Unternehmensstrategie Fünf Säulen sind perfekt verzahnt

Freitag, 05. Oktober 2018
In der komfortabel eingerichteten Showküche sind Matthias (links) und Andreas Ostrowski in ihrem Element.
Foto: BBQ & More
In der komfortabel eingerichteten Showküche sind Matthias (links) und Andreas Ostrowski in ihrem Element.

Bei der Übergabe an die nächste Generation wandelte sich die Landmetzgerei Ostrowski zur BBQ & More Manufaktur. Doch nicht allein die Firmierung änderte sich, sondern die komplette Unternehmensstrategie.
Einen radikalen Schnitt vollzogen Andreas und Matthias Ostrowski, als sie 2016 die elterliche Landmetzgerei im dörflichen Ortsteil Seibranz von Bad Wurzach übernahmen. Die Brüder begnügten sich nicht damit, den Betrieb umzukrempeln. Sie setzten unter der Firmierung BBQ & More Manufaktur ein komplett neues Geschäftskonzept auf. 

Es ist breit aufgestellt, weil es auf mehreren Säulen basiert, die sich ideal ergänzen. Die erste Säule ist die Manufaktur. Sie ist weniger auf Wurst, sondern extrem stark auf Fleisch fokussiert, das durchweg in der Premium-Liga rangiert. Zur Manufaktur zählt aber auch die Herstellung von Saucen und Dips sowie das Mixen von Salzen und Gewürzen. Als zweite Säule bezeichnet Matthias Ostrowski den Vertrieb, den der Fleischermeister und Fleischtechniker nach den Absatzkanälen in Laden und Web-Shop unterteilt.

Die nächste Kategorie bilden die Dienstleistungen. Ihnen ordnet der 42-Jährige Kurse, Vorträge und das Catering zu. Als weitere Einheit kommt der Grillfachhandel hinzu. Er ergab sich aus den Barbecue-Kursen und hat nach Angaben von Ostrowski mittlerweile eine recht ordentliche Größenordnung erreicht. Unter Consulting verbuchen die Brüder die Beratungen für andere Unternehmen ähnlichen Stils oder für eine BBQ-Zeitschrift.
„Fleischkauf ist ein Vertrauensthema. Sogar die Online-Kunden kommen vor der ersten Bestellung gern vorbei, um mit uns zu reden.“
Matthias Ostrowski
Diese Neu-Ausrichtung erforderte Veränderungen. Der größte Eingriff erfolgte im Laden. Er wurde um die Hälfte auf rund 50 qm verkleinert, damit eine ebenso große Showküche entstehen konnte, die gewissermaßen als Herzstück des zeitgemäßen Unternehmensmodells gilt. Dafür musste das Sortiment enorm gestrafft werden. Lebensmittel und Non-Food-Artikel, die die Metzgerei als Nahversorger führte, flogen allesamt raus. Auch das Wurstangebot ist jetzt erheblich kleiner, weil der Schwerpunkt beim Fleisch liegt.

In der Rohstoffbeschaffung gehen die Meister ebenfalls andere Wege als ihr Vater Otto, der sie in der Produktion noch unterstützt, ebenso wie Mutter Sieglinde nach wie vor für den Verkauf im Laden zuständig ist. Schweinefleisch beziehen sie von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), auch das Bœuf de Hohenlohe. Überhaupt kommunizieren sie bei jedem Fleischstück offensiv die Rasse als Qualitätsmerkmal: Ibérico beim Schwein oder Simmentaler, Wagyu und Black Angus beim Rind. Und die perfekte Zubereitung zeigen sie in ihren Kursen, für die im Schnitt zwei bis drei Samstag-Nachmittage pro Monat reserviert sind. Dann fließen gleich mehrere Stränge des Konzepts ineinander. Denn die Seminare dienen manchen Teilnehmern auch als Praxistest für den anschließenden Gerätekauf. Und ein paar der probierten Saucen oder der Rub aus der Manufaktur werden ebenfalls gekauft. 

Wenn keine gebuchten Events den Platz in der Showküche blockieren und keine großen Catering-Aufträge anstehen, findet immer donnerstags ein BBQ-Abend statt, der sich daraus ergab, das die beiden Nachfolger den Bewohnern der 1.200 Einwohner zählenden Gemeinde zeigen wollten, was sie jetzt alles – anders – machen. Inzwischen kommen etliche Gäste auch von auswärts, um sich ein perfekt gegartes Steak zu gönnen.

Nicht selten zieht ein solcher Fleischgenuss eine Online-Bestellung nach sich. Weil das Fleisch nicht nur frisch, sondern je nach Herkunft teilweise auch tiefgekühlt verschickt wird, haben sich die Ostrowskis extra einen Schockfroster angeschafft.
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