oder Dokumente zu sehen. So könnten die Mitarbeiter in ihren Pausen den Laptop des Chefs nutzen, auf dem sensible Daten gespeichert sind, und wenn der Chef sich einloggt, wird aus dem allgemeinen Rechner wieder ein Geschäfts-Laptop.

Wenn ein Unternehmen zu Windows 10 wechselt, kann er seinen Betrieb weiter digitalisieren. Das ist auch das Kalkül des Software-Giganten. Microsofts Produktstrategie sieht vor, sämtliche Kunden-Lizenzen in Abos umzuwandeln. Die Nutzer zahlen dann anfangs deutlich weniger, als wenn sie eine Lizenz kaufen, später wird aber eine regelmäßige Miete fällig. Da die durchschnittliche Einsatzzeit eines Betriebssystems in kleineren Unternehmen rund fünf bis sieben Jahre beträgt, kann dies teurer werden.

Microsoft erhöht Druck weiter

Doch Microsoft erhöht den Migrationsdruck weiter. Die neue Bürosoftware Office 2019 funktioniert beispielsweise nur noch mit Windows 10, das zudem weiter aktualisiert und mit neuen Funktionen versehen wird, so dass Anwender älterer Branchenlösungen das Nachsehen haben könnten.

Wer seinen Betrieb digital aufstellen will, sollte also allein angesichts der Cyber-Bedrohungen umsteigen und möglicherweise das cloudbasierte Komplettabonnement „Microsoft 365“ nutzen. Die internetbasierte Rundumlösung für stationäre und mobile Geräte bietet beispielsweise die stets aktuelle Windows-Version, einen Onlinespeicher, das Officepaket mit Anwendungen wie Word, Excel, Outlook sowie Power Point und bietet Schutz vor Schadsoftware. Darüber hinaus werden die Programme laufend ergänzt, etwa mit Kundenmanagement-Software oder einer Buchhaltungsfunktion.

Abovarianten aus der Cloud

Die Monatsmiete pro Nutzer liegt bei Microsoft je nach gebuchtem Leistungsumfang zwischen 4,20 und 16,90 Euro (zzgl. MwSt., Stand 12/2019). Das ist für kleine und mittelständische Unternehmen durchaus bezahlbar, allerdings bindet das den Handwerker noch enger an den Quasi-Monopolisten.

Wer sich für die internetbasierte Abovariante von Microsoft entscheidet, kann sich auch bei IT-Anbietern wie der Deutschen Telekom nach Sondereditionen umschauen, die beispielsweise rabattiert sind oder besondere Support-Dienste enthalten, die sonst kostenpflichtig wären.

Als Download kostet Windows 10 bei Microsoft in der Vollversion „Pro“ 259 Euro (mit erweiterten geschäftlichen Funktionen wie Verschlüsselung, Remoteanmeldung und Erstellung virtueller Computer). Es gibt auch einen großen Zweitmarkt, bei der die Software oder Lizenzschlüssel deutlich günstiger zu haben sind. Aber Vorsicht: Wenn die Schlüssel aus Volumenverträgen stammen oder an bestimmte Hardware gekoppelt sind, kann es bei der notwendigen Online-Aktivierung zu Problemen kommen. Deshalb sollte man die Software nur bei seriösen Onlinehändlern, von denen es inzwischen einige gute und professionelle gibt, kaufen.

Wenn der Büro-PC bald ausgedient hat und der Chef ohnehin an einen Hardware-Neukauf denkt, ist Windows 10 in aller Regel bereits vorinstalliert oder lässt sich günstig erwerben. Da der Rechner im Unternehmen sinnvollerweise als Netzwerkrechner eingesetzt wird, sollte der Handwerker unbedingt die Pro-Variante des Betriebssystems kaufen.

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