Nahrungsmittel sind mehr als nur Konsumgüter
Elisabeth Kilian

Nahrungsmittel sind mehr als nur Konsumgüter

Mittwoch, 20. Februar 2013

Elisabeth Kilian über Verluste von Lebensmitteln

Die FAO hat gemeinsam mit der EU und weiteren Partnern ein Programm gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln gestartet. In der global angelegten Kampagne „Think. Eat. Save. Reduce your Footprint.“ geht es aber nicht nur um Essensabfälle, sondern auch den Anteil, der während des Produktionsprozesses weltweit verloren geht. Dies kann vor der Ernte, nach der Ernte, während der Verarbeitung und der Logistik geschehen. Diese beiden Verluste machen ein ganzes Drittel und 300 Millionen Tonnen der jährlichen Weltproduktion aus.

Die Kampagne will vor Augen führen, dass besonders das Wegwerfen von Nahrungsmitteln zwar weltweit ein riesiges Problem darstellt, dass sich unter anderem auch negativ auf die Umwelt auswirkt. Andererseits kann dieses Problem relativ leicht behoben werden, indem der Verbraucher seine Gewohnheiten ändert. Dieses Problem hat auch die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner, auf Bundesebene mit ihrer Kampagne „Zu gut für die Tonne“ angesprochen. „Eat. Save. Reduce your Footprint“ unterstützt die Initiative „Save Food“ der FAO, Messe Düsseldorf und der Zero Hunger Initiative der EU.

Laut FAO ist in Entwicklungsländern der Anteil an Nahrungsmittelverlusten hauptsächlich in früheren Stadien der Produktion unzureichender technischer Ausstattung geschuldet. Dies gilt zum Beispiel für das Ernteequipment, Lagerräume, die Kühlung und die Vermarktungswege. In Industrieländern liegt der Knackpunkt eher am Ende der Verarbeitungskette: zu hohe Ansprüche an das Aussehen der Ware, Wegwerfen von noch zum Verzehr geeigneten Nahrungsmitteln, zu große Portionen.

Doch nicht nur das Endprodukt wird beim Wegwerfen entsorgt, sondern auch viele Inputs, die notwendig zur Herstellung waren, wie Arbeitsstunden, Wasser, Landressourcen, Spritzmittel, Benutzung von Maschinen, Logistik und nicht zuletzt die Umweltbelastung durch Treibhausgase. Achim Steiner, Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) betonte, dass in einer Zeit des stetig wachsenden Bevölkerungswachstums die Verschwendung von Nahrungsmitteln weder wirtschaftlich, ökologisch noch ethisch Sinn mache.

Die ethische Sinnlosigkeit spiegelt sich besonders bei der Erzeugung tierischer Nahrungsmittel. Hier wird ein Lebensmittel entsorgt, das nicht nur andernorts von Hungernden gebraucht werden könnte, sondern für dessen Herstellung Lebewesen notwendig waren, deren Beitrag somit wertlos wird. Das Bewusstsein solcher doppelt fehlender ethischer Wertschätzung für Lebensmittel muss geschärft werden. Dazu kann jeder beitragen, indem er lernt, nur so viel Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte zu kaufen, wie für den Bedarf benötigt werden. Tierische und pflanzliche Nahrungsittel nicht nur als austauschbare Konsumgüter zu sehen, wäre dafür ein guter Anfang.
Quelle: FleischWirtschaft 2/2013
stats